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Nur Modeste trifft: Dritter Doppelpack in zwei Wochen


Wenn ein Torjäger trifft, wie er will, wird gerne gefragt: Was wäre die Mannschaft nur ohne ihn? Bei Anthony Modeste und dem 1. FC Köln verhält es sich dieser Tage ähnlich. Der Franzose war auch am Sonntag nicht zu stoppen, auch nicht von den wuchtigen Verteidigern von Union Berlin (2:2). Trotzdem reichte es erneut nicht zum Sieg, sodass es in der Bundesliga immer enger wird. 

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Spieler des Spiels: Drei Doppelpacks in vier Spielen – das hat Anthony Modeste in seinen Jahren beim 1. FC Köln noch nie geschafft. Leverkusen, Stuttgart, Union – der Franzose hat die letzten sechs Pflichtspiel-Tore der Geißböcke erzielt. Modeste hat jetzt acht Tore nach elf Spieltagen auf dem Konto. 2016/17, in seiner 25-Tore-Saison, hatte er zum gleichen Zeitpunkt bereits zwölf Tore erzielt. 2015/16, als er am Ende der Saison auf 15 Treffer kam, waren es dagegen „nur“ sechs. Modeste befindet sich mit seiner bisherigen Quote also zwischen seinen beiden herausragenden Spielzeiten aus früheren Jahren. Keine Frage, der 33-jährige spielt eine außergewöhnliche Hinrunde.

Die Tabelle: Der 1. FC Köln hat seinen 14. Punkt im elften Spiel geholt. Damit bleiben die Geißböcke über die anstehende Länderspielpause auf Rang elf. Doch die Bundesliga liegt außergewöhnlich eng beieinander. Alleine zwischen Rang 14 (zwölf Punkte) und Rang fünf (18 Punkte) liegen gerade einmal sechs Zähler. Der FC hängt mit seinen 14 Punkten dazwischen. Die letzten vier Spiele mit nur zwei Punkte haben den Geißböcken einen Teil ihres Vorsprungs nach unten gekostet.

Szene des Spiels: Wie wäre das Spiel verlaufen, wenn der FC nach dem 1:0 nicht sofort das 1:1 kassiert hätte? Wie wäre das Spiel wohl ausgegangen, wenn Taiwo Awoniyi in der 45+2. Minute alleine vor Timo Horn den Ball nicht über die Latte gejagt, sondern das 1:3 erzielt hätte? In jedem Fall wäre es nicht mehr zu jener Szene in der 88. Minute gekommen. Benno Schmitz flankte aus der halbrechten Position auf den langen Pfosten. Sebastian Andersson flog unter dem Ball hindurch. Doch hinter dem Schweden lauerte Florian Kainz. Dem Österreicher fiel der Ball direkt auf den rechten Fuß, keine fünf Meter vor dem Tor von Andreas Luthe. Doch der feine Techniker, der ansonsten ein starkes Spiel machte, setzte den Ball über das Tor. Steffen Baumgart ging an der Seitenlinie in die Knie, konnte es nicht glauben. So ging es auch den 50.000 Zuschauern im Stadion.

Pfiff des Spiels: In der 27. Minute stockte den FC-Fans gleich doppelt der Atem. Erst unterlief Jonas Hector ein haarsträubender Fehlpass. Der Ex-Nationalspieler spielte von der linken Seite Taiwo Awoniyi genau in die Füße, sodass der Berliner Torjäger auf Timo Hübers zulaufen und ins Dribbling am Sechzehner gehen konnte. Hübers foulte daraufhin Awoniyi – und zwar direkt an der Strafraumkante. Schiedsrichter Tobias Stieler ahndete dieses Vergehen zunächst nicht, sondern erst ein anschließendes Foul eines Berliners an Salih Özcan. Doch plötzlich hielt Stieler das Spiel an. Hübers‘ Foul an Awoniyi wurde doch noch mal geprüft – nicht, ob es doch ein Foulspiel war, sondern ob dieses im Strafraum stattgefunden hatte. Es war eine Millimeter-Entscheidung. Letztlich hatte Köln Glück, VAR Matthias Jöllenbeck entschied auf außerhalb.

Zitat des Tages: „In der letzten Viertelstunde eines Spiels sind wir wirklich gut und bringen nochmal Sachen auf den Platz, die andere Mannschaften dann nicht mehr bringen.“ (Jörg Jakobs)

Zahl des Tages: Je nach Statistik-Datenbank hatte Union Berlin in Köln große bis übergroße Probleme im eigenen Ballbesitz. Die offiziellen Bundesliga-Daten wiesen die Passquote der Eisernen bei 62 Prozent aus. Die Datenexperten von Opta gaben diese sogar nur bei 53 Prozent an. Die Eine wie die Andere war ein neuerliches Lob für die aggressive Spielweise der Geißböcke. In jedem Fall kam nicht einmal jeder dritte Berliner Pass beim Mitspieler an – in manchen Phasen sogar nur jeder Zweite. Wenn eine Mannschaft derartige Probleme im eigenen Ballbesitz hat, ist das immer auch ein Zeichen für das gelungene Pressing des Gegners. In diesem Falle des FC.

Erkenntnis des Spiels: Der 1. FC Köln ist auch nach sechs Heimspielen in Müngersdorf weiter ungeschlagen (drei Siege, drei Unentschieden).

19 Kommentare
  1. El Sas sagte:

    Die Ballbesitz-Statistik spricht für den FC, aber aus meiner Sicht war der Punkt sehr glücklich. In der zweiten HZ wirkte der FC ideenlos. Ich war im Stadion und saß auf der West. Ein Freund der ebenfalls im Stadion war, sagte dass Union nix gescheites in der 2. Hälfte auf die Beine gestellt hat. Wie ist eure Meinung?

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  2. ChongTesafilm sagte:

    Auch besorgniserregend. Man nehme mal an Modeste verletzt sich im Januar. Aber als Fan der die Spiele eh nie guckt oder, wenn überhaupt nur mal kurz hochschaut während er Whatsapp’s schreibt, darf ich ja nicht auf mögliche Probleme oder Gefahren aufmerksam machen.

    Nur mal ohne Witz, was ist denn das für eine Aussage, dass man als „wirklicher“ FC-Fan nicht mal etwas negatives äussern darf. Ich möchte doch den größtmöglichen Erfolg für meinen Verein. Und manchmal glaube ich, dass gewisse Personalien (in keinster Weise absichtlich) diesem Erfolg ein bisschen im Wege stehen. Egal ob Trainer, Platzwart, geliebter Alt-Internationale, Spieler, oder sonst wer. Und genau so wie jeder bei guten Sachen, im Sinne des Erfolges, sein Lob bekommt, so muss auch Kritik im Sinne des Vereinserfolges möglich sein.

    Und ja 14 Punkte nach 11 Spielen ist Hammer. Unser Spielstil ist Hammer. Der Trainer ist Hammer. Und vor allem der mentale Einfluss auf die Spieler unter dem neuen Trainer ist Hammer. Ich liebe es diesen FC spielen zu sehen. Umso mehr frustet es mich, dass wir leider nicht noch mehr Ertrag erzielen, weil wir können es eigentlich. Und ich glaube damit treffe ich viele hier, die genau so denken. Und eben nicht nur Kritik raushauen weil sie Lebensprobleme oder ,was auch immer ihr Hobby-Psyschologen hier sonst so prognostiziert, haben.

    Der Effzeh hat jetzt 14 Punkte. Könnte aber genau so gut schon 18 haben. Nur warum ist die Feststellung dieser Tatsache für euch eine „übertriebene Erwartungshaltung“. Das wir letztes Jahr fast abgestiegen sind, lag daran, dass wir durch ein sehr sehr schlechtes System, weit weit UNTER unseren Vorraussetzungen gespielt haben. Mit der Truppe + jetzt Ljubicic und einem neuen alten Modeste, sollten wir rein faktisch, qualitativ nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Denn am ende sind es wenn überhaupt individuelle Schnitzer, die uns in gefährlichere Fahrwasser bringen könnten.

    Uuund genau das ist mein Standpunkt. Wir können mit 14 Punkten Top zufrieden sein. Nur wären 15-17 fast nahezu realistischer. Und deswegen nervt es mich, mich hier als realitätsfremd betiteln zu lassen.

    Vorne ein konsequenterer Umgang mit den Großchancen und hinten eine stabilere Abwehr (egal ob durch Personalienwechsel oder durch plötzlicher Leistungsschub bei bestimmten Spielern @Gerd1948 ), dann sollte eigentlich nichts einem 12. oder sogar besseren Platz im Wege stehen.

    Habe ich jetzt irgendwas falsches gefordert, jemanden attackiert oder meinen Erfolgsfan raushängen lassen?

    Ihr Dödel ey, unfassbar

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    • Gerd1948 sagte:

      Guter Kommentar Chong, gewisse Schlüsselspieler bei uns lassen die Waage auf die richtige Seite kippen. Modeste ist fast allein dafür verantwortlich gerade, dass nicht vollends der Baum hier brennt. Dass Skhiri fehlt, dessen sind wir uns glaube ich alle bewusst. Er löst nämlich solche Sachen wie vor dem 1:2. Übrigens zweifel ich nicht an deinem Sachverstand, wie du vllt meinst, aber ich denke du weißt genau was mir missfällt insgesamt.

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      • Gerd1948 sagte:

        Übrigens hab ich neben Modeste lediglich Özcan und Kainz wirklich gut gesehen, aber seit dem Spiel geht es hier leider weder um Modeste sondern nur noch um Czichos,Horn,Hector Das ist das was mir aufstößt. Wieso können wir uns nicht einfach mal über ein wenig mehr Glück freuen, wir können hier 1000000000 Mal Baumgart nahe legen etwa Mere, Schwäbe und Kilian zu bringen, allein es würde nichts ändern. Hat der Trainer sich mit dem Ausspruch Leistungsprinzip jetzt hier schon so angreifbar gemacht???? Dies würde mich sehr interessieren.

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    • Hans Wurst sagte:

      Wenn Czichos einen Bock schießt, baut es ihn psychologisch enorm auf, wenn er fortan von den eigenen Fans ausgepfiffen wird.

      Und um nichts anderes geht es Baumgart, wenn er sagt, dass er angepisst ist und die Zuschauer – genau wie seine Spieler – lernen müssen.

      Jeder hat gesehen, dass Hector nicht gut gespielt hat, dass Horn zweimal zu schlafen schien und Czichos erneut den Bock des Tages lieferte. Aber mit positiver Reaktion vom Rand gibt man einer Mannschaft Glauben an sich selbst und ihr grundlegendes System. Auf der anderen Seite stecken uns Fans die letzten Jahr(zehnt)e natürlich tief in den Knochen, die Angst vor der Niederlage greift schnell um sich. Unterscheiden wir uns da so sehr von den Spielern? Wie mag es also der Mannschaft nach Nackenschlägen wie dem schnellen Ausgleich odef dem Tiefschlag mit dem Pausenpfiff gehen?

      Unter diesen Voraussetzungen sind die Spieler in ihrer Entwicklung uns Fans bereits Meilen voraus: die kämpfen wenigstens bis zum Abpfiff, wohingegen der nicht-Ultra nach dem 1:1 bereits die Nase rümpft und ab dem 1:2 mit Pfiffen beginnt.

      Und jetzt Hand aufs Herz: gegen welchen Gegner haben wir Punkte liegen gelassen? Leipzig? Leverkusen? Freiburg? Dortmund? München? Frankfurt? Und Union spielt auch international.
      Soweit ich mich erinnern kann, stecken da schon 5 Zähler drin, die niemand auf dem Radar gehabt hat, der FC also deutlich über Plan liegt. Da pulverisieren sich die dummen Aussagen zur mageren Punkteausbeute der Geißböcke aber so was von. Lasst uns froh sein, dass es bislang nur ein wirklich bescheidenes Spiel gegeben hat – aber das ist in dieser Saison selbst den Bayern passiert!

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  3. Besser Wisser sagte:

    Ich sehe die Tabellensituation schon besorgniserregend. Nach unten ist nicht soviel Luft. Gerade mal einen Punkt mehr als Aufsteiger Bochum und Berlin mit dem Wackeltrainer. Mehr Punkte wären auf jedenfall möglich gewesen. Ob wir jetzt mit Mainz, Gladbach und Wolfsburg die leichteren Spiele haben, bezweifel ich auch stark.

    Also blickt nach unten!

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  4. Boom77 sagte:

    Also Bochum spielt in Leverkusen und dann zu Hause gegen Freiburg. Die Hertha muss gegen Union ran und zu Hause gegen Augsburg. Bochum hat da für mich das leicht schwierigere und Hertha das leicht einfachere Programm. Was den Blick nach unten angeht, da Hertha und Augsburg direkt aufeinandertreffen, nehmen die sich also auch gegenseitig Punkte weg. Zudem steht mit Fürth der 1. Absteiger heute schon fest. Augsburg hat neben der Hertha noch die Bayern vor der Brust. Bielefeld spielt gegen ein wieder erstarktes Wolsfburg und ebenfalls gegen die Bayern. Stuttgart muss nach Dortmund und muss dann auch gegen Mainz ran. Frankfurt spielt gegen Freiburg und Union. Rein tabellarisch glaube ich nicht, dass wir befürchten müssen, dass wir nach dem 13. Spieltag auf Platz 15 stehen, selbst, wenn wir gegen Mainz und Gladbach 0 Punkte holen, was möglich ist. Denn außer der Hertha ist die Wahrsscheinlichkeit, dass alle, die unter uns stehen, in den nächsten zwei Spielen ebenfalls 0 Punkte holen, genauso groß wie bei uns.

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  5. Norbert Furmanek sagte:

    Kleiner Tipp Lest mal die Kommentare aus dem KICKER ! Das 1. Gegentor wieder ein Duplikat wie gegen Fürth ! Alles konzentriert sich auf die rechte Abwehrseite ( warum eigentlich , wenn genügend Personal da ist ?) Der Ball wird auf die andere Seite verlagert und siehe da zum Ausgleich gebracht ! Das ist fahrlässig und nicht einem Lernprozeß geschuldet . Da steht mit Hector ein eigentlich erfahrener Spieler . Und auch gegen den BVB war wieder so ein Fehler zu sehen ,der aber nicht bestraft wurde ! Insgesamt also 3 Mal —und nichts daraus gelernt ?

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