Friedhelm Funkel wäre in Nürnberg auch mit einem 1:1 zufrieden gewesen. Der Trainer des 1. FC Köln erinnerte mit seiner Herangehensweise an den nervenaufreibenden Abstiegskampf der Saison 2020/21.
Wie sich die Bilder in sechs Tagen doch ändern können. Am Samstagabend, nach dem 1:1 gegen Jahn Regensburg, waren den Profis des 1. FC Köln von den Rängen noch Wut und Unverständnis entgegenschlagen, Gerhard Struber und Christian Keller waren aus ihren Ämtern gebrüllt worden. Am Freitagabend, einen Funkel-Effekt und einen Last-Minute-Erfolg später, sah die Welt gänzlich anders aus.
Nach Florian Kainz‘ Tor zum Sieg in Nürnberg gab es kein Halten mehr. Die FC-Profis feierten und tanzten vor dem pickepackevollen Gäste-Block, der nicht zu singen aufhören wollte. Die Kölner Spieler lagen sich in den Armen – erst vor den Fans, dann in der Kabine, wo endlich mal wieder AnnenMayKantereits „Tommi“ geschmettert werden durfte. Gänsehaut, wo man auch hinschaute.
Mittendrin: ein 71-jähriger Mann, dessen wohlverdienter Ruhestand immer wieder von kriselnden Traditionsclubs heimgesucht wird. Friedhelm Funkel genoss die erste Party seiner dritten FC-Amtszeit sichtlich, herzte jeden Spieler und Betreuer, wurde von den Fans überschwänglich gefeiert. Dabei hatte er es im Max-Morlock-Stadion gar nicht unbedingt auf einen Sieg abgesehen.
Funkel „wäre mit dem Punkt zufrieden gewesen“
„Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Mannschaft mit einem Punkt zufrieden gewesen wäre“, sagte Funkel nach Abpfiff, gab jedoch zu: „Ich persönlich wäre mit dem Punkt zufrieden gewesen, das habe ich der Mannschaft nur nicht mitgeteilt. Ich wollte das Spiel nicht mehr verlieren.“
Mit einer Niederlage hätte der FC den Aufstieg nicht mehr in der eigenen Hand gehabt, Elversberg (3:0 gegen Braunschweig) und Paderborn (2:1 gegen Magdeburg) wären vorbeigezogen – Köln wäre nur noch Vierter gewesen. Funkel wusste natürlich um die brisante Tabellenkonstellation und wollte zumindest Platz zwei mit aller Macht verteidigen. „Ich weiß, wie schnell man hintenraus ein Gegentor kassieren kann“, sagte er später.
Auch ein Punkt hätte uns geholfen, dann hätten wir gegen Kaiserslautern alles in der eigenen Hand gehabt.
Thomas Kessler
Diese Herangehensweise erinnerte an seine vorherige FC-Mission vor vier Jahren. Ebenfalls am 33. Spieltag war Funkel mit dem FC, der damals auf Platz 17 der Bundesliga gestanden hatte, bei Hertha BSC nicht voll auf Sieg gegangen, sondern lieber mit einem 0:0 nach Hause gefahren. Der Trainerfuchs war sich sicher gewesen, dass der Punkt reichen würde, um mit einem abschließenden Sieg gegen Schalke noch die Relegation zu erreichen. Das Ende ist bekannt: Funkel behielt recht und feierte mit dem FC in Kiel den Klassenerhalt.
Bei einem Punkt in Nürnberg hätte nächste Woche Sonntag gegen Kaiserslautern wahrscheinlich ebenfalls ein Sieg hergemusst, um den Aufstieg aus eigener Kraft zu schaffen. Funkel war offenbar erneut überzeugt, dass dieser entscheidende Erfolg am letzten Spieltag gelingen würde.
Kessler: „Die Zuversicht wäre groß gewesen“
„Auch ein Punkt hätte uns geholfen, dann hätten wir gegen Kaiserslautern alles in der eigenen Hand gehabt“, sagte Spotrdirektor Thomas Kessler und ergänzte: „Wenn ich die Mannschaft gesehen habe, mit was für einer Leidenschaft die Jungs für den Erfolg gearbeitet haben – da wäre die Zuversicht auch groß gewesen, wenn wir nur einen Punkt geholt hätten.“
Die drei Punkte allerdings sorgten nicht nur für Zuversicht, sondern für riesige Euphorie. Am Samstagmittag, als Elversberg und Paderborn nachzogen, zeigte sich erst recht, wie wichtig der Kölner Sieg war. Bei einem Unentschieden in Nürnberg wäre der Vorsprung auf nur noch einen Punkt geschmolzen, die FC-Fans hätten gewaltig zittern müssen.








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!