„Stümperhaft“: Das erste Problem der Saison macht Kwasniok sauer

Timo Hübers, Eric Martel und Joël Schmied. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)
Timo Hübers, Eric Martel und Joël Schmied. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)

Sieben Gegentore in vier Spielen: Der 1. FC Köln hat nach einem defensiv guten Start in die Saison zuletzt zu viele Treffer kassiert – vor allem nach ruhenden Bällen. Das ärgert Lukas Kwasniok.

Gegen den SC Freiburg nach einem Eckball. Gegen den VfL Wolfsburg nach zwei Freistößen. Gegen RB Leipzig nach einem Eckball und einem Freistoß. Der 1. FC Köln hat fünf seiner sieben Gegentore in den ersten vier Saisonspielen nach Standards kassiert. Eine zu schlechte Quote, die zahlreiche Ursachen hat.

Eine Statistik zeigt das Problem in Zahlen: In den ersten vier Bundesliga-Spielen ließ der FC insgesamt 29 Ecken zu, arbeitete sich selbst aber nur 15 Ecken heraus. Damit gaben die Geißböcke also fast doppelt so viele Ecken her wie man sich selbst erarbeitete. Zwar war der FC als Aufsteiger bislang in allen Spielen Außenseiter und kam im Schnitt auf weniger Ballbesitz als die Gegner (48 Prozent). Dennoch weiß Lukas Kwasniok um das Problem.

Was Kwasniok kritisiert

„Wir lassen leider zu häufig Standards zu, produzieren viel zu viele Eckbälle und Freistöße“, kritisierte der FC-Trainer nach der 1:3-Niederlage in Leipzig. „Das ist schwierig, weil du zu schnell ins Hintertreffen gerätst.“ Bei RB war es bereits nach der zweiten Ecke geschehen, das 0:1 kostete früh eine gute Ausgangsposition.

Was Kwasniok auch in Leipzig wieder „am meisten ärgerte“, war die Art und Weise, wie seine Spieler zwischenzeitlich eher auf Sicherheit zur Ecke klärten. „Wir schenken Eckbälle teilweise her. Wir müssen auch mal den Mut haben, den Ball mit dem schwachen Fuß aus der Gefahrenzone zu befreien und nicht ins Toraus zu kicken“, sagte der 44-Jährige. „Daran werden wir arbeiten.“

Nicht den einfachsten Weg nehmen

Allerdings nicht nur daran. Auch die Fouls rund um den eigenen Strafraum will Kwasniok nicht mehr sehen. Gegen Wolfsburg führte ein unnötiges Foul auf der rechten Abwehrseite zum zwischenzeitlichen 1:1. Gegen Wolfsburg und Leipzig war es jeweils Eric Martel, der die beiden Fouls beging, die Maxi Arnold und David Raum zu ihren Freistoßtoren nutzen konnten.

„Wir müssen in der Hitze des Gefechts einen kühlen Kopf bewahren und nicht stümperhaft im Zweikampf agieren“, sagte Kwasniok deutlich. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ein Aufsteiger sind. Wenn der Druck groß wird, bist du als Spieler auch froh, wenn du Ball einfach mal ins Aus katapultierst. Es ist dann halt nur doof, dass Leipzig Herrn Raum mit einer linken Klebe hat und dazu noch zwei, drei große Spieler. Das ist uns leider um die Ohren geflogen.“

Auch Zweikampfhärte muss besser werden

Dennoch weiß Kwasniok durch diese offensichtliche Schwäche nun schnell, woran er mit seinen Spielern arbeiten muss: an der Entstehung der Eckbälle und Freistöße, aber auch am Verteidigen nach den Hereingaben. „Ich bin nicht happy darüber, aber wir wissen, wo wir ansetzen können.“

Dabei gilt auch, die Zweikampfhärte im eigenen Strafraum zu verbessern. Gegen Wolfsburg ließen sich Timo Hübers und Rav van den Berg zu einfach wegdrücken, gegen Leipzig war es Hübers. Zudem konnten die Gegner immer wieder ihre Mitspieler freisperren und ihnen Platz schaffen. Ole Werner, Leipzigs Trainer, machte klar: „Es ist wichtig, dass wir im Laufe der Saison öfter zu diesen einfachen Toren kommen.“

Kessler kritisiert: „Nicht seriös verteidigt!“

„Einfache Tore“, die der FC selbst gerne hätte und andererseits hinten künftig verhindern muss. „Standards entscheiden Spiele“, machte Kwasniok klar – in dem Wissen, dass es in Leipzig den Ausschlag gegeben hatte. Das sah Thomas Kessler auch so. „Es gibt sicherlich mal Standardsituationen, wo du kalt erwischt wirst. Aber was Leipzig gemacht hat, war nicht sonderlich kreativ – wir haben es einfach nicht seriös verteidigt“, kritisierte der Sportdirektor.

Und so musste der FC sich „gegen eine spielstarke Mannschaft wegen der Standards geschlagen geben“, resümierte Kessler. „Das ist bitter.“ Gegen den VfB Stuttgart wollen es die Geißböcke in einer Woche direkt wieder besser machen. Gegen Leipzig hatte es „jedes Mal lichterloh gebrannt“ (Eric Martel). Kwasniok muss mit seinen Spielern Lösungen finden, diese Brände zu löschen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

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