Ragnar Ache hat dem 1. FC Köln gegen den 1. FSV Mainz 05 den ersten Sieg nach über zweieinhalb Monaten geschenkt. Sein Doppelpack als Joker soll auch für ihn persönlich die Wende gewesen sein.
Aus Müngersdorf berichten Sonja Gauer, Alexander Haubrichs und Marc L. Merten
Ragnar Ache wirkte in den vergangenen Wochen nachdenklich. Der Angreifer hatte sich von seiner ersten Hinrunde beim 1. FC Köln spürbar mehr versprochen, wenngleich er körperlich zunächst noch einiges aufzuholen hatte. Nur sechs Startelf-Einsätze und ein mageres Törchen hatten jedoch sichtlich am Selbstbewusstsein des 27-Jährigen genagt. Gegen den 1. FC Heidenheim hatte Ache zudem mehrfach aus aussichtsreicher Position den Siegtreffer vergeben.
Gegen den 1. FSV Mainz 05 fand sich der Stürmer dann auch zunächst auf der Bank wieder, nachdem er in Heidenheim und gegen München zweimal fast über die gesamte Dauer gespielt hatte. „Raggy hat jetzt zweimal begonnen. Dass er das kann, hängt mit seiner Entwicklung zusammen. Ein drittes wäre heute vielleicht zu riskant“, hatte Lukas Kwasniok vor dem Spiel seine Entscheidung pro Marius Bülter als Sturmspitze erklärt.
Mit Ache kam mehr Wucht ins FC-Spiel
Zur zweiten Halbzeit, als der FC gegen tiefstehende und destruktiv agierende Mainzer mit 0:1 in Rückstand lag, brachte der Trainer Ache schließlich ins Spiel. Mit Erfolg: Der Neuner war sofort ein Unruheherd im Mainzer Strafraum und leitete zahlreiche Angriffe der Kölner ein. Keine Viertelstunde nach dem Wiederanpfiff belohnte sich Ache schließlich: Nach einer schönen Flanke von Alessio Castro-Montes köpfte der Stürmer wuchtig mit Hilfe der Unterkante der Latte zum Ausgleich ein.
Und auch danach hatten die Gäste so ihre liebe Mühe mit dem bulligen Stürmer. Erst legte Ache den Ball knapp am Pfosten vorbei (65.), dann bereitete er eine Chance von Sturmpartner Bülter mustergültig vor (68.). Mainz versuchte in der Folge mit aller Macht zumindest den einen Punkt festzuhalten, doch der Kölner Joker hatte etwas dagegen: Nach einer Ecke von Waldschmidt verlängerte Bülter, der ansonsten starke Danny da Costa köpfte an den eigenen Pfosten, von wo der Ball an Aches Kopf und dann ins Tor prallte – das erzwungene Quäntchen Glück!
Kessler: „Ich finde es sehr beeindruckend“
„Es ist schön, dass wir mit Ragnar heute jemand hatten, der so einen Impact auf das Spiel hatte“, freute sich Thomas Kessler mit dem Doppel-Torschützen. Der Sportdirektor weiter: „Er war wichtig als Ankerspieler und ich freue mich sehr, weil die Tore ihm guttun werden. Ich finde es sehr beeindruckend, wie er sich darein gebracht hat, dass er drei Spiele in einer Woche machen kann. Wenn er sich mit Toren belohnt, ist es umso schöner.“
Auch Kwasniok freute sich „extrem“ mit seinem Schützling, „weil er hier sehr viel arbeitet. Das geht in diesem Blitzlichtgewitter unter und es gibt nur die Momente, in denen sie treffen oder Kritik, wenn sie nicht treffen. Was er Woche für Woche abspult, hat ihn dazu gebracht, doppelt in der Bundesliga zu treffen.“
Ache von Fans gefeiert – Neue Friseur als Glücksbringer?
Ache selbst kam nach dem Schlusspfiff kaum noch aus dem Strahlen raus. Vor der Südkurve wurde der Stürmer mit Sprechchören gefeiert. „Es tut sehr, sehr gut“, war der Torschütze hinterher in den Katakomben erleichtert. Sein letzter und bis dato einziger Bundesliga-Treffer resultierte aus dem 4:1-Sieg über den Hamburger SV – gleichzeitig dem bis dato letzten Spiel, das der FC gewinnen konnte. „Das merkt man als Stürmer natürlich auch. Stürmer werden an Toren gemessen. Wenn man die nicht schießt, kommen gewisse Sachen in die Welt. Man zweifelt auch am eigenen Selbstvertrauen, wenn der Ball wie in Heidenheim nicht reingeht“, gab Ache außerdem zu.
Seit dem Bayern-Spiel ist der Angreifer mit seinen wasserstoffblonden Haaren auch ein echter Hingucker. „Ich hoffe, es liegt viel an der neuen Haarfarbe, dann kann ich jetzt so weitermachen“, lachte der 27-Jährige, blickte dann aber mit einer gewissen Ernsthaftigkeit voraus: „Jetzt wollen wir die nächsten Spiele auch gewinnen, denn auf den acht Punkten Vorsprung können wir uns nicht ausruhen.“ Mit einem selbstbewussten Ragnar Ache dürfte weitere Siege für den FC nochmal einen Ticken leichter werden.








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