NLZ-Sportchef Matthias Heidrich. (Foto: GBK)

“Das ist unverantwortlich”: Jugend-Bundesligen bleiben im Notfall-Modus

Schon im März sollen viele Corona-Maßnahmen landesweit deutlich gelockert werden, die Nation steht vor einem entspannten Pandemie-Sommer. Die Jugend-Bundesligen sollen jedoch selbst in der neuen Saison weiterhin im Notfall-Modus bleiben: So soll auch die Spielzeit 2022/23 bei der U19 und U17 ohne Rückrunde ausgetragen werden. Die Verantwortlichen des 1. FC Köln sind nicht begeistert.

Die laufende Spielzeit in der U19-Bundesliga endet für den 1. FC Köln am 30. April mit dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld. Für die U17 ist bereits eine Woche früher ebenfalls mit einem Heimspiel Schluss, Gegner wird der VfL Bochum sein. Danach stehen die Kölner Teams ohne Wettkampfpraxis da, der leere Kalender bis zur Sommerpause soll mit Testspielen gefüllt werden, berichtet Matthias Heidrich, Leiter des FC-Nachwuchsleistungszentrums (NLZ).

Im August werden die neuen Bundesliga-Spielzeiten der U19 und U17 starten. Doch der Deutsche-Fußball Bund plant offenbar keine Rückkehr zu einer Rückrunde, bestätigte Heidrich dem GEISSBLOG. Abermals soll mit einer einfachen Runde gespielt werden. Immerhin: Die Ligen-Größen von derzeit jeweils 17 Vereinen sollen nicht – wie ursprünglich geplant – weiter reduziert werden.

Eigene U21 ist das große Glück des FC-Nachwuchses

Die FC-Verantwortlichen sind jedoch entgeistert ob dieser Verbandspläne. „Kein Testspiel und kein Turnier ersetzt ein Meisterschaftsspiel“, ärgert sich Stefan Ruthenbeck, Trainer der U19. Auf den neuen U19-Jahrgang warten damit abermals gerade einmal 16 Liga-Spiele, die sich über neun bis zehn Monate erstrecken. Die U19 bekommt im DFB-Pokal der Junioren immerhin noch mindestens ein zusätzliches Wettbewerbsspiel. Doch ob nun 16 oder 17 Spiele machen in der Entwicklung keinen großen Unterschied – insbesondere nicht bei der physischen. „Wir können nicht erwarten, dass die Jungs aus der U19 in der U21 plötzlich eine ganz andere Intensität fahren können.“ 

Dies dürften in diesem Jahr bereits wieder viele Talente spüren, die im Sommer aus der U19 in die U21 aufrücken mit gerade einmal maximal 16 Spielen in den Beinen. In der kommenden Regionalliga-Saison warten jedoch 38 Spiele mit einigen englischen Wochen. „Und wir haben noch Glück, dass wir die U21 überhaupt haben“, gibt Stefan Ruthenbeck zu bedenken. So kann der Verein seine Talente immerhin intern auffangen und über die zweite Mannschaft behutsam an den Senioren-Fußball heranführen. 

“Es werden uns Jahrgänge verloren gehen”

Doch manch anderes NLZ verfügt über keine U23, die Teenager ohne viel Wettkampfpraxis und damit auch ohne eine Bühne zum Präsentieren müssen nach der U19 schauen, ob und wo sie im Senioren-Fußball unterkommen. „Es werden uns daher Jahrgänge verloren gehen“, prophezeit Ruthenbeck, „nicht auf dem höchsten Niveau, aber was ist mit den Talenten für die zweite oder dritte Liga?“

Matthias Heidrich findet noch eindringlichere Worte: „Weiterhin mit einer einfachen Runde zu spielen, ist unverantwortlich. Ein A-Jugendlicher ist so nicht auf den Herren-Bereich vorbereitet. Ich habe zuletzt mit Stefan Ruthenbeck zusammengesessen und wir haben überlegt, wann wir das letzte Mal vier Wochenenden am Stück im Ligabetrieb gespielt haben. Von professioneller Förderung sind wir so weit entfernt.“ Heidrich wünsche sich eine größere Flexibilität seitens des DFB, den geplanten Modus doch noch einmal zu überdenken. Für die U19 geht es nun jedoch erst einmal am kommenden Sonntag gegen Rot-Weiss Essen wieder um wichtige Punkte in der diesjährigen A-Junioren-Bundesliga (11 Uhr).

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