1.FC Köln vs. Union Berlin, 07.11.20, 17.30 Uhr, Steffen Baumgart (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

“Zu viel Erwartungshaltung”: FC enttäuscht über Fan-Reaktionen

Anthony Modeste hat dem 1. FC Köln am Sonntagabend gegen Union Berlin mit seinem Doppelpack einen Punkt gerettet. Steffen Baumgart und Interims-Sportchef Jörg Jakobs zeigten sich dem 2:2 (1:2) jedoch verärgert. Allerdings nicht über die Leistung der eigenen Mannschaft. 

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten 

Es hatte am Sonntagabend zwischen dem FC und Union noch 1:1-Unentschieden gestanden, als die ersten Pfiffe deutlich hörbar durch das RheinEnergieStadion hallten. Die Geißböcke hatten deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner, nutzten diesen nach Meinung der Zuschauer aber wohl zu wenig in der gegnerischen Hälfte. Vielmehr versuchte der FC immer wieder über die Abwehr und Torhüter Timo Horn aufzubauen.

Ich weiß nicht, was die Vorstellung ist

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war genau solch eine Situation schließlich schief gegangen: Nach einem Pass von Horn auf Czichos verlor dieser unter Druck die Übersicht und leitete mit einem Fehlpass das 1:2 ein. Im zweiten Durchgang, die erste Hälfte war mit dem Gegentreffer praktisch beendet, machten die Fans ihrem Unmut zeitweise Luft. Pfiffe und Raunen gaben sich je nach Situation die Klinke in die Hand. “So etwas bekommt man natürlich mit”, sagte Schmitz nach dem Spiel darauf angesprochen, wollte die Zuschauer aber nicht zu sehr in die Kritik nehmen. “Grundsätzlich haben wir ein sehr positives Publikum, was gerade am Ende vielleicht auch nochmal den Ausschlag geben kann.”

Weitaus deutlicher wurde da schon Jörg Jakobs. “Ich weiß nicht, was die Vorstellung ist”, fing der Interims-Sportchef an. “Man muss berücksichtigen, wo wir herkommen, was hier vor nicht mal sechs Monaten für eine nervlich herausfordernde Situation vorgeherrscht hat. Für meinen Geschmack ist da zu viel Erwartungshaltung bei”, erklärte Jakobs. Vielmehr würde er sich wünschen, dass die Mannschaft gerade bei Fehlern oder im Rückstand entsprechend unterstützt und gestärkt würde. “Alles andere halte ich für kontraproduktiv.” Insbesondere für Pfiffe fehle es dem 51-jährigen an Verständnis. “Es sollte im Stadion abgesehen vom Schiedsrichter nur einer pfeifen – und das ist unser Trainer.”

Baumgart enttäuscht über Reaktionen

Dieser war es dann schließlich auch, der nach dem Schlusspfiff ins gleiche Horn wie Jakobs blies und sich enttäuscht über die Reaktionen auf den Rängen zeigte. “Ich habe kein Spiel gesehen, das es verdient hatte, zu pfeifen”, sagte Baumgart hinterher sichtlich angefressen und machte klar, dass Union keine Laufkundschaft in der Liga sei. “Da sehe ich Fußball vielleicht ein bisschen anders als die Zuschauer. Ich war in dieser Phase wirklich enttäuscht.”

Vielmehr müssten die Anhänger den gleichen Weg wie die Mannschaft gehen und sich gemeinsam entwickeln. “Wir haben ein sehr gutes und emotionales Publikum”, sagte der Trainer, befand seine Spieler jedoch zeitweise ungerecht behandelt. “Dieses Stadion kann Emotionen bringen. Da frage ich mich schon, warum sie das nicht bei 1:2-Rückstand machen. Warum müssen die Jungs Sorge habe, dass sie einen Fehler machen?”, fragte Baumgart und ergänzte prompt: “Natürlich haben sie Fehler gemacht. Wir können auch die Bälle lang prügeln, aber Union hat drei lange Innenverteidiger, da kommt der Ball direkt zurück”, erklärte der Coach.

Baumgart machte klar, dass er mit der Art und Weise des Spiels nicht nur konform gegangen war, sondern den Spielaufbau auch genauso gefordert hatte. “Wenn wir hier einen anderen Fußball entwickeln wollen, braucht das Zeit. Dann passieren auch Fehler”, sagte der 49-jährige. Daher könne Baumgart nach dem 2:2 auch damit leben, dass seine Mannschaft die Berliner zu Treffern eingeladen hatte. “Ich übernehme die Verantwortung, dass wir aus solchen Situationen Tore kassieren.” Einzig mit den Reaktionen der Kölner Anhänger konnte der Trainer am Sonntag nicht so gut leben.

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