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Kilian: „Dort wie hier ist Fußball wie Religion“


Luca Kilian stieß im Sommer als letzter Spieler zum 1. FC Köln. Der Innenverteidiger war der Wunschspieler von Steffen Baumgart für die vakante Position im Defensivzentrum. Wie der Wechsel zustande kam, welche Anforderungen der FC-Trainer an die Verteidiger hat und ob Kilian in Köln bleibt, darüber sprach der 22-jährige im GEISSBLOG-Interview.

Das Interview führte Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Kilian, Sie sind im Sommer von Mainz nach Köln gewechselt. Woran hat es gelegen, dass Sie am Sonntag im Kölner Trikot auflaufen werden und nicht in dem der Mainzer?

LUCA KILIAN: „Das hatte verschiedene Gründe. Als in Mainz der neue Trainer kam, war zwar Not am Mann in der Innenverteidigung, aber auch ich selbst bin leider mit einer Lebensmittelvergiftung ausgefallen. Es hat fünf, sechs Wochen gedauert, bis ich wieder richtig fit war. Danach hat nicht mehr alles gepasst. Ich wollte es zwar allen zeigen, und das hat man auch gesehen, aber es hat nicht sollen sein.“

Schwingen noch negative Gefühle mit aus dieser Zeit?

Nein. Es war eine sehr lehrreiche Zeit, auch die Herausforderung, mit Rückschlägen umzugehen. Ich fahre am Sonntag nicht dorthin, um jemanden umzugrätschen oder allen zu beweisen, wie gut ich bin. Wir wollen einfach gewinnen, und natürlich will ich eine gute Leistung bringen.

Der FC hat eine Kaufoption, um Sie in Köln zu behalten. Das heißt, am liebsten würden Sie im nächsten Sommer in Köln bleiben?

Klar. (lacht) Ich fühle mich hier sehr wohl.

Wie kam denn der Wechsel zustande? Steffen Baumgart kannte Sie ja noch aus Paderborn.

Es war für mich im Sommer früh klar, dass ich aus Mainz weg wollte. Das hatte ich auch so kommuniziert. Es ging dann darum, wohin ich gehen würde. Nicht gerechnet hatte ich damit, dass sich mein alter Trainer melden würde. In Mainz hatte ich ja wenig gespielt. Als dann der Kontakt kam, war für mich klar, dass ich nach Köln möchte. Ich bin ein Kind aus dem Ruhrgebiet, und dort wie hier ist Fußball wie Religion. Das hat einfach sofort gepasst.

Trotzdem dürfte Steffen Baumgart für Sie auch ein Faktor gewesen sein, oder?

Ich wusste natürlich sofort, was von mir verlangt wird. Das ist wichtig, um schnell anzukommen und sich zurechtzufinden.

Was fordert Ihr Trainer von Ihnen als Innenverteidiger?

Da geht es zunächst zuallererst um den Einsatz, immer ans Limit zu gehen. Positionsspezifisch sind es dann Anforderungen an das hohe Verteidigen, das Durchsichern auf den Positionen und das mutige Nach-vorne-Spielen, um immer wieder auf die nächste Chance zu gehen, das nächste Tor. Das zeichnet seinen Fußball aus und macht ihn natürlich auch für uns als Spieler attraktiv.

Steffen Baumgart hat Sie hier mit großen Worten angekündigt, hat davon gesprochen, Sie gehörten zu den besten Innenverteidigern in Deutschland.

In Paderborn lief es damals in der Tat unglaublich gut. Da ging es für mich in der Bundesliga von null auf hundert. In dieser Zeit habe ich mich sehr schnell weiterentwickelt. Wir haben zwar wenige Punkte geholt, aber guten Fußball gespielt. So konnte ich meine Leistung bringen, die dann dazu geführt hat, dass andere Vereine auf mich aufmerksam geworden sind. Wobei es im Nachhinein vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich noch ein weiteres Jahr in Paderborn geblieben wäre. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Jetzt sind Sie in Köln und konkurrieren mit drei anderen Innenverteidigern um zwei Positionen. Wo sehen Sie sich da im Kampf um die Plätze?

Wir haben vier unterschiedliche Spielertypen. Das gibt dem Trainer die Möglichkeit, je nach Gegner zu wechseln. Ich bin ein körperlich robuster Verteidiger, gehe hart in die Zweikämpfe, langsam bin ich auch nicht. Meinen Spielaufbau muss ich noch verbessern, auch mein Timing im Kopfballspiel. Daran arbeite ich hier mit Kevin McKenna. Ich will gerade offensiv noch gefährlicher werden.

Eigentlich müssten Sie bei Ihrer Körpergröße (1,92 Meter) ja eine Waffe bei Standards sein.

Das stimmt, da muss ich noch viel mehr rausholen. In der Jugend war das immer so einfach, da war ich immer der Größte, habe jede Saison sechs, sieben Tore geköpft. (lacht) Das war früher eine große Stärke von mir. Aber in der Bundesliga komme ich noch nicht in die richtigen Positionen. Das will ich unbedingt ändern.

Ein Thema, an dem seit über anderthalb Jahren kein Weg mehr vorbei führt, ist die Pandemie. Ist es in der Mannschaft ein Thema, ob es in den nächsten Wochen oder Monaten wieder weniger Zuschauer geben könnte?

Trotz der ansteigenden Infektionszahlen muss ich sagen, dass wir aktuell noch nicht so viel darüber sprechen. Wir hoffen natürlich, dass die Zuschauer bleiben dürfen, weil es vor vollen Rängen einfach ein anderes Gefühl ist, Fußball zu spielen. Wichtig ist aber natürlich, dass es sicher ist für die Menschen, die kommen.

Sie sind deutschlandweit bekannt geworden als erster Bundesliga-Profi, der sich mit Corona infiziert hat. Es hatte Sie damals direkt richtig erwischt. Schwingt bei den aktuellen Entwicklungen ein bisschen die Angst mit?

Mich hatte es damals wirklich sehr schlimm erwischt, aber Angst verspüre ich keine. Mir ist es wichtig, dass wir einen vernünftigen und sicheren Weg finden, um unser Leben leben zu können. Jeder sollte sich impfen lassen, das ist meine persönliche Meinung. Jeder muss alles in seiner Macht Stehende dazu beitragen, um die Pandemie einzudämmen.

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