René Wagner hat sein Debüt als Cheftrainer des 1. FC Köln mit einer Aufholjagd und einem Punktgewinn bei Eintracht Frankfurt erfolgreich absolviert. Nach der Partie war ihm die Erleichterung über den ersten Schritt zum Klassenerhalt anzusehen.
Aus Frankfurt berichtet Marc L. Merten
Es war ein kurioser Abend im Deutsche Bank Park nach dem 2:2 des 1. FC Köln bei Eintracht Frankfurt. René Wagner bestritt seine erste Pressekonferenz nach dem Spiel, doch wirklich antworten musste er nicht. Das übernahm sein Gegenpart. Eintracht-Trainer Albert Riera lieferte Comedy pur ab, antwortete auf Fragen ausschweifend, monologisierte minutenlang und ließ in Teilen erkennen, dass er von den Fragen der Journalisten nicht viel hielt.
Wagner, der selbst gut Englisch spricht, verfolgte die englischen Ausführungen seines Kollegen mit stoischer Ruhe. Wenn er selbst gefragt wurde, hielt er sich kurz und knapp, lächelte freundlich und war am Ende wohl einfach nur froh, dass der erste Spieltag für den 37-Jährigen als Cheftrainer beim FC gut zu Ende gegangen war. Zwar nicht mit einem Sieg, aber mit einem moralischen Sieg.
Wagner wollte „nicht zu viele Emotionen zeigen“
Das 2:2 nach 0:2 „sollte uns viel, viel Kraft geben“, sagte Wagner. Er lobte den Charakter seiner Spieler, sprach der Mannschaft „ein Riesenkompliment“ aus und zeigte sich über den Punktgewinn „sehr, sehr froh“. Wagner sprach von einer „Achterbahnfahrt – für mich, für die Truppe, für alle“. Und schließlich: „Es war für mich ein besonderer Tag.“ Einer, der die Grundlage für den Klassenerhalt sein soll.

Auf der Pressekonferenz wurde er schließlich für die Leistung seiner Mannschaft gelobt. Ein Frankfurter Reporter sagte in seiner Einleitung zu einer Frage, dass der FC nicht wie ein Absteiger gespielt habe. „Ich hoffe, dass Sie recht behalten“, sagte Wagner mit einem Lächeln. „Ich habe versucht, bei meiner Aufgabe zu bleiben. Ich tue der Mannschaft keinen Gefallen, draußen zu viele Emotionen zu zeigen. Ich bin generell niemand, der viele Emotionen zeigt. Ich habe dennoch versucht die Jungs vor dem Spiel zu packen und noch mal in der Halbzeit.“
Taktische Umstellung: Plan B war vorher besprochen
Ruhe statt Rufe, klärende Gespräche an der Seitenlinie statt hektisches Gestikulieren und Anweisen: Wagner verhielt sich in den 90 Minuten am Spielfeldrand meist unauffällig. Nur beim 2:2-Ausgleich durch Castro-Montes brach es aus ihm mit einem Jubelsprung heraus. Zuvor hatte er sich immer wieder einzelne Spieler zu sich geholt, in Spielunterbrechungen mit ihnen geredet, Anweisungen auf direktem Weg erteilt. Die Umstellung nach knapp 20 Minuten von Dreier- auf Viererkette war, wie Kapitän Marvin Schwäbe verriet, vorher bereits als Plan B abgesprochen. So wussten die Spieler, wie sie agieren mussten.
Dazu saßen seine Wechsel: Isak Johannesson spielte mehrere öffnende Pässe, Linton Maina hätte beinahe den Ausgleich durch Said El Mala vorbereitet, wenn Letzterer nicht an Zetterer gescheitert wäre. Und der Dreierwechsel in der 85. Minute führte nur eine Minute später zum Ausgleich, weil alle drei Spieler schließlich am Tor beteiligt waren und Alessio Castro-Montes das Comeback krönen konnten.
Kessler einer der ersten Gratulanten
Wagners Debüt blieb so mit einem Auswärtspunkt erfolgreich. Der Trainer, in schwarzer Trainingshose und schwarzem Hoodie unauffällig und sportlich gekleidet, hinterließ einen unaufgeregten und selbstsicheren Eindruck. Und einen erleichterten, als das Spiel schließlich vorbei war und die letzte Frankfurter Druckphase überstanden. Am Ende sah man ihn in der Coaching Zone hockend das Spiel beobachten. Als der Schlusspfiff ertönte, war Sportchef Thomas Kessler einer der ersten Gratulanten.
So geht der FC nun mit neuem Mut in die Woche vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen. Wie schon vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach war klar: Würde der FC einen Punkt in Frankfurt holen (wie zuvor in Hamburg), würden alle Hoffnungen auf einem folgenden Heimsieg liegen. Das ist auch jetzt wieder so. Gegen den direkten Konkurrenten soll der Dreier gelingen, der Wagner bei seinem Debüt verwehrt geblieben ist. Dann könnte der 37-Jährige noch deutlich länger Cheftrainer beim 1. FC Köln bleiben.








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!