Steffen Baumgart und sein Trainerteam beim Abpfiff gegen Frankfurt. (Foto: Bucco)

Steffen Baumgart und sein Trainerteam beim Abpfiff gegen Frankfurt. (Foto: Bucco)

Klassenerhalt fast perfekt: Der FC meidet das E-Wort

Dejan Ljubicic hatte vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt erklärt: “Europa, das wäre schon schön” – der Österreicher hatte erklärt, das “Unmögliche” möglich machen zu wollen. Nach dem Sieg der Geißböcke gegen die Adler (1:0) geht die Diskussion um das E-Wort weiter. Steffen Baumgart sieht eine Parallele zum DFB-Pokal – und meidet die öffentliche Kampfansage.

Die 10.000 Fans sangen nach dem Siegtor durch Anthony Modeste natürlich wieder von Kopenhagen, Mailand und anderen schönen Orten in Europa. Natürlich taten sie das. Warum auch nicht? Die Anhänger des 1. FC Köln können ihr Glück kaum fassen, ihren Klub nach zwei Jahren frustrierenden Abstiegskampfes urplötzlich nach 23 Spieltagen auf Rang sechs wiederzufinden.

Der Klassenerhalt ist mit 35 Zählern und 13 Punkten Vorsprung nach unten fast perfekt. Warum also nicht von Europa träumen? Sollte der FC in den verbliebenen Saisonspielen die Punkte aus der Hinrunde bestätigen (16 aus elf Spielen), würden die Geißböcke mit 51 Punkten die Saison beschließen. Zur Einordnung: Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel haben die Geißböcke in der Bundesliga keine 50 Punkte oder mehr geholt – die Peter-Stöger-Europa-Saison 2016/17 mit 49 Zählern war das Beste, was man in Köln seit 1991/92 unter Jörg Berger gesehen hatte.

“Sind kurz davor, uns neue Ziele setzen zu können”

Nun also 35 Punkte nach 23 Spielen und der Traum von Europa: Was sagen die Verantwortlichen? Die meiden das Wort Europa. “Mit 35 Punkten fühlen wir uns sehr wohl”, freute sich Interims-Sportchef Jörg Jakobs nach dem Sieg gegen die Eintracht. “Das Spiel war ein Gradmesser. Es spricht für die Entwicklung der Mannschaft, dass wir mit Freiburg und Frankfurt zwei Mannschaften auf Augenhöhe besiegen konnten.”

Frankfurt und Freiburg – zwei Mannschaften auf Augenhöhe? Das hatte in der Vorsaison noch gänzlich anders geklungen. Und zur Erinnerung: Freiburg spielt seit Saisonbeginn um Europa mit, Frankfurt landete in den letzten vier Jahren immer unter den Top Ten der Bundesliga und spielte mehrfach auf europäischer Bühne. Nachtigall, ick hör dir trapsen? Ein klein wenig schon, wenn man bei Jakobs zwischen den Zeilen las: “Ihr könnt immer nach Europa fragen. Wir nähern uns der Zone und wir nähern uns dem Punkt, an dem wir uns neue Ziele setzen können. Wir sind kurz davor.”

Neue Ziele? “Nö!” Zumindest nicht öffentlich…

Der 1. FC Köln ist also kurz davor, sich neue Ziele zu setzen. Die Frage lautet: Werden die Geißböcke das auch öffentlich tun oder nur intern kommunizieren? Zur Erinnerung: Vor der Saison sprach Steffen Baumgart von dem Saisonziel, zwischen Rang acht und zwölf einlaufen zu wollen. Nun könnte man dieses Ziel zumindest in Richtung Top Ten nach oben korrigieren. Oder doch nicht?

“Nö”, sagte Baumgart auf der Pressekonferenz. “Das Thema [Europa] ist da, das wissen wir auch. Es wird gerne darüber gesprochen. Das passiert aber durch die Punkte, die wir holen.” Was Baumgart damit sagen wollte: “Wenn wir weiter punkten, werden wir das nicht aufhalten.” Jedoch scheint der FC-Trainer auf eine öffentliche Kampfansage verzichten zu wollen. Wohl auch, weil er sich nach der Niederlage im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV genau darüber geärgert hatte.

Baumgart und die Lehre aus dem DFB-Pokal

“Wenn ich jetzt von etwas rede und wir schaffen es dann nicht, dann erinnere ich gerne an den DFB-Pokal”, sagte Baumgart. Der 50-Jährige hatte vor der Saison das Pokalfinale in Berlin als Ziel ausgegeben und sich nach dem Aus gegen den HSV anhören müssen, es verschenkt zu haben. Und so scheint man beim FC zumindest öffentlich auf die Zielvorgabe Europa verzichten zu wollen. Denn: “Sollten wir es nicht schaffen, hätte ich das Gefühl, als ob ich den Menschen etwas wegnehmen würde. Und deswegen denken wir nur von Woche zu Woche.”

Schon in einer Woche könnte der FC den nächsten Schritt in Richtung des unausgesprochenen Ziels machen. Dann geht es zum Tabellenletzten Greuther Fürth. “Wir haben jetzt Mitte Februar – der 1. FC Köln hat 35 Punkte”, sagte Baumgart. “Wenn man mir das jemand im Sommer gesagt hätte, wüsste ich nicht, wie viel Geld ich mit den Wetten darauf gewonnen hätte.” Aber weil die Saison eben erst in drei Monaten endet, gibt es noch viele Punkte zu holen. Und Baumgart will jeden einzelnen von ihnen – egal, wohin das führen würde.

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