Thomas Kessler hat am Samstag erstmals als Sportchef des 1. FC Köln zu den Mitgliedern gesprochen. Seine Rede zeigte: Niemand sitzt gerade beim FC so sicher im Amt wie der 39-Jährige.
„Es kommt nicht darauf an, wie man begrüßt wird, wenn man irgendwo anfängt, sondern wie man verabschiedet wird, wenn man geht“: Mit diesen Worten begann Thomas Kessler am Samstag seine Rede bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln. Der Sportdirektor hatte, weil kein Geschäftsführer, nicht die Rolle eines offiziellen Redners inne. So sprach er als Teil des sportlichen Berichts von Vizepräsident Eckhard Sauren.
Sauren hatte während seiner Rede Platz gemacht für Kessler, damit dieser seinen ersten Auftritt als FC-Verantwortlicher auf einer MV bekommen würde. Der 39-Jährige ist seit 25 Jahren bei den Geißböcken, „und es ist für mich ein riesiges Privileg. Bislang habe ich immer auf der anderen Seite gesessen und zugehört, was hier gesagt wurde. Dass ich heute das Rederecht bekomme, freut mich sehr.“
FC-DNA verleiht Kessler viel Kredit
Kessler war der Applaus der Mitglieder sicher. Der sportliche Bereich sieht zum Saisonstart stabil aus, der Kader wurde umfangreich erneuert, das Trainerteam neu aufgestellt, und vielen FC-Fans gefällt es, dass die Geißböcke nun von einem echten Kölner angeführt werden, der sein ganzes Fußballer-Leben für den FC gekickt und sich dann über eine Ausbildung am Geißbockheim zum Sportdirektor hochgearbeitet hat.
Es ist diese Geschichte, die Kessler viel Kredit gibt. Aber auch, dass er im Sommer erste Entscheidungen treffen musste und konnte, die von vielen Fans positiv aufgenommen wurden. Der harte Cut im Kader, die mutigen Verpflichtungen, für die der FC auch wieder Geld in die Hand nahm, dazu die klaren Entscheidungen, wenn es für einen Profi nicht mehr weiterging. Eine Mischung aus einem eindeutigen Weg und dem Schuss FC-DNA, die insbesondere seinem Vorgänger Christian Keller abgegangen war.
Kessler nennt ambitionierte Ziele
Und so war es kein Wunder, dass Kessler am Samstag sein Heimspiel zu nutzen wusste. Er bedankte sich bei Friedhelm Funkel für den Aufstieg, erinnerte an die Deutsche Meisterschaft der U19, die diese „in einem Vorort von Köln“ – bei Bayer Leverkusen – gewinnen konnte, vergaß auch die FC-Frauen nicht und dankte den Mitarbeitern am Geißbockheim, den Mitgliedern und den Fans für die Unterstützung.
Dann blickte Kessler auf die vergangene Transferphase zurück. Der Sportdirektor berichtete nichts Neues, und doch vermittelte der 39-Jährige den nötigen Ernst. Er sprach von einer „Lethargie“ in der Mannschaft, die man hätte durchbrechen müssen, und zitierte aus „Weltmeister vum Rhing“ („Jewenne künne, künne mer nit immer“). Kessler sagte: „Ich will aber immer gewinnen, und deshalb ist der Umbruch sehr, sehr groß geworden, auch wenn darin eine Gefahr steckt. Aber es war unumgänglich, um der Mannschaft eine neue Kultur zu verpassen.“ Der FC müsse künftig „im schlechtesten Fall mal 14. werden, aber wenn es normal läuft, um die Zehn mitspielen“.
Gespräch mit Sobek steht an
Kessler bereitete die Fans darauf vor, dass man Spieler auch mal verkaufen müsse, die schneller wachsen würden als der FC oder einfach gehen wollen würden – wie zuletzt Max Finkgräfe und Damion Downs. Aber darauf müsse der FC immer vorbereitet sein, um dann wieder neue Spieler zu holen, mit denen der Club den nächsten Schritt gehen könne. Und schließlich wünschte er sich eine „respektvolle“ Versammlung und ein gutes Bild, mit dem der FC ein Zeichen nach außen senden würde.
Kessler bekam großen Applaus, und er blieb bis zum Schluss, als schließlich feststand, wer neuer Vorstand werden würde. Hinterher sah man den Sportchef mit Jörn Stobbe, Jörg Alvermann und Ulf Sobek bei der Gratulation. Und es dürfte nicht lange dauern, da sich insbesondere Sobek und Kessler zusammensetzen und austauschen werden. Beide dürften viele Fragen haben, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen wird, schließlich weiß auch Kessler, dass jetzt erstmals seit Jahren wieder ein Vorstand das Ruder übernimmt, in dem ein Vizepräsident mit Fußball-Hintergrund sitzt.
Niemand sitzt sicherer im Sattel
Von einer Beförderung zum Sport-Geschäftsführer hörte man am Samstag noch nichts. Diese hatten alle drei Vorstandsteams in der Wahlarena von Jonas Hector noch öffentlichkeitswirksam in Aussicht gestellt. Ob Kessler diese wirklich will, ist aber noch offen. Zuletzt hatte er sich damit zufrieden gezeigt, als Sportdirektor Teil der Geschäftsleitung zu sein, aber keine Pflichten eines Geschäftsführers übernehmen zu müssen.
Sollte es Gespräche über eine Beförderung geben, dürften sich die Vorstände aber wohl auf harte Verhandlungen einstellen. Kessler erwarb sich in den vergangenen Wochen bereits in den Gesprächen mit anderen Clubs den Ruf eines Gesprächspartners mit klaren Vorstellungen. Zumal die Mitgliederversammlung eines gezeigt hat: Niemand sitzt beim FC gerade mit so viel Unterstützung der Fans sicher im Amt wie Kessler.








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