Florian Kainz hat das Tor zur Bundesliga für den 1. FC Köln ganz weit aufgestoßen – ausgerechnet der Österreicher, der unter Gerhard Struber oft ein Schatten seiner selbst war. So stark profitiert Kainz vom Funkel-Effekt.
Friedhelm Funkel musste schmunzeln, als er nach dem 2:1-Sieg in Nürnberg bei Sky auf seinen doppelten Torschützen Florian Kainz angesprochen wurde. „Ich weiß nicht, ob der in seiner Karriere schon mal zwei Tore in einem Spiel geschossen hat“, foppte der Trainer des 1. FC Köln den Matchwinner.
Natürlich war der Doppelpack im Max-Morlock-Stadion nicht Kainz‘ erster gewesen. In der Vergangenheit war ihm dieses Kunststück schon zweimal gegen Hertha BSC gelungen (Februar 2020 und August 2021), zudem in der vergangenen Abstiegssaison gegen Borussia Mönchengladbach (Oktober 2023). Doch in dieser Spielzeit hätte man tatsächlich glauben können, dass der 32-Jährige noch nie doppelt getroffen hat.
Funkel mit klarem Kainz-Plan
Unter Ex-Coach Gerhard Struber zählte Kainz zu den größten Sorgenkindern im Kader. Der Grazer kam bei seinem Landsmann meist im Zentrum zum Einsatz, gelegentlich auch auf der linken Seite – seine über Jahre demonstrierten Scorer-Qualitäten schienen ihm allerdings unabhängig von der Position abhandengekommen zu sein.
Dann der Funkel-Effekt. „So ein Trainerwechsel bringt immer einen neuen Impuls, neue Chancen. Er strahlt eine enorme Ruhe aus und hat wieder Lockerheit reingebracht“, erzählte Kainz nach seinen Toren in Nürnberg und verriet: „Er hat mir frühzeitig gesagt, dass ich links spiele und mir ein gutes Gefühl gegeben.“
Er ist ein Mannschaftsspieler, ist bereit, viel zu investieren.
Friedhelm Funkel über Florian Kainz
Als Linksaußen im 4-2-3-1-System hatte Kainz in der Vergangenheit seine konstantesten Leistungen gezeigt. Funkel gab dem Routinier sofort zu verstehen, dass er genau auf dieser – seiner besten – Position auf ihn setzt. Und der Trainer wurde belohnt. „Florian Kainz hat wie alle Spieler eine wirklich gute Leistung gebracht. Er hat das gebracht, was ich von ihm erwartet habe“, lobte Funkel im Nachgang.
Noch aus seiner letzten Amtszeit am Geißbockheim habe er gewusst, „was Kainzi auf den Platz bringen kann“, erklärte der 71-Jährige: „Er ist immer in der Lage, gefährliche Situationen zu kreieren oder die Bälle beim Torabschluss platziert unterzukriegen. Er ist ein Mannschaftsspieler, arbeitet nach hinten, ist bereit, viel zu investieren.“ Umso mehr freue es Funkel, „dass Flo zwei so wichtige Tore für seinen Club und seine Mannschaft erzielen konnte“.
Unter welchen Trainern Kainz am besten funktioniert
Womöglich profitiert Kainz von allen FC-Profis am meisten vom Trainerwechsel, obwohl zuvor ein Österreicher an der Seitenlinie stand. Dass der Ex-Kapitän unter Struber nur alle 298 Minuten an einem Tor beteiligt war, spricht Bände – es hat einfach nicht gepasst. Zum Vergleich: Nur unter Markus Anfang (eine Torbeteiligung in 969 Minuten) und Achim Beierlorzer (eine Torbeteiligung in 493 Minuten) hatte Kainz während seiner inzwischen fast sechseinhalb Jahre in Köln noch glückloser als unter Struber agiert.
Unter Funkel hingegen läuft es. Schon 2021, im Relegations-Rückspiel in Kiel, hatte Kainz zwei Treffer aufgelegt. Mit Funkel an der Seitenlinie sammelt er alle 105 Minuten einen Scorer-Punkt. Noch erfolgreicher war er lediglich in der kurzen Phase unter André Pawlak beim Aufstieg 2019, als ihm in drei Spielen drei Vorlagen gelungen waren (alle 77 Minuten). Unter Steffen Baumgart und Timo Schultz war Kainz jeweils alle 183 Minuten an einem Treffer beteiligt, unter Markus Gisdol alle 106 Minuten.

Die beiden Tore in Nürnberg zählten fraglos zu den wichtigsten seiner bislang 26 Treffer für den FC. „Das war ein Riesenschritt, um unser Ziel zu erreichen. Ich freue mich natürlich, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe“, hofft Kainz, kommendes Wochenende seinen zweiten Aufstieg mit den Geißböcken feiern zu dürfen.
Kainz „setzt extrem mit Situation auseinander“
Der Doppelpack wird ihn für das Saisonfinale zusätzlich stärken. „Flo setzt sich immer extrem mit der Situation beim FC auseinander und hat die Erwartungshaltung an sich selbst, dass er Führungsspieler dieser Mannschaft ist“, sagte Thomas Kessler am Freitag, der Sportdirektor weiß um das Herzblut seines ehemaligen Mitspielers: „In Phasen, wo es nicht gut läuft, leidet er mit.“
So zum Beispiel nach dem 1:1 gegen Regensburg. „Ich habe ihn kurz nach dem Spiel gesehen, wie sehr er da gelitten hat“, sagte Kessler in den Katakomben des Max-Morlock-Stadions und konnte zudem berichten: „Gerade ist er mir entgegenkommen.“ Diesmal freudestrahlend. „Das ist der Flo Kainz, den ich viel lieber sehe. Ich freue mich sehr mit ihm.“ Kessler war natürlich längst nicht der einzige Kölner, dem es so ging.








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!