Im Februar 2024 lag der 1. FSV Mainz 05 in der Bundesliga hinter dem 1. FC Köln auf einem direkten Abstiegsplatz. Dann trafen die Rheinhessen eine Trainerentscheidung und sind dem FC nun wieder enteilt.
Der 1. FSV Mainz 05 startet an diesem Wochenende mit seinem Heimspiel gegen den 1. FC Köln in seine 17. Bundesliga-Saison in Folge. Seit 2009 spielen die Mainzer ununterbrochen im Oberhaus. Zum Vergleich: Der FC musste in dieser Zeit drei Abstiege verkraften und sich wieder in die Bundesliga zurückkämpfen.
Zwar musste auch Mainz mehrfach zittern, zuletzt in Kölns Abstiegssaison 2023/24. Doch während die Geißböcke mit dem Trainerwechsel von Steffen Baumgart zu Timo Schultz daneben lagen, machte es der FSV deutlich besser. Auf Bo Svensson folgte zwar zunächst Jan Siewert, doch als diese Variante nicht den erhofften Erfolg brachte, holte Mainz mit Bo Henriksen den Vater des jüngsten Erfolgs.
Als Mainz den FC abhängte
Damals lag Mainz nach 21 Spieltagen mit zwölf Punkten auf Rang 17 – vier Zähler hinter dem FC. Dann aber drehte Henriksen alles um und holte in nur 13 Spielen 23 Punkte und hielt Mainz mit 35 Punkten auf Platz 13 in der Liga, am Ende acht Punkte vor den Geißböcken, die als 17. den Weg in die 2. Liga antreten mussten. Ein Jahr später hat sich Mainz für Europa qualifiziert, während der FC den großen Umbruch wagt, um sich nun auch endlich mal wieder dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren.
„Ich habe das Gefühl, dass Mainz uns ein, zwei Jahre voraus ist“, sagte Lukas Kwasniok am Freitag – und hätte damit auch ein Jahrzehnt meinen können. Doch vor allem bezog der FC-Trainer dies auf seinen Konterpart. „Mit ihrem Trainer haben sie eine klare Identität auf dem Feld. Dieses fast schon unmenschliche Pressing: Die können unglaublich viel laufen. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden. Sie sind auch einen Tick weiter in der Spielreife. Darüber hinaus hat sich eine Selbstverständlichkeit entwickelt, wenn sie auf den Platz gehen. Sie haben keine klare Schwäche.“
Kwasniok über die „Type“ Henriksen
Kwasniok weiß, dass Mainz unter Henriksen gerade zuhause kaum zu knacken ist. Keine Bundesliga-Mannschaft ist im heimischen Stadion länger ungeschlagen als der FSV (13 Spiele). Das liegt auch an der Emotionalität, mit der der Däne die 05er in die Spiele schickt. Und dabei die Zuschauer mitnimmt – bekanntlich läuft Henriksen eine Stunde vor jedem Heimspiel vor die Fankurve und heizt den Anhängern ein.
Etwas, das Kwasniok sympathisch findet. „Er ist eine Type. Als er anfangs vor recht wenigen Menschen in der Kurve gestanden hat und sie animiert hat, war es zunächst recht sonderbar. Aber damit hat er ganz Mainz angezündet“, sagte Kwasniok. „Ich glaube, das ist ein Klassiker: Man tut sich leicht, über Menschen zu lächeln, wenn etwas neu ist. Er hat es aber auf seine Art und Weise geschafft, den Club wieder wachzuküssen. Daher muss man sagen: Abgesehen von den Transferentscheidungen ist er der absolute Schlüssel des Erfolges.“
Kwasniok will Kölns Schlüssel werden
Kwasniok selbst will dieser Schlüssel für den FC werden. Auch seine Mannschaft will sich künftig zunächst über Intensität und Bereitschaft auszeichnen. Auch seine Mannschaft will eine neue Selbstverständlichkeit entwickeln, den eigenen Fußball umzusetzen. Auf seine Mannschaft soll schwer zu bespielen sein. Dass dieser Weg weit ist, hat das DFB-Pokal-Spiel in Regensburg gezeigt. Dass dieser Weg aber auch schnell eingeschlagen werden kann, hat Henriksen in Mainz bewiesen. „Da kann ich nur alle Hüte ziehen“, sagte Kwasniok – und endete mit einem Augenzwinkern. „Ich hoffe, dass er nur vor dem Spiel so emotional sein darf und nicht mehr nach dem Spiel, weil wir der glückliche Sieger sein werden.“








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