Gelingt es dem 1. FC Köln, die Gräben zwischen so manchen Fangruppen zu schließen? Die Verantwortlichen versuchen es seit einigen Monaten mit einem anderen Weg. Auch, um ehrenamtliche Fanarbeit wieder attraktiver zu machen.
Vor einem Monat trafen sich über 200 Fans des 1. FC Köln im RheinEnergieStadion. Der Anlass: eine Diskussion über die Fußball- und Fankultur bei den Geißböcken. „Fußball- & Fankultur“ – so heißt der Bereich inzwischen beim FC, der früher einmal die Fanbetreuung war. Inzwischen wird sie auch nicht mehr von Rainer Mendel geleitet, sondern von Kevin Brandenburg.
Letzterer war beim FC zunächst als Verbindungsmann zu den Ultras eingestellt worden, da er der aktiven Fanszene nahe steht und gute Beziehungen pflegt. Während Mendel ins Visier der Ultras geraten und von diesen als Ansprechperson abgelehnt worden war, sollte Brandenburg für einen neuen Dialog stehen. Nun steht er der gesamten Fanarbeit beim FC als Bereichsleiter vor.
Fans müssen besser betreut werden
Diese Veränderung ist nur ein Teil der Arbeit mit den Kölner Anhängern, denn der FC will künftig mehr Fans dazu animieren, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und vor allem sollen jene Menschen, die dazu bereit sind, auch die nötige Betreuung erhalten. Denn genau daran hapert es bislang.
Das gesteht auch Carsten Wettich ein. „Es gibt viele Fans, die sich engagieren wollen, aber nicht in einem Fanclub organisiert sind“, sagt der Vizepräsident dem GEISSBLOG. „Auch diesen Fans möchten wir künftig Möglichkeiten bieten, dass sie sich beim FC einbringen können.“ Dazu wurde ein Prozess angestoßen, dessen Zwischenergebnisse vor einem Monat präsentiert wurden.
Alle Vertreter an einem Tisch zu haben, war ein Novum
Carsten Wettich
Dass dieser Prozess längst nicht abgeschlossen ist, weiß auch Wettich. Vor allem, weil viele unterschiedliche Interessen aufeinander treffen. Die Fan-Landschaft beim FC ist heterogen. Das fängt bei den verschiedenen Ultra-Gruppierungen an, geht über das Fanprojekt weiter, um das es in den letzten Jahren immer wieder politische Machtkämpfe im Club gab, und führt hin zu den über 1000 Fanclubs rund um den Globus.
Wettich glaubt, dass der FC inzwischen zumindest einen Teilerfolg erzielt hat. „Der größte Erfolg ist, dass wir Fans aus unterschiedlichen Ecken des FC an einen Tisch gebracht haben“, sagt der Vizepräsident. „Alle Vertreter an einem Tisch zu haben, war ein Novum. Jeder ist mit seinen eigenen Vorstellungen in die Gespräche gegangen, viele haben dann aber festgestellt, dass sie ähnliche Bedürfnisse und Interessen haben.“
Schwierige Phasen und Barrieren
Dabei verliefen die Gespräche keinesfalls ohne Spannungen. Mehrfach sollen sie vor dem Abbruch gestanden haben. „Im Rahmen des langen Prozesses gab es natürlich auch schwierige Phasen, aber die haben wir gut moderiert bekommen“, gesteht Wettich. „Ich bin überzeugt, dass dieser Prozess viele Barrieren abgebaut hat.“
Dafür will der FC die Fanbetreuung insgesamt umstrukturieren und ausbauen. Vor allem in zwei Bereiche wird daher nun investiert: Zeitnah soll eine Onlineplattform an den Start gehen, über die sich Fans organisieren können, um ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen. Dazu will der FC mehr hauptamtliche Mitarbeiter einstellen, um die Angebote besser zu organisieren. Darüber hinaus soll es künftig im Stadion mehr Anlaufstellen für Fans geben, die dem FC ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen wollen.
Die Kraft der Fans nutzen
Kurzum: Wer mitarbeiten will, soll klarere Ansprechpartner haben, um besser eingebunden werden können. So sollen einfachere Optionen aufgezeigt werden, in welchen Bereichen es beim FC ehrenamtliche Helfer braucht. Das Ziel: die Kraft der Fans nutzen, um die Abläufe rund um den FC zu verbessern.







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