Wagner in der Kritik: So kam es wirklich zum umstrittenen Dreifach-Wechsel

René Wagner zeigte im Training am Dienstag vollen Einsatz. (Foto: Bucco)
René Wagner zeigte im Training am Dienstag vollen Einsatz. (Foto: Bucco)

Durch den Dreifach-Wechsel gegen Union Berlin ist René Wagner als Trainer des 1. FC Köln erstmals in die Kritik geraten. Der 37-Jährige stellte sich hinterher vor seine Mannschaft, ohne dabei die wahren Gründe für seine Wechsel zu verraten.

Bis zur 72. Minute schien der Nachmittag am Samstag für den 1. FC Köln perfekt zu laufen. Der FC führte gegen Union Berlin mit 2:0, hatte die Partie weitgehend im Griff und steuerte dem sicheren Klassenerhalt auf direktem Wege entgehen. Dann jedoch griff René Wagner ein – und plötzlich kippte die Stimmung. 

Der Trainer wechselte seine komplette Offensive aus. Jakub Kaminski, Said El Mala und Marius Bülter verließen zeitgleich den Platz, für sie kamen Youssoupha Niang, Jan Thielmann und Linton Maina. Eine Maßnahme, die unmittelbar Folgen hatte. Nur wenige Augenblicke später fiel nach einer Ecke der Anschlusstreffer zum 1:2, bei dem ausgerechnet Niang Gegenspieler Tom Rothe nicht entscheidend am Kopfball hindern konnte. In der Schlussphase kassierte der FC dann auch noch den Ausgleich – diesmal ließ Thielmann Torschütze Livan Burcu zu viel Raum.

Wagner-Erklärung nur die halbe Wahrheit

Die Reaktionen folgten prompt. Wagner geriet erstmals seit seiner Amtsübernahme öffentlich stärker in die Kritik. Viele sahen in dem Dreifach-Wechsel den Wendepunkt der Partie. Der Trainer selbst erklärte die Maßnahme nach dem Spiel taktisch: „Wir fanden, dass wir in dieser Phase den Druck gegen den Ball verloren haben und wollten mit drei neuen Spielern mehr Energie bringen“, sagte Wagner. Und weiter: „Wir wollten der Mannschaft auch das Zeichen geben, dass wir weiter dranbleiben wollen.“

Said El Mala trainierte am Dienstag mit Tape am Oberschenkel. (Foto: Bucco)

Das war allerdings maximal die halbe Wahrheit an der Geschichte. Die tatsächlichen Hintergründe sprach der Coach derweil bewusst nicht an. Denn intern war die personelle Situation deutlich komplizierter. Kaminski, der normalerweise ohne Probleme 90 Minuten jeden intensiven Lauf gehen kann, hatte bereits früh über Atemprobleme geklagt und schon nach einer Stunde signalisiert, dass es nicht mehr weitergeht. El Mala kämpfte mit Krämpfen und trainierte selbst am Dienstag noch mit Tape an der Oberschenkelrückseite. Auch Bülter war körperlich am Limit – der Offensivspieler hat seit Januar keine Partie mehr über die volle Distanz bestritten.

Trainer stellt sich selbst in den Mittelpunkt der Kritik

Wagner entschied sich trotzdem dagegen, diese Umstände öffentlich anzusprechen. Vor allem, um seine Spieler zu schützen und keine Schwäche offen zu legen. Genau das wurde ihm im Nachgang jedoch zum Problem. Schließlich entstand so der Eindruck, der Trainer habe ohne Not funktionierende Abläufe verändert und damit selbst entscheidend zum Punktverlust beigetragen.

Die eigentliche Fehlentscheidung lag deshalb weniger im Dreifach-Wechsel selbst, sondern vielmehr in der Kommunikation danach. Wagner wollte seine Mannschaft schützen – und stellte sich damit letztlich selbst in den Mittelpunkt der Kritik. Eine unglückliche Entscheidung des Trainers, die ihn intern jedoch keinen Kredit gekostet hat. Die Verantwortlichen sehen in Wagner auch für die kommende Saison den richtigen Mann, um den nächsten Schritt des Umbruchs voranzutreiben. Ein Verbleib als Cheftrainer über den Sommer hinaus gilt inzwischen als wahrscheinlich (der GEISSBLOG berichtete).

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