Jetzt spricht Keller über sein FC-Aus! Darum wäre Struber Trainer geblieben

Mussten beim FC gemeinsam gehen: Gerhard Struber und Christian Keller. (Foto: Bucco)
Mussten beim FC gemeinsam gehen: Gerhard Struber und Christian Keller. (Foto: Bucco)

Christian Keller hat sein Schweigen gebrochen. Der ehemalige Sportchef des 1. FC Köln erklärt in einem Interview sein Aus, seine Unterstützung für Gerhard Struber und wann er den Österreicher doch beinahe entlassen hätte.

Christian Keller weilt dieser Tage auf Mallorca. Der ehemalige Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln verbringt nach seinem Aus bei den Geißböcken viel Zeit mit Freunden und Familie. Nachdem er zunächst noch in Köln geblieben und dann das Saisonfinale am Bodensee verfolgt hatte, tankt Keller nun auf der Insel Kraft.

Pläne, wie es für ihn weitergeht, hat er noch nicht. Keller sagt in einem gemeinsamen Interview der Kölnischen Rundschau und des Express lediglich, dass er erst einmal eine Auszeit anstrebe, obwohl er schon mehrere Anfragen anderer Clubs gehabt habe. „Ich möchte eine längere Wanderung machen. Es wird entweder eine Alpenüberquerung oder ich laufe einen Pilgerweg, auf dem ich überlege, was ich als nächstes beruflich machen möchte.“

So erklärt Keller sein FC-Aus

Keller muss zwar nebenbei auch seine A-Trainerlizenz auffrischen. Doch er will auch entscheiden, ob er überhaupt im Profifußball bleiben will. „Ich werde im Spätsommer entscheiden, ob es weiter Fußball sein soll oder es zurück in die klassische Wirtschaft geht“, sagt der 46-Jährige. Nur einen Job an einer Hochschule schließt er aktuell aus. „Für mich war klar, dass ich nicht direkt den nächsten Verein übernehmen möchte. Ich kann nicht von heute auf morgen ein neues Wappen im Herzen tragen.“

Das hängt auch mit seinem Aus beim FC zusammen. Keller musste nach dem 32. Spieltag gehen, weil er sich gegen eine Entlassung von Gerhard Struber gestemmt hatte. Eine Entscheidung, die schließlich der Gemeinsame Ausschuss traf und Keller dabei gleich mitentließ. „Ich würde sie genau gleich treffen“, sagt Keller nun im Rückblick auf seine eigene Entscheidung pro Struber. „In dem Moment, als der Vorstand und der Gemeinsame Ausschuss mich aufgefordert haben, den Trainer freizustellen, wusste ich, ich kann das nicht machen.“

Keller hätte Struber die Bundesliga zugetraut

Der Grund: Keller glaubt noch heute, dass Struber der richtige Trainer gewesen wäre, um den Aufstieg trotzdem noch zu schaffen. Und der Österreicher wäre unter Kellers Führung auch über die Saison hinaus im Amt geblieben. „Gerhard Struber wäre unter meiner Verantwortung als Trainer in die neue Saison gegangen und hätte die Chance bekommen, nach einer hoffentlich guten Transferphase, zu zeigen, dass er ein Trainer sein kann, der einer Mannschaft eine nachhaltige Handschrift gibt“, sagt Keller. „Gerhard hätte es verdient gehabt, weiter machen zu dürfen.“

Und das, obwohl Keller rückblickend genau weiß, dass der Österreicher sich angreifbar gemacht hatte. „Wenn man Gerhard eines zur Last legen will, dann sicherlich, dass er es nicht oft geschafft hat, möglichst viele Spieler mitzunehmen“, sagt Keller acht Wochen nach seinem Aus. „Nicht alle Kaderspieler hatten das Gefühl, dass sie wichtig sind. Das ist die größte und schwerste Herausforderung in der Mannschaftsführung.“

Ich finde, vor dem Hintergrund der gezeigten Leistungen hätte man irgendwann im Frühjahr einen Trainerwechsel vornehmen können

Christian Keller

Dennoch hätte Keller seinem Cheftrainer eine neue Chance geben wollen. Umso mehr kritisiert er die Entscheidung der Vereinsführung als „aktionisch-opportunistisch“, weil sie laut Keller nicht so getroffen worden wäre, hätte der FC gegen Regensburg (0:0) gewonnen. Dass Keller mit seinem Festhalten an Struber aber womöglich den Aufstieg gefährdet hätte, lässt er in dem Interview unkommentiert. Schließlich zeigt die Tabelle, dass der FC unter dem Österreicher vier von sechs Punkten hätte holen müssen, um die Bundesliga zu erreichen – nach zuvor nur einem Sieg aus fünf Spielen.

Allerdings lässt Keller inzwischen durchblicken, dass er Struber früher hätte entlassen können. „Ich finde, vor dem Hintergrund der gezeigten Leistungen hätte man irgendwann im Frühjahr einen Trainerwechsel vornehmen können“, sagt der Ex-Sportchef nun. „Nach dem Karlsruhe-Spiel (0:1 am 1. März 2025) wäre ein möglicher Zeitpunkt gewesen, weil wir da eine Nichtleistung gezeigt haben. Andererseits hatte ich damals nicht den Gedanken, ich möchte den Trainer wechseln.“

Keller hätte gerne weitergemacht

Nun betrachtet Keller den FC nur noch von außen – und das durchaus mit Wehmut. „Ja, denn bis dato war es bereinigen, aufräumen und ab jetzt ist es gestalten. Das Haus ist saniert und die Zimmer neu. Jetzt fängt es an, richtig Spaß zu machen“, sagt Keller. „Das hätte ich gerne gemacht, aber nicht auf Kosten meiner eigenen Glaubwürdigkeit.“ Also musste Keller im Mai gehen – und kann nur noch von außen zuschauen, wie der FC mit seinem Erbe verfährt.

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