Pfiffe zum Abschluss! FC versaut sich Rettungs- und Abschiedsparty

Frust bei Marius Bülter und dem 1. FC Köln. (Foto: IMAGO / Maximilian Koch)
Frust bei Marius Bülter und dem 1. FC Köln. (Foto: IMAGO / Maximilian Koch)

Das hatte sich der 1. FC Köln ganz anders vorgestellt. Die Mannschaft von René Wagner wollte sich mit einem Heimsieg von den Fans verabschieden, den Klassenerhalt sowie die Abschiede von Florian Kainz und Dominique Heintz feiern. Stattdessen setzte es eine 1:3 (1:2)-Niederlage gegen Schlusslicht Heidenheim und Pfiffe von den Rängen.

Aus dem RheinEnergieStadion berichten Sonja Gauer, Marc L. Merten und Martin Zenge

Schon lange, bevor der letzte Anpfiff der Saison in Müngersdorf ertönte, waren alle Zweifel über den Klassenerhalt des 1. FC Köln beseitigt. Dafür hatten am Samstag die Niederlagen von St. Pauli und Wolfsburg gesorgt (der GEISSBLOG berichtete). Die FC-Fans konnten das finale Heimspiel gegen Heidenheim am Sonntagabend folglich mit Partystimmung angehen – und sie feierten sich selbst.

Die Choreografie der Südkurve am Sonntag. (Foto: Bucco)
Die Choreografie der Südkurve am Sonntag. (Foto: Bucco)

Die Südkurve präsentierte in einer riesigen Choreografie allerhand Kuriositäten und Schlagzeilen aus der Vereinsgeschichte, die es so wohl nur beim FC geben kann – von den Häßler-Millionen über die Poldi-Ohrfeige bis zum CAS-Urteil. Die anschließende Leistung gegen Heidenheim allerdings war keinen Eintrag in die Vereinshistorie wert.

Tore und Highlights

8. Minute: Der FC ging mit viel Ballbesitz in die Partie, kassierte aber die kalte Dusche. Cenk Özkacar spielte aus dem eigenen Strafraum heraus einen schlimmen Fehlpass ins Nichts. Heidenheims Ibrahimovic schnappte sich den Ball, war für Isak Johannesson nicht zu stoppen und bediente Jan Schöppner, der im Zentrum zum 0:1 einköpfte – weil Özkacar zu weit weg war.

10. Minute: Die sofortige Antwort! Nach einem Steckpass von Tom Krauß gelang Marius Bülter wie schon in der Vorwoche ein Traumtor. Aus spitzem Winkel schaute Bülter noch mal nach oben, visierte dann aber keinen Mitspieler, sondern das kurze Eck an. Der Stürmer knallte den Ball zum 1:1 unter die Latte. Heidenheim-Keeper Feller hatte wohl eine Flanke erwartet.

28. Minute: Auch nach den beiden frühen Treffern blieb es ein munteres Spiel mit viel Ballkontrolle aufseiten der Kölner und Chancen an beiden Enden des Spielfelds. Defensiv wackelte der FC ein ums andere Mal – und das nutzten die ums sportliche Überleben kämpfenden Heidenheimer aus. Dinkci durfte ohne die ganz große Gegenwehr durch die Kölner Abwehr dribbeln. Isak Johannesson wollte klären, grätschte den Ball aber genau vor die Füße von Ibrahimovic, der den Abschluss suchte. Marvin Schwäbe war noch dran, dann bugsierte Kristoffer Lund den Ball zum 1:2 ins eigene Tor. Womöglich hat der Linksverteidiger Glück und die DFL wertet den Treffer für Ibrahimovic.

31. Minute: Wieder war die Chance zur schnellen Antwort da. Nach einer Hereingabe von Linton Maina verpasste Özkacar und Bülter – wohl vom türkischen Abwehrmann irritiert – bekam kurz vor der Torlinie keinen Abschluss hin. Vom Oberschenkel des Stürmers ging der Ball ins Aus.

41. Minute: Nachdem Said El Mala bei seinem ersten gefährlichen Abschluss des Tages geblockt worden war, musste sich Schwäbe strecken, um das 1:3 zu verhindern. Pieringer kam gegen Joel Schmied zum Abschluss und visierte das lange Eck an. Schwäbe machte sich lang und lenkte den Ball um den Pfosten. Zur Pause gab es für den FC dennoch zarte Pfiffe von den Rängen.

71. Minute: Standing Ovations in Müngersdorf! Die FC-Fans erhoben sich für Florian Kainz, der ein letztes Mal den Rasen des RheinEnergieStadions betrat. Die positiven Emotionen auf den Rängen hielten allerdings nicht lange an.

73. Minute: Der FC kontrollierte zwar weiterhin den Ball, die größeren Chancen hatten jedoch die Gäste. Und so war es keine Überraschung, als Schöppner den Doppelpack schnürte und auf 1:3 erhöhte. Schöppner initiierte den Treffer selbst, legte raus zu Dinkci und erhielt den Ball zurück, um Schwäbe zu tunneln. Nun wurden die Pfiffe von den Tribünen lauter. Das war viel zu wenig Gegenwehr.

81. Minute: Bülter und Alessio Castro-Montes hatten jeweils noch den Anschlusstreffer auf dem Kopf, doch nicht mal der wollte gelingen – passend zu diesem schwachen FC-Tag.

89. Minute: Dominique Heintz, dessen Vertrag nicht verlängert wird, bekam ebenfalls seine verdienten Standing Ovations. Das Spiel allerdings gab aus Kölner Sicht keinen Grund zur Freude mehr her.

90+6. Minute: Die Südkurve feierte zwar „Nie mehr 2. Liga“, doch vom Rest des Stadions gab es beim Abpfiff erneut unüberhörbare Pfiffe. Ein ernüchternder Abschluss in Müngersdorf.

Personal

So spielte der FC: Schwäbe – Sebulonsen, Schmied (71. Castro-Montes), Özkacar (89. Heintz), Lund (89. Niang) – Johannesson, Krauß (59. Waldschmidt) – Maina (71. Kainz), Kaminski, El Mala – Bülter

Zur Aufstellung: Drei Wechsel nahm René Wagner im Vergleich zum 2:2 bei Union Berlin vor. Joel Schmied, Isak Johannesson und Linton Maina rückten für Jahmai Simpson-Pusey, Eric Martel (Gelbsperre) und Luca Waldschmidt in die Startelf. Bemerkenswert: Simpson-Pusey wurde aus disziplinarischen Gründen komplett aus dem Kader gestrichen – der Engländer war am Morgen nicht pünktlich zum Anschwitzen erschienen (der GEISSBLOG berichtete).

Fazit

Auch wenn der Klassenerhalt schon feststand, wollte sich der 1. FC Köln gegen Heidenheim keinerlei Spannungsabfall leisten, wollte sich mit einem Heimsieg verabschieden – und dieses Vorhaben ging gründlich in die Hose. Es war kein gebührender Abschluss, sondern eine bedenkliche Leistung, die das Team von René Wagner zeigte. Das sorgt auch für weitere Fragezeichen um den Trainer, der eigentlich Thomas Kesslers Wunschlösung für die Zukunft ist. Eine knallharte Analyse ist unumgänglich.

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