Rafael Czichos wird von Steffen Baumgart umarmt. (Foto: Bucco)

Rafael Czichos wird von Steffen Baumgart umarmt. (Foto: Bucco)

Transfer-Analyse: Wen holt der FC als Czichos-Nachfolger?

Der 1. FC Köln hat Rafael Czichos in die USA transferiert, ohne zunächst einen neuen Innenverteidiger zu verpflichten. Doch die Geißböcke werden auf dem Transfermarkt tätig werden – spätestens im Sommer 2022. Nach welchem Spielertyp aber wird der FC suchen? Und wer sind potentielle Kandidaten? Der GEISSBLOG analysiert zusammen mit Daten-Partner CREATEFOOTBALL den Spielermarkt.

Rafael Czichos war bei vielen Fans des 1. FC Köln umstritten. Doch der Innenverteidiger wies in der Hinrunde im Bundesliga-Vergleich teils beachtliche Werte auf. Im neuen Spielsystem von Steffen Baumgart erfüllte Czichos seine Rolle überdurchschnittlich gut. Mit seinen Fähigkeiten passte er perfekt in das Anforderungsprofil des FC-Trainers.

Was aber waren Czichos‘ Qualitäten im Vergleich zu anderen Innenverteidigern in der Liga? Was sagen diese Fähigkeiten über das Profil aus, das der FC für einen neuen linken Innenverteidiger aufstellen könnte? Und welche Kandidaten ergeben sich auf dem Transfermarkt unter den finanziell schwierigen Bedingungen der Geißböcke?

1. Das Czichos-Profil

Rafael Czichos ist per Daten-Definition ein „Ball Playing Defender“. Das heißt: Er war im Spiel des 1. FC Köln einer der Schlüssel im Aufbauspiel bei eigenem Ballbesitz. Die Daten zeigen: Czichos gehörte unter Steffen Baumgart zu den stärksten Ball Playing Defender der Bundesliga. Während er in der Hinrunde in den Defensiv-Kategorien Luft- und Bodenzweikampf sowie Stellungsspiel solide Werte erreichte, stach er im Vorwärtsverteidigen durch sehr häufige Balleroberungen hervor.

Dazu war er im Aufbauspiel des FC einer der entscheidenden Faktoren. Nach Stuttgarts Hiroki Ito verzeichnete er die meisten Ballaktionen der Liga im eigenen Drittel (47/90 Minuten) und gestaltete von hier mit vielen progressiven Pässen das FC-Spiel. Seine progressiven Pässe ins letzte Drittel sowie seine langen, meist hohen Anspiele auf Modeste ergaben einen extremen Mehrwert für das Kölner Offensivspiel. Czichos erreichte den Wert der meisten angekommenen langen Pässe der gesamten Liga (17 in 90 Minuten).

WerteRafael Czichos 21/22Innenverteidiger 21/22 (Schnitt)
Defensivzweikämpfe (gewonnen %)6.3 (66%)6.6 (69%)
Luftzweikämpfe (gewonnen %)5.6 (57%)4.3 (59%)
PAdj Interceptions*7.37.3
Balleroberungen13.610.7
Pässe (Passquote %)60 (87%)51 (87%)
Progressive Pässe (prozentual zu allen Pässen)11.9 (20%)9 (17%)
Alle Daten pro 90 Minuten in der Bundesliga.
*PAdj Interceptions: Abgefangene Pässe, wenn alle Teams gleich viel Ballbesitz hätten.

2. Der gesuchte Spielertyp

Daraus ergibt sich, dass der 1. FC Köln entweder schon jetzt im Winter oder spätestens im Sommer 2022 einen neuen „Ball Playing Defender“ für die Position des linken Innenverteidigers verpflichten wird. Neben den nötigen Defensivqualitäten wird der neue Mann folgende Eigenschaften im Bestfall mitbringen müssen: Schnelligkeit, guter Spielaufbau, aggressives Vorwärtsverteidigen, im Idealfall als Linksfuß.

Letzteres ist jedoch nicht zwingend. Ein Blick in den einstigen Bundesliga-Kader des SC Paderborn unter Baumgart zeigt: Der heutige FC-Coach hatte in seiner Erstliga-Zeit beim SCP ausschließlich Rechtsfüße als Innenverteidiger im Kader. Wichtiger scheinen dem 50-Jährigen also andere Qualitäten im Abwehrzentrum als ein starker linker oder rechter Fuß. Und so ergibt sich auch ein breiteres Feld an Kandidaten, zumal der FC nach ablösefreien Spielern fahndet.

Nach GEISSBLOG-Informationen wird der FC alles verfügbare Geld für potentielle Ablösesummen auf die Kaufoption für Luca Kilian (2 Mio. Euro) aufwenden müssen. Einzig der lukrative Verkauf von Leistungsträgern wie Ellyes Skhiri könnte daran etwas ändern. Doch selbst dann wäre der FC kaum zu einem signifikanten Millionen-Transfer in der Lage.

3. Die Top-Kandidaten

Das Auge des 1. FC Köln richtet sich daher vor allem auf ablösefreie Spieler. In der Bundesliga zeigt die Datenanalyse überraschend einen alten Bekannten als die ähnlichste Lösung als Czichos-Ersatz: Kevin Vogt von der TSG Hoffenheim. Der 30-Jährige spielte einst als Sechser beim FC, wechselte dann in den Kraichgau und wurde dort zum Innenverteidiger in einer Dreier- oder Viererkette. Der Vertrag des Defensiv-Spielmachers läuft in Hoffenheim zum Saisonende aus. Und dank seiner herausragenden Spielstärke, die er bei der TSG unter Beweis gestellt hat, würde er in das Kölner Anforderungsprofil passen.

Allerdings ist Vogt mit 30 Jahren schon verhältnismäßig alt, die Geißböcke hingegen suchen eigentlich nach einer langfristigen Lösung, um mit diesem Spieler auch perspektivisch einen Wert zu entwickeln. Ein Mann könnte der Schotte John Souttar (Heart Of Midlothian) sein: Der 25-Jährige hat sich in seiner Heimat in die Notizbücher zahlreicher Premier-League-Klubs gespielt und wird auch mit Glasgow Rangers in Verbindung gebracht. Kaum ein Innenverteidiger in Europa fängt so viele Bälle ab wie Souttar, der kopfball- und zweikampfstarke Abwehrmann wird im Sommer wechseln und sucht einen Verein, wo er den nächsten Schritt machen kann. Ob der FC ihn im Blick hat?

Neben Vogt und Souttar sticht Mats Knoester (Heracles Almelo) in der Datenanalyse heraus. Der 23-Jährige ist ebenfalls im Sommer ablösefrei und nicht nur ein passsicherer Spieler, der überdurchschnittlich häufig die Schnittstellenbälle im Aufbauspiel sucht, sondern zudem sehr zweikampfstark. Zudem ist er der einzige Linksfuß, der es in unsere Liste der Top-Kandidaten geschafft hat. Seine Zukunft ist noch offen, doch erscheint ein Verbleib in Almelo aufgrund seiner Leistungen und seines Potentials als unwahrscheinlich.

Das gilt auch für Serafin Szota von Wisla Krakau. Der Pole bringt alle Anlagen mit, die sich der FC von einem künftigen Innenverteidiger erwartet: hohe Passstärke auch im Vertikalspiel, dazu eine gute Antizipationsfähigkeit. Dass er von allen Kandidaten die bislang wenigsten Balleroberungen aufweist, hat mehr mit dem Krakauer Spielstil als mit Szota selbst zu tun. Für den 22-Jährigen würde gelten, was für all diese Spieler gilt: Unter Baumgart würden sie in ihren Werten – ähnlich wie Czichos auch im Vergleich zur Vorsaison – einen deutliche Schritt nach vorne machen, denn kaum ein Trainer lässt derart aggressiv verteidigen und direkt nach vorne spielen wie der FC-Coach.

Mehr als Vergleich denn als echten Kandidaten führen wir hier zudem Paul Jaeckel auf. Der 23-Jährige wechselte im vergangenen Sommer von Greuther Fürth zu Union Berlin und soll zu diesem Zeitpunkt auch beim 1. FC Köln auf der Liste gestanden haben. Die Geißböcke hatten jedoch keine Chance auf den damaligen Zweitliga-Verteidiger. Dennoch zeigt das Interesse an Jaeckel aus dem vergangenen Jahr, dass der FC nach genau einem solchen Spieler schon vor Monaten Ausschau gehalten hatte – und im Sommer 2022 wieder Ausschau halten wird.

WerteRafael CzichosKevin VogtJohn SouttarMats KnoesterPaul JaeckelSerafin Szota
Gewonnene Defensivzweikämpfe4.1 (66%)3.7 (66%)2.6 (73%)5.5 (76%)6.2 (68%)4 (68%)
Gewonnene Luftzweikämpfe3.2 (57%)0.7 (48%)3.7 (66%)2.3 (59%)2.8 (58%)2.4 (52%)
PAdj Interceptions*7.37.29.86.35.87.7
Balleroberungen13.611.711.910.311.79.7
Pässe (% Quote)59.6 (87%)67.2 (90%)50.5 (83%)52.3 (86%)46.7 (86%)54 (85%)
Angekommene vertikale Pässe (% Quote)21.1 (79%)20.6 (81%)15.2 (72%)16.4 (72%)12.7 (74%)19 (77%)
Angekommene progressive Pässe (% Quote)8.8 (74%)7.1 (75%)8.5 (76%)8.1 (75%)6.2 (67%)7.8 (73%)
% Anteil der progressiven Pässe20%14%22%21%20%20%
Alle Daten pro 90 Minuten in der Saison 2021/22.
*PAdj Interceptions: Abgefangene Pässe, wenn alle Teams gleich viel Ballbesitz hätten.

4. Fazit

Die Datenanalyse zeigt, dass Czichos in seiner Spielart nicht einfach zu ersetzen sein wird. Ablösefreie Linksfuß-Kandidaten wie Keven Schlotterbeck (SC Freiburg) oder Dauer-Ersatzspieler wie Rick van Drongelen (Union Berlin) fallen durch das Raster, weil ihr Spielstil deutlich anders ist als das, was Baumgart sich von einem mitspielenden Innenverteidiger erhofft.

Timo Hübers zeigte zuletzt gegen Hertha BSC, dass er diesen Part exzellent spielen kann. Auch Hübers ist ein „Ball Playing Defender“ und demonstrierte seine Klasse in Berlin mit einer starken Leistung – übrigens als Rechtsfuß mit gutem linken Fuß als linker Innenverteidiger. Die Geißböcke haben also für die Rückrunde den Czichos-Ersatz in den eigenen Reihen. Jedoch werden die FC-Verantwortlichen nach Spielern Ausschau halten, die dies ebenso abliefern können.

Neben den fünf oben genannten Kandidaten gibt es weitere Spieler, die zumindest teilweise in dieses Profil passen würden. Luka Lochoshvili (23, Wolfsberger AC) hat sich in Österreich in den Vordergrund gespielt und kann aufgrund seines auslaufenden Vertrags im Sommer frei über den nächsten Karriereschritt entscheiden. Dies gilt auch für Mirlind Kryeziu (24, FC Zürich), während der Schotte Ryan Porteous (22, Hibernian FC) bei seinem Klub noch bis 2023 unter Vertrag. Das Trio vereint, dass sie zum erweiterten Kreis der Datenanalyse-Kandidaten gehören, wenngleich sie im Vergleich zu den genannten Top Fünf Tempodefizite aufweisen.

Und schließlich wäre da noch Tomas Nemcik von MSK Zilina. Der 20-jährige Slowake besitzt nur noch einen Vertrag bis Dezember 2022 in Zilina und wäre somit für eine geringe Ablöse zu haben. Jedoch wäre der Youngster eher eine perspektivische Lösung, wobei auch er bereits die Ansätze zeigt, nach denen der FC Ausschau hält. Allerdings wollen die Geißböcke gerade perspektivisch die Positionen in der Innenverteidigung mit eigenen Talenten aus dem Nachwuchs besetzen – mit Riad Smajic (17), Julian Pauli (16) und Marlon Monning (16). Das Trio wird sich jedoch wohl noch einige Jahre gedulden müssen, ehe der Sprung in die Bundesliga-Mannschaft erfolgen könnte.

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