Steffen Baumgart hat den 1. FC Köln verändert. (Foto: IMAGO / Sportfoto Rudel)

Steffen Baumgart hat den 1. FC Köln verändert. (Foto: IMAGO / Sportfoto Rudel)

Saisonanalyse: Wie Steffen Baumgart den 1. FC Köln verändert hat

Der 1. FC Köln hat sich in der vergangenen Saison fußballerisch um 180 Grad gedreht. Den Grundstein für die Erfolge von Steffen Baumgart legte dabei bereits Friedhelm Funkel, der die taktische Ausrichtung der Mannschaft verändert hatte. Die Statistiken zeigen, warum der FC so erfolgreich war. Teil 1 der großen Saisonanalyse von CREATEFOOTBALL*.

Schaut man sich zunächst einmal die fußballrelevanten Team-Statistiken an, erkennt man schnell, dass Friedhelm Funkel den FC letzte Saison nicht nur vor dem Abstieg gerettet hat, sondern auch einen ersten Anstoß für die neue Spielidee unter Steffen Baumgart gegeben hat. Besonders auffällig ist, dass der FC unter Funkel im Vergleich zu Gisdol deutlich ballbesitzorientierter (53.2%) agierte, mehr Flanken (19.8) geschlagen, höher gepresst (10.16 PPDA) und sich in mehr Abschlusspositionen (13.5) gebracht hat.

Allgemeine Statistiken der Trainer Gisdol, Funkel und Baumgart

StatsGisdol (28 Spiele)Funkel (6 Spiele)Baumgart (34 Spiele)
Punkte0.821.671.53
Tore0.961.171.53
xG*1.211.691.49
Gegentore1.721.671.44
xGa**1.581.471.46
Ballbesitz44.9%53.2%55.6%
Schüsse9.313.513.0
xG pro Schuss***0.1300.1250.115
Passquote, %80.3%81.1%80.4%
Schnittstellenpässe4.65.84.2
Zweikampfquote, %48.2%51.1%48.3%
Flanken14.619.820.7
PPDA****15.6910.168.00
Alle Daten sind auf 90 Minuten gerechnet. 
*xG: Expected Goals: erwartete Tore
**xGa: Expected Goals against: erwartete Gegentore
***xG pro Schuss berechnet sich durch xG/Schüsse. Umso höher der Wert, desto gefährlicher die Abschlusspositionen
****PPDA: passes per defensive action: Anzahl der Pässe der gegnerischen Mannschaft, bis eine Pressingaktionen der eigenen Mannschaft ausgeführt wird. Umso niedriger der Wert, desto aggressiver das Pressing der eigenen Mannschaft

Unter Baumgart wurde diese Spielidee in dieser Saison weitergeführt und verfeinert, sodass die Kölner Mannschaft noch mehr Ballbesitzanteile (53.2%) hatte, noch mehr Flanken (20.7) geschlagen hat und noch aggressiver im Pressing (8.00 PPDA) war. Zudem wurde auch die Defensive im Laufe der Saison stabilisiert, sodass man unter Baumgart am wenigsten erwartete (1.46 xGa) und tatsächliche Gegentore (1.44) zugelassen hat.

Allgemeine Statistiken in Bezug auf das Pressing

StatsUnter 8 PPDAÜber 8 PPDA
Punkte1.841.13
Tore1.741.27
xG1.631.21
Schüsse22.618.4
Gegentore1.001.73
xGa1.281.75
Schüsse des Gegners10.614.0
Ballbesitz59.6%50.6%
Flanken22.618.4
Balleroberungen (in den letzten zwei Dritteln)56.949.1
Alle Daten sind auf 90 Minuten gerechnet

Unter Steffen Baumgart ist die Mannschaft aus Köln vor allem für ihr hohes, aggressive Pressing bekannt (im Schnitt 8.00 PPDA – Ligabestwert). Vergleicht man die Spiele, in denen die Mannschaft sogar noch aggressiver presste (unter 8.00 PPDA), wird schnell deutlich, dass die Mannschaft deutlich erfolgreicher war als in den Spielen, in denen man es nicht schaffte, den Gegner so früh unter Druck zu setzen. Durch das hohe und frühe Anlaufen des Gegners konnten mehr Bälle (56.9) gewonnen und so das eigene Spiel mit deutlich mehr Ballbesitz (60%) gestaltet werden.

Auch die Anzahl der Flanken ist deutlich höher (22.6), was unter anderem zu mehr Abschlüssen (22.6) und dadurch auch zu einem höheren xG-Wert (1.63) führte. Erstaunlich ist, dass in den Spielen mit hohem Pressing auch die Anzahl der Abschlüsse des Gegners (10.6) und die Anzahl der Gegentore (1.00) deutlich abgenommen hat – ganz nach dem Sprichwort: Angriff ist die beste Verteidigung. Umso früher Druck auf den Gegner ausgeübt wird, desto weniger Abschlüsse/Tore des Gegners werden zugelassen.

Flanken

Eine offensichtliche Stärke der Kölner sind die Flanken. Egal von welchem Flügel, die Kölner sind mit 19.8 Flanken pro Spiel die Spitzenreiter der Bundesliga und stellen mit 15 Toren durch Kopfbälle den zweitbesten Wert (davon zehn Kopfballtore durch Anthony Modeste – Spitzenwert).  Auffällig ist, dass es keine spezielle Seite wie bei Frankfurt (Kostic), Hoffenheim (Raum) oder Leipzig (Angelino) gibt, sondern von beiden Flügeln Flanken geschlagen werden und das sowohl von Defensiv- wie Offensivspielern. Die meisten Flanken der Stammspieler schlugen von links Kainz (3.9 pro 90min) und Hector (2.8) und von rechts Thielmann (3.8) und Schmitz (3.5).

StatsLinks5-Meter-RaumRechts
Flanken Köln9.82.510.8
Flanken Durchschnitt der Bundesliga6.81.77.1
Alle Daten sind auf 90 Minuten gerechnet. 

Tore und xG

Sowohl bei den xG sowie xGa-Werten hat die Mannschaft aus Köln nicht wirklich über-, allerdings auch nicht unterperformt. So spielten sich die Kölner im Verlaufe der Saison pro Spiel etwa 1.5 xG und 1.5 Tore pro Spiel heraus. Auffällig ist eine kleine Schwächephase zwischen dem 20. und 28. Spieltag, in der der FC nie mehr als ein Tor erzielen konnte, allerdings auch nicht eklatant unterperformte in Bezug zum xGa-Wert. In acht Spielen konnte man zudem nur elf von 24 möglichen Punkten einspielen.

Gegentore und xGa

Bei den Gegentoren ist ein leicht negativer Trend im Verlaufe der Saison zu erkennen, der im Umkehrschluss als positiv zu sehen ist. Negativ ist allerdings, dass keine Mannschaft seltener zu Null spielte als die Kölner (nur Stuttgart spielte auch vier Mal zu null). In den letzten elf Spielen der Saison konnte man ganze neunmal den xGa-Wert unterbieten, was zum Teil auch an den starken Performances von Marvin Schwäbe (2.72 verhinderte Tore) lag. Zudem kassierte die Mannschaft in der Rückrunde auch aufgrund der neu formierten Abwehrreihe (Kilian für Czichos) nur noch 1.3 Gegentore (Hinrunde: 1.6 Gegentore).

Am Donnerstag lest ihr im zweiten Teil der großen CREATEFOOTBALL-Saisonanalyse, warum das Kölner Pressing so erfolgreich war, wie sich der FC seine Chancen herausgespielt hat und wie sich die Qualität der relevanten Daten im Laufe der Saison verändert hat.

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*Dieser Text stammt von der Fußball-Consultancy CREATEFOOTBALL GmbH, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.

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