Florian Kainz und Steffen Baumgart in Mönchengladbach. (Foto: Bucco)

Florian Kainz und Steffen Baumgart in Mönchengladbach. (Foto: Bucco)

Endlich platzt der knoten: Kainz führt den FC zum Sieg

Ein bärenstarker Florian Kainz hat den 1. FC Köln zu einem 3:1-Derbysieg bei Borussia Mönchengladbach geführt. Der Österreicher hatte zuletzt nicht überzeugen können. Im Borussia-Park jedoch spielte der 29-Jährige groß auf und war an allen drei Toren beteiligt. Dagegen hatte Youngster Tim Lemperle nach seiner Einwechslung in der Nachspielzeit gleich doppelt kein Glück.

Aus dem Borussia-Park berichtet Marc L. Merten

Geschichte des Spiel

Gibt es nur diese eine Geschichte des Spiels? Die historische Derbybilanz war ein großes Thema. Anthony Modeste traf erstmals seit zwei Monaten wieder. Steffen Baumgart verschenkte seine Schiebermütze nach dem Spiel an einen Gladbacher Fan, der sich respektvoll hinter der Trainerbank der Kölner verhalten hatte. Die Gladbacher Fans pfiffen, buhten, schmipften. Die Kölner Fans feierten, feuerten, sangen und empfingen die Derbyhelden am Geißbockheim. Und dann natürlich: Der FC bewahrte seine Chancen auf Europa – die Tabelle spricht Bände.

Spieler des Spiels

Keine Diskussion kann es dagegen geben, wer Spieler des Spiels war. Okay, Mark Uth hätte es mit drei Torbeteiligungen auch sein können. Doch Florian Kainz traf eben auch selbst. Das 1:0 bereitete der Österreicher direkt vor. Das 2:0 leitete er mit einem Hackentrick ein und vollendete selbst. Das 3:0 wäre ohne seine offene Sohle gegen Ginter nicht möglich gewesen. “Seine Leistung war besser als in den letzten beiden Spielen”, verpackte Steffen Baumgart das Lob mit Kritik. “Wir haben darüber gesprochen, und jetzt hat er angeknüpft an das, was er vorher gespielt hat.” Mit vier Toren und sechs Vorlagen ist der 29-Jährige nun der zweitbeste FC-Scorer hinter Anthony Modeste (16 Tore, 3 Vorlagen).

Pechvogel des Tages

Tim Lemperle feierte nach dem Derbysieg mit der Mannschaft. Doch der Youngster dürfte sich auch mächtig geärgert haben. In der Nachspielzeit war er für Modeste eingewechselt worden. Nur Sekunden später lief er alleine auf Yann Sommer zu. Weil er dann doch noch von einem Gegenspieler eingeholt und bedrängt wurde, bekam er den ersten Schuss nicht gut gesetzt und scheiterte an Sommer. Den Nachschuss aber hätte er an Sommer vorbei einschieben müssen. Und wiederum nur Sekunden später machte er es gut und legte für Louis Schaub auf, doch der Österreicher schoss am Tor vorbei – also weder Tor noch Assist für Lemperle. Trotzdem: Dass er sich in die Positionen gebracht hatte, war ein Lichtblick für den Youngster.

Pfiff des Tages

Deniz Aytekin ist aktuell wohl der beste deutsche Referee. Als Florian Kainz mit offener Sohle gegen Matthias Ginter den Ball zu Mark Uth spitzelte, woraus das 3:0 entstand, pfiff der Schiedsrichter nicht. Kainz und Ginter waren beide mit dem hohen Bein zum Ball gegangen, Kainz jedoch minimal schneller dran gewesen. Videoassistent Sören Storks war dennoch der Meinung, Aytekin müsse sich diese Situation noch mal anschauen. Offenbar war Storks der Meinung, das dies als Foul hätte gewertet werden müssen. Doch Aytekin schaute keine fünf Sekunden auf den Monitor, winkte ab und gab den Treffer.

Sichtweise des Spiels

Wo war eigentlich Christian Keller am Samstagabend? Der neue Sportchef erlebte sein erstes Derby beim 1. FC Köln auf der Haupttribüne. Allerdings nicht im VIP-Bereich, sondern zusammen mit Jörg Jakobs auf der Pressetribüne. Keller und Jakobs saßen bei den beiden Videoanalysten der Geißböcke und verfolgten das Spiel abseits aller Ablenkungen anderer Verantwortlicher. Schon in Regensburg hatte sich Keller häufig nicht zu den VIPs gesetzt, sondern auf die Medientribüne. Jakobs macht dies beim FC ebenfalls schon seit Jahren. Das Duo will offenbar nicht gestört werden, sondern sich ganz auf das Spiel konzentrieren. Das lohnte sich am Samstagabend im Borussia-Park.

Zitat des Spiels

“Ein Derby spielt man nicht, ein Derby muss man einfach gewinnen.” (Anthony Modeste)

Statistik des Tages

Der 1. FC Köln lief Borussia Mönchengladbach schier an die Wand. Schon im Hinspiel war der FC fünf Kilometer mehr gelaufen. Und genau diesen Wert erreichten die Geißböcke erneut: 120,8 zu 115,7 Kilometer, dazu fast 50 Sprints mehr (275 zu 227). Oben drauf kam die bessere Zweikampfbilanz, verbunden mit einer gewissen Härte (19 Kölner Fouls). So muss man ein Derby angehen.

Erkenntnis des Spiels

Der 1. FC Köln hat den Worten Taten folgen lassen. Nach der Ansage von Steffen Baumgart, jetzt um Europa mitspielen zu wollen, war die Leistung gerade in der ersten Halbzeit diesem Ziel mehr als entsprechend. Die Kölner spielten konzentriert, mit einem klaren Plan, hatten die Schwächen der Borussen nach Ballverlusten sowie über die Außen gut analysiert und bespielten diese Zonen immer und immer wieder. Wer einen Gegner so seziert, wer sich selbst den Druck erhöht und so gut damit umgeht, wer die Kulisse mit den Fans so für sich nutzt, der kann sich in einen Rausch spielen. Und das taten die Kölner am Samstag – und haben damit ein Zeichen für die letzten Spiele gesetzt.

Ausblick

Die nächste Prüfung kommt aber schon am Samstag. Mit Arminia Bielefeld kommt ein angeschlagener Gegner nach Müngersdorf. Danach muss Köln nach Augsburg, das ebenfalls noch gegen den Abstieg spielt. Achtung, FC! In der Hinrunde gab es aus diesen beiden Spielen nur einen Punkt. Das muss in der Rückrunde besser werden. Dann könnte es tatsächlich klappen mit Europa.

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