Hinter Marius Bülter liegt ein aufregendes Jahr 2025. Im Sommer wechselte der Angreifer zum 1. FC Köln, im Herbst wurde der 32-Jährige zum ersten Mal Vater. Im Interview mit dem GEISSBLOG sprach Bülter unter anderem über die aufregende Zeit, sein Formtief zum Ende des Jahres und seinen selten gewordenen Werdegang zum Profi.
Das Interview im Trainingslager in La Nucia führten Sonja Gauer und Marc L. Merten
GEISSBLOG: Herr Bülter, die Weihnachtspause war kurz. Hatten Sie genügend Zeit, sich zu erholen?
MARIUS BÜLTER: „Ich konnte gut abschalten und die Zeit mit der Familie genießen. Wir waren in den Bergen und konnten uns gut erholen. Ich bin früher eigentlich immer gerne Ski gefahren, aber das mache ich erst wieder nach der aktiven Fußball-Karriere (lacht). Es juckt schon, wenn man die anderen fahren sieht, aber die paar Jahre halte ich auch noch aus. Das Risiko einer Verletzung ist einfach zu groß.“
Sie sind im vergangenen Jahr zum ersten Mal Vater geworden. Konnten Sie diese aufregende Zeit über die Feiertage dann auch zum ersten Mal richtig intensiv genießen?
„Genau, das war unser erster gemeinsamer Urlaub. Es hat alles gut geklappt. Ich konnte meinen Akku wieder aufladen. Aber es ist jetzt natürlich ein komplett neues Leben. Die ersten zwei, drei Wochen waren sehr extrem. Mittlerweile hat es sich gut eingependelt. Trotzdem ist jeder Tag anders, weil sich der Kleine so schnell entwickelt. Aber es macht unfassbar viel Spaß und ist einfach schön.“
So reagiert Bülter auf Kwasnioks Baby-Aussage
Lukas Kwasniok hatte Ende letzten Jahres berichtet, dass man Ihnen die neue Rolle als Vater auch auf dem Platz angemerkt und es sportlich „gehakt“ hätte.
„Von der Aussage habe ich natürlich gelesen. Ob es wirklich daran lag… (schmunzelt) Ich weiß natürlich, dass ich nicht gut gespielt habe. Für mich hatte das andere Gründe, aber ich weiß natürlich, was der Coach meint. Er wollte mich vielleicht auch ein Stück weit in Schutz nehmen.“
Welche Gründe haben Sie für sich ausgemacht?
„Die Verletzung und die Erkrankung haben mich schon aus dem Rhythmus gebracht. Ich war immer wieder dran und habe dann einen Rückschlag bekommen. Ich brauche diesen Rhythmus für mein Spiel. Es hat mich selbst geärgert, aber ich will auch nicht zu viel zurückgucken. Ich freue mich einfach, dass ich jetzt wieder Gas geben kann.“
Ist es für Sie im Laufe der Saison schwieriger geworden, Ihre Rolle in der Offensive auszufüllen, weil sich das FC-Spiel im Allgemeinen verändert hat?
„Am Anfang haben wir insgesamt als Mannschaft besser gespielt, dann ist es für jeden einzelnen auch einfacher, bessere Leistungen zu bringen. Das hatten wir zuletzt weniger. Ich will aber keine Ausreden suchen, ich hätte trotzdem besser spielen können.“
Hat durch die vielen defensiven Ausfälle vielleicht auch die Offensive ein wenig gelitten?
„Das kann eine Rolle spielen. Aber auch am Anfang der Saison haben wir Angreifer mit nach hinten gearbeitet. Der Aufwand ist der gleiche. Aber klar, wenn du so viele Ausfälle hast, macht das etwas mit der Struktur einer Mannschaft. Vor allem, wenn Spieler auf Positionen spielen müssen, die nicht ihre perfekten Positionen sind. Das ist aber ganz normal und wird bei jeder Mannschaft so sein. Ich glaube auch nicht, dass deswegen der Fokus von uns allen mehr auf der Defensive lag. Bei uns liegt das Augenmerk ohnehin immer darauf, wenig Gegentore zu bekommen.“
Perfekte Position, Ziele für die Rückrunde
Welche Position würden Sie als Ihre Perfekte beschreiben?
„Der klassische Neuner bin ich nicht, das hat man auch zuletzt gesehen. Ich mache weniger die langen Bälle fest und gewinne Kopfballduelle – auch wenn man das aufgrund meiner Größe vielleicht erwartet. Das ist aber nicht so mein Spiel, aber eine Lieblingsposition habe ich nicht. Meistens komme über die Halbräume, lasse mich gerne mal auf die Außen fallen, um dann auch wieder in der Box zu sein, wenn es gefährlich wird.“
Deswegen ist es für da für mich gerade schwierig.
Marius Bülter
Spielen Sie in den Halbräumen lieber rechts oder links?
„Als Rechtsfuß ist es auf der linken Seite etwas einfacher, die Eins-gegen-Eins-Situationen zu lösen. Mir ist aber auch bewusst, dass wir da mit Said und Kuba zwei Spieler haben, die super performen. Deswegen ist es da für mich gerade schwierig. Ich spiele aber auch gerne rechts, das ist kein Problem.“
Was nehmen Sie sich für die Rückrunde vor?
„Ich will wieder in meinen Rhythmus kommen. Das heißt erstmal gesund bleiben. Die Klasse zu halten, steht als Mannschaft natürlich über allem. Ich schieße natürlich gerne Tore, aber ich habe meine Leistungen noch nie ausschließlich an der Anzahl meiner Treffer gemessen.“
So blickt Bülter auf seinen Werdegang
Sie haben früher einmal gesagt, dass es Ihr großes Ziel ist, es in die Dritte Liga zu schaffen. Jetzt haben Sie kein einziges Drittliga-Spiel absolviert, dafür über 150 Partien in der Bundesliga. Wie blicken Sie auf Ihren Werdegang?
„Natürlich mit Stolz. Aktuell fühle ich vielleicht noch gar nicht so sehr, was ich bisher erreicht habe. Vor sieben, acht Jahren war es für mich undenkbar, dass ich jetzt hier sitze und so viele Spiele in der Bundesliga gemacht habe. Das spornt mich an, damit noch ein paar dazukommen.“
Wann hatten Sie das Gefühl, dass es mit der Bundesliga vielleicht doch klappen könnte?
„Als ich in Magdeburg in der 2. Liga gespielt habe. Der Schritt von Rödinghausen aus der Regionalliga war schon der größte. Der Anfang dort war auch nicht einfach, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich gut in der Liga klarkomme. Da habe ich natürlich noch nicht drüber nachgedacht, dass ich mal Bundesliga spielen würde. Aber ich habe gemerkt, dass ich mir den Profi-Fußball zutrauen kann.“
Dabei wären Sie vorher fast schon einmal in Köln bei der Viktoria gelandet…
„Das stimmt. Sie hatten damals bei mir angefragt, bevor ich nach Magdeburg gewechselt bin. Viktoria war damals noch in der Regionalliga. Heute kann ich sagen: Zum Glück ist da nichts draus geworden (lacht). Es war damals im Traum noch nicht daran zu denken, dass ich dann irgendwann einmal beim FC spielen würde.“
Haben Sie das Gefühl, dass Sie anders auf Ihre Karriere blicken als Spieler, die ein Nachwuchsleistungszentrum durchlaufen haben?
„Auf jeden Fall. Ich weiß, wie schwer es ist, dahin zu kommen. Ich weiß nicht, wie viele deutsche Spieler, die diesen Weg gemacht haben, in der Bundesliga spielen – vielleicht 200. Deshalb ist es schon sehr besonders, das zu schaffen. Und das nicht nur für ein oder zwei Jahre, sondern über einen langen Zeitraum. Ich weiß das Ganze vielleicht ein bisschen mehr zu schätzen. Aber ich kann es auch nicht vollständig beurteilen, weil ich eben nie ein NLZ durchlaufen habe. Unabhängig davon versuche ich den jungen Spielern immer weiterzugeben, in welch besonderer Situation sie sind, dass sie hier mittrainieren und auch spielen dürfen.“
Maschinenbau-Studium und die Zeit nach der Karriere
Sie haben sich am Anfang Ihrer Karriere, als die Bundesliga noch nicht abzusehen war, auch anderweitig weitergebildet und einen Bachelor-Abschluss in Maschinenbau absolviert. Woher rührt dieses Interesse?
„Mein Vater hat das früher auch studiert. Meine guten Fächer in der Schule waren zudem Mathe und Sport. Dann hat sich das so ergeben und es hat mir Spaß gemacht. Stand jetzt würde ich nach meiner Karriere aber eher nicht mehr dahin zurückkehren, dafür bin ich schon zu lange raus.“
Denken Sie mit 32 Jahren schon an die Zeit nach der Karriere?
„Noch habe ich mir keine Gedanken gemacht, was ich nach dem Fußball machen möchte. Wenn ich gucke, wo ich vor vier oder fünf Jahren war, hätte ich auch nie gedacht, dass ich jetzt hier sitze. Deswegen lasse ich das auf mich zukommen. Ich habe natürlich auch das Privileg, dass ich mir nicht sofort einen Job suchen muss, wenn ich meine Karriere beende. Aber hin und wieder frage ich mich schon, worauf ich dann Lust hätte.“
Was könnte das sein?
„Ich kann zumindest für mich ausschließen, dass ich einmal Trainer werden will. Ich bin mit dem Fußball so viel herumgekommen. Danach will ich mit meiner Familie eine Heimat haben und dann auch bei ihnen sein, statt immer wieder umzuziehen. Aber erstmal will ich noch ein paar Jahre Profi bleiben.“
Ist es für Sie eigentlich ungewöhnlich, während der kurzen Vorbereitungszeit in ein Trainingslager zu fliegen und von dort aus direkt weiter zum nächsten Auswärtsspiel zu reisen?
„Das hatte ich so auch noch nicht. Wenn man sich das Wetter in Deutschland gerade anschaut, haben wir hier wirklich sehr gute Bedingungen, um zu trainieren. Ich glaube schon, dass es uns guttun wird – auch nochmal länger zusammen zu sein. Es ist auch nicht das typische Trainingslager, bei dem du abends komplett platt bist. Ich hoffe, wir holen nochmal ein paar Prozentpunkte raus. Ob das Trainingslager am Ende gut war oder nicht, wird dann das Spiel gegen Heidenheim zeigen (lacht).“








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