Exklusiv-Interview zum Abschied! Uth: „Dafür hätte ich keine Kraft mehr“

Mark Uth beendet am Sonntag seine Karriere. (Foto: Bucco)
Mark Uth beendet am Sonntag seine Karriere. (Foto: Bucco)

Einer der größten Publikumslieblinge der jüngeren Vereinsgeschichte beendet seine Karriere: Der GEISSBLOG hat Mark Uth vor dem Aufstiegsfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern, wo er ein letztes Mal für den 1. FC Köln auflaufen will, zum exklusiven Abschiedsinterview getroffen.

Das Interview führten Sonja Gauer und Martin Zenge

GEISSBLOG: Herr Uth, wie fühlen Sie sich in der wohl letzten Trainingswoche Ihrer Karriere? Haben Sie das im Hinterkopf? 

MARK UTH: „Am Mittwoch hatte ich meine letzte öffentliche Trainingseinheit. Das hatte  ich auf jeden Fall im Kopf. Ich gehe da aber recht entspannt ran. So emotional empfinde ich es nicht. Meine Ansprache vor den Jungs, von der es auch das Video gibt, die war brutal. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so emotional wird. Jetzt freue ich mich einfach auf die letzten Erlebnisse mit den Jungs.“ 

Überwiegt bei Ihnen mit Blick auf Sonntag die allgemeine Anspannung wegen des möglichen Aufstiegs, oder sind es die Gedanken an Ihren persönlichen Abschied aus dem Profi-Fußball? 

„Die allgemeine Anspannung. Es ist das wichtigste Spiel der Saison. Wir wollen unbedingt gewinnen, auch wenn uns ein Punkt reichen würde. Wir spielen zu Hause und wollen von der ersten Minute an da sein. Die erste Halbzeit in Nürnberg war auch schon richtig gut und wir hatten Pech, dass wir nicht in Führung gegangen sind. Genauso wollen wir das jetzt auch gegen Kaiserslautern angehen.“ 

Noch „Bock“, aber „es ist an der Zeit“

Gibt es noch Momente, in denen Sie an Ihrer Entscheidung für ein Karriereende zweifeln? 

„Nein. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher. Ansonsten hätte ich es nicht gemacht. Ich habe immer Bock, Fußball zu spielen, aber ich glaube, es ist an der Zeit, aufzuhören.“ 

Können Sie uns Einblicke in Ihren Entscheidungsprozess geben? 

„Ich habe Wochen und Monate nachgedacht und mit vielen Leuten gesprochen – natürlich auch viel mit meiner Frau. Sie hatte dann irgendwann das Gefühl, dass ich nur noch einen Punkt suche, um tatsächlich zu sagen, dass ich aufhöre. Es war oft tages-abhängig bei mir: Mal hatte ich einen guten Tag, mit einem super Training. Dann gab es wieder ein Training, in dem es nicht so gut lief. Es gab Momente, in denen ich gedacht habe: ‚Das ist alles geil, ich verlängere noch mal‘. Und dann gab es die Momente, in denen ich dachte: ‚Nein, ich kann das nicht mehr.‘“ 

Stellt euch mal vor, ich verletze mich in der Sommer-Vorbereitung wieder. Dann stehe ich wieder da in der Halle.

Mark Uth

Bezieht sich das nach all den Verletzungsproblemen in den vergangenen drei Jahren nur auf Ihren Körper oder auch auf das Profi-Geschäft im Allgemeinen? 

„Im Endeffekt ist es der Körper. Spaß am Fußball habe ich immer noch, auch mit den Jungs in der Kabine zu sein. Es gibt nichts Schöneres, als in solchen Stadien zu spielen. Wenn wir jetzt aufsteigen, wovon ich überzeugt bin, ist die Bundesliga aber noch mal intensiver. Ich weiß nicht, ob mein Körper das noch mal schafft. Ich müsste viel mehr investieren. Die letzten zweieinhalb Jahre waren nicht optimal. Stellt euch mal vor, ich verletze mich in der Sommer-Vorbereitung wieder. Dann stehe ich wieder da in der Halle. Dafür hätte ich keine Kraft mehr. Deswegen habe ich mich dagegen entschieden.“ 

Hat die erneute Verletzung im Januar, in der ersten Trainingseinheit des Jahres im spanischen Estepona, das Fass zum Überlaufen gebracht? 

„Ja. Ich bin aus dem Urlaub gekommen und habe die Läufe gemacht. Da habe ich schon leicht etwas in der Wade gespürt. Im Training habe ich dann einmal angezogen und nur gedacht: herzlichen Glückwunsch.“  

Keine Vertragsverlängerung durch Aufstieg

Als Sie im vergangenen Sommer nach dem Abstieg verlängert hatten, hieß es, dass sich Ihr Vertrag im Aufstiegsfall automatisch erneut verlängern könnte. Stimmt das? 

„Nur nach einer gewissen Anzahl an Spielen, die ich nicht erreicht habe.“ 

Vor einigen Wochen haben Sie erklärt, sich mit Ex-Sportchef Christian Keller in guten Gesprächen zu befinden. Es dürfte auch darum gegangen sein, wie man Sie nach der Karriere im Club einbinden könnte. 

„Genau. Das waren gute Gespräche, die wir nicht zu Ende geführt haben. Aktuell sind andere Themen wichtiger, ich gehe davon aus, dass wir uns nach der Saison noch mal zusammensetzen.“ 

Das klingt so, als hätten Sie Lust, weiterhin im Fußball und beim FC zu arbeiten? 

„Mir ist ganz wichtig, dass der Verein in den nächsten Jahren konstant Bundesliga spielt. Wenn ich da irgendwie mithelfen kann, würde ich das gerne machen. Für mich steht der Verein an erster Stelle.“ 

Das Köln-Jahr mit Steffen Baumgart war ganz besonders.

Mark Uth

Einen Weg wie Marco Höger einzuschlagen und noch mal ein paar Spielzeiten in der Regionalliga dranzuhängen, war für Sie aber keine Option? 

„Auf gar keinen Fall (lacht). Wenn, dann kicke ich nur noch ein bisschen mit Freunden oder gehe Golf spielen. Das ist auch schön.“

Als wir uns vor der Saison zum Interview getroffen haben, haben Sie davon gesprochen, dass die Verletzungen Ihnen zwei Jahre geraubt hätten und Sie sich die Zeit gerne wiederholen würden. Fällt es Ihnen schwer, das jetzt abzuhaken? 

„Das war Wunschdenken. Es hat keiner damit gerechnet, dass es wieder ein Jahr lang nicht laufen würde. Klar ist das unglücklich. Aber ich will gar nicht mehr viel über die schlechten Jahre reden. Ich hatte eine schöne Karriere.“ 

Welcher Trainer Uth „viel besser gemacht“ hat

Dann lassen Sie uns über die guten Jahre reden. Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung? 

„Auf den FC bezogen war mein schönstes Jahr die erste Saison unter Steffen Baumgart, in der wir die Conference League erreicht haben. Darüber hinaus habe ich in jedem Wettbewerb spielen dürfen, habe ein Länderspiel. Leider haben wir 0:3 gegen die Niederlande verloren, aber das werde ich nie vergessen. Das Köln-Jahr mit Steffen war aber ganz besonders, weil wir als Mannschaft unfassbar zusammengewachsen sind und etwas erreicht haben, was beim FC nicht so häufig passiert.“ 

War Steffen Baumgart auch Ihr prägendster Trainer? 

„Nein, das war Julian Nagelsmann in Hoffenheim. Er hat mich viel, viel besser gemacht.“ 

Mark Uth und Julian Nagelsmann 2018 bei der TSG Hoffenheim. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)
Mark Uth und Julian Nagelsmann 2018 bei der TSG Hoffenheim. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Was zeichnet Nagelsmann aus? 

„Er ist ein unfassbar intelligenter Trainer und weiß ganz genau, wie du eine Mannschaft bespielen musst, um zu gewinnen. Er hat Grundprinzipien, die Spieler besser machen. Das war sehr beeindruckend für mich. Dadurch habe ich mich zu dem Spieler entwickelt, der Champions League spielen durfte und ein Länderspiel absolviert hat.“ 

In der Königsklasse haben Sie gegen den großen FC Liverpool getroffen. 

„Das war in der Champions-League-Qualifikation mit Hoffenheim. Da habe ich im Hin- und Rückspiel getroffen. An der Anfield Road zu treffen, ist schon besonders. Das Problem war leider, dass wir nach 27 Minuten mit 0:3 zurücklagen. Mein Derby-Tor für den FC zu Hause gegen Gladbach war natürlich auch sehr schön, oder das Freistoß-Tor beim 5:0-Sieg in Berlin.“ 

Was Uth vermissen wird – und was nicht

Was werden Sie nach Ihrem Karriereende besonders vermissen? 

„Die Kabine auf jeden Fall. Auch mit den Jungs auf dem Platz zu stehen, das hatte ich in den letzten Jahren schon weniger. Wenn ich in die Halle gegangen bin, sind die Jungs rausgegangen. Umso schöner ist es, dass ich die letzten drei, vier Monate gesund war.“ 

Gibt es auch Dinge, die Sie nicht vermissen werden? 

„Die unzähligen Kraft-Trainings in den Hallen. Ich liebe es zu kicken, gehe gerne mit Ball raus. Warmmachen ist übrigens auch gar nichts für mich – und meinen Reha-Trainer Leif Frach kann ich auch nicht mehr sehen. Zumindest nicht in der Halle (lacht).“  

Teil zwei des Interviews mit Mark Uth erscheint am Sonntag vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern beim GEISSBLOG.

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