Der 1. FC Köln hat seine starre Spielidee abgeschafft. Zumindest haben die Geißböcke unter der neuen Führung die Vorgaben von Ex-Sportchef-Christian Keller deutlich überarbeitet.
Als Christian Keller beim 1. FC Köln das Zepter schwang, wurde eine neue Spielidee eingeführt. Basierend auf dem damaligen Fußball unter Steffen Baumgart erarbeiteten die Trainer aus allen Abteilungen unter der Federführung Kellers und Koordinator Matthias Borst eine neue Spielidee. Es sollte eine Identität werden, die sich von klein auf bis zu den Profis hochziehen sollte.
Und tatsächlich: Der FC bekam eine solche Spielidee. Im Nachwuchs sollte konsequent 4-3-3 gespielt werden, dazu gab es zahlreiche Leitplanken und Prinzipien, anhand derer fortan trainiert, ausgebildet, gescoutet und verpflichtet werden sollte. Doch schon in der 2. Liga bekam dieses Konstrukt erste Risse. Und nun sind weitere Hürden gefallen.
Sbonias erklärt weichere Prinzipien
Gerhard Struber setzte sich mit einer Dreierkette durch, obwohl Keller diese auch auf Profi-Ebene eigentlich strickt verboten und so auch bestimmte Trainer im Sommer 2024 bei der Suche nach einem Nachfolger für Timo Schultz ausgeschlossen hatte. Mit Lukas Kwasniok kam nach der Ära Keller direkt ein Trainer, der eine Dreierkette bevorzugt. Und plötzlich sieht man diese Formation auch in der U21.
„Die Spielidee ist jeden Tag bei uns präsent, wir leben weiterhin danach“, sagt zwar Evangelos Sbonias im GEISSBLOG-Interview. Doch der U21-Coach machte auch klar, dass der FC „etwas flexibler“ geworden sei und „nicht starr im 4-3-3“ spiele. „Grundsätzlich wollen wir hinten in der Viererkette ausbilden, aber personell passt unsere Konstellation auch zu einer Dreierkette“, sagte Sbonias. „Es muss für die Jungs in ihrer Ausbildung Sinn ergeben.“
Mausehund und Neumann als Beispiele
Diese Ausbildung im Sinne der Spieler hatte die vorherige, starr interpretierte Spielidee ausgeschlossen. Wenn ein Nachwuchs-Team zwei Mittelstürmer von großer Qualität im Kader besaß, durfte trotzdem nur einer der beiden zentralen Angreifer im 4-3-3 spielen. Entweder musste der andere auf die Halbpositionen ausweichen oder als Joker auf seine Chance warten.
Nun ist das anders: So können beispielsweise Innenverteidiger Yannick Mausehund und Rechtsverteidiger Cenny Neumann bei der U21 im selben System Spielpraxis sammeln, welches bei den Profis gespielt wird. „Das hilft ihnen dann doppelt weiter“, gibt Sbonias zu.
Die Früchte der strukturierten Nachwuchsarbeit sieht man aktuell in der ungeschlagenen U17 und der U19 in Europa
Vizepräsident Ulf Sobek
Vizepräsident Ulf Sobek hatte dieses Aufweichen der starren Prinzipien bereits auf einem Mitglieder-Stammtisch Anfang Dezember angekündigt. „Wir werden unser Scouting neu aufstellen. Wir haben eine neue Organisationsstruktur verabschiedet. Wir haben eine neue Spielidee verabschiedet“, hatte Sobek die Veränderungen im Sport verkündet. „Wenn du zwei echte Neuner hast, aber einer auf der Bank sitzen muss, kann das nicht sein. Wir müssen flexibler sein.“
Allerdings machte Sobek auch klar, dass Kellers Arbeit nicht gänzlich fruchtlos geblieben war. Viele der Grundprinzipien im Spiel gegen und mit dem Ball, in den Bereichen Athletik, Intensität und Pressing, seien beibehalten worden. Insgesamt sei die Struktur der FC-Akademie über Jahre auf ein hohes Niveau gehoben worden. „Die Früchte der strukturierten Nachwuchsarbeit sieht man aktuell in der ungeschlagenen U17 und der U19 in Europa“, sagte Sobek. Jetzt soll sie auch wieder in einer individuellen Ausbildung der größten Talente sichtbar werden.








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