FC-Boss über El-Mala-Zukunft: „Die Leute glauben es mir nicht“

Vizepräsident Ulf Sobek im Gespräch mit Sportchef Thomas Kessler. (Foto: Bucco)
Vizepräsident Ulf Sobek im Gespräch mit Sportchef Thomas Kessler. (Foto: Bucco)

Im zweiten Teil des großen GEISSBLOG-Interviews spricht Vizepräsident Ulf Sobek über zwei Themen, die beim 1. FC Köln aktuell omnipräsent sind: den Poker um Said El Mala und die Verpflichtung internationaler Top-Talente. Zudem verrät Sobek seine Vision für die FC-Frauen.

Das Interview führten Marc L. Merten und Martin Zenge

GEISSBLOG: Der 1. FC Köln hat großen Erfolg im Nachwuchs. Der Übergang zu den Profis wird aber immer schwerer. Wie will der FC es schaffen, weiterhin viele Talente oben anzubringen?

ULF SOBEK: „Ein wichtiger Faktor für die perspektivische Nachwuchsförderung sind unsere Partnervereine. Wir haben bald fünf Partnervereine, um regional eine starke Bindung an die Basis zu haben, damit die Top-Talente nicht auf die andere Rheinseite wechseln, sondern zu uns. Wir wollen der erste Ansprechpartner für diese Jungs sein. Dazu senden wir unsere Trainer in die Vereine, um die Ausbildung schon früh auf hohem Niveau zu ermöglichen und die Jungs trotzdem in ihrem vertrauten Umfeld mit ihren Kumpels kicken zu lassen. So fördern wir deutlich mehr Spieler als nur eine verhältnismäßig kleine Gruppe am Geißbockheim. Zusätzlich befördern und entwickeln wir noch konsequenter unsere eigenen Trainer.“

Sie meinen Evangelos Sbonias, Manuel Hartmann, Benedikt Hammans und Carsten Cullmann, die jeweils befördert wurden.

„Genau. Wir wollen Trainer haben, die den FC besser verstehen, weil sie schon lange dabei sind. Sie kennen die Talente am besten, und wenn wir wollen, dass die Spieler wachsen, dann wachsen die Trainer gleich mit – und umgekehrt. Dass nicht jeder Spieler sofort den direkten Weg nimmt, ist klar. Auch dann müssen wir sie bestmöglich betreuen, um für sie beispielsweise die optimale Leihstation zu finden, wo sie sich sportlich und menschlich weiterentwickeln können. Es geht immer um Perspektive und um Identität – für die Spieler genauso wie für die Trainer.“

Sobek: „Wir schlagen ständig Angebote aus“

Geld ist schon im Nachwuchs ein ganz wichtiger Faktor. Die Talente werden immer früher immer teurer. Man erinnere sich nur an die Cannizzaro-Brüder, die inzwischen in Leverkusen spielen. Wie will der FC in diesem Wettbieten mithalten?

„Geholfen hat ganz aktuell das Youth-League-Spiel gegen Inter Mailand vor 50.000 Zuschauern. Wir merken, dass dieses Spiel eine sehr große Strahlkraft hatte. Dazu kommt die Entwicklung von Said El Mala, die international wahrgenommen wird. Es wird gesehen, dass wir hier eine Plattform für hochtalentierte Spieler bieten. Hier wird vielleicht ein Euro weniger verdient, dafür aber besteht eine höhere Chance auf Spielzeit als anderswo. Und am Ende lassen sich viele Spieler begeistern von der Atmosphäre des 1. FC Köln. Was das bewirkt, hat man bei Jahmai Simpson-Pusey gesehen. Jetzt ist mit Reigan Heskey ein weiteres Talent dazugekommen, bei dem auch andere Clubs angeklopft haben. Jetzt muss es unser Anspruch sein, diese Entwicklung in der Bundesliga auch in der Tabelle ablesbar zu machen.“

Wie darf man sich die Gespräche mit solchen Top-Talenten vorstellen?

„Da haben Thomas Kessler und Tim Steidten das richtige Gespür zu vermitteln, was der FC für eine Chance sein kann. Es ist dann auch nicht in jedem Gespräch mit jedem Verein so, dass auch mal der Vizepräsident mit dazu kommt. Und am Ende ist es nicht so, dass wir Heskey bekommen haben, weil wir ihm das meiste Geld gezahlt haben. Wir mussten ihn anders überzeugen, und ich glaube, dass wir mit ihm genau den Richtigen geholt haben.“

Die Leute glauben es mir nicht, wenn ich über Said spreche, aber wir haben mit ihm einen absoluten Top-Spieler, der sich überragend einbringt. Deshalb freue ich mich, wenn er nächste Saison für uns spielt.

Ulf Sobek

Ist Heskey schon der Nachfolger für Said El Mala?

„Ich glaube nicht, dass wir einen Nachfolger für Said brauchen. Ich hoffe eher, dass wir es schaffen, Said und Reigan gemeinsam mit ihren Stärken auf den Rasen zu bekommen. Die Leute glauben es mir nicht, wenn ich über Said spreche, aber wir haben mit ihm einen absoluten Top-Spieler, der sich überragend einbringt. Deshalb freue ich mich, wenn er nächste Saison für uns spielt.“

Zurück zum Finanziellen: Wie stellt sich der FC den immer weiter steigenden Ablösesummen und Gehältern?

„Wir können noch besser auf anderen Märkten werden, müssen Spieler entweder früher entdecken oder Spieler wieder aufrichten, wie es uns mit Jakub Kaminski gelungen ist. Wenn wir solche Transfers tätigen, haben wir danach mehr Spielräume, um auch in anderen Verhandlungen mutiger zu werden. Wir wollen und müssen stetig gesund wachsen, nichts anderes dürfen wir tun. Wir werden den FC nie finanziell gefährden. Aber auch dafür brauchen wir mutige Entscheidungen. Dazu gehört, Spieler wie Kuba auch mal gehen zu lassen, um wieder investieren zu können.“

Kann sich der FC leisten, auch mal Angebote auszuschlagen? Ist der FC schon wieder in der Position?

„Wir schlagen ständig Angebote aus. Wir sind wirklich gesund und müssen nichts machen. Das kann ich aus voller Überzeugung sagen, und das ist eine sehr gute Botschaft für den FC.“

1. FC Köln soll Nummer vier im Frauenfußball werden

Blicken wir auf eine andere Abteilung, die Sie auch sehr intensiv verfolgen und bei vielen Spielen vor Ort sind: Die FC-Frauen haben ihre beste Saison gespielt und nach vielen misslungenen Umbrüchen nun die Kurve bekommen. Was will der FC mit seiner Frauen-Mannschaft erreichen?

„Wir wollen weiter besser werden. Wir haben einen Punkterekord in der Bundesliga aufgestellt, weil das Team von Britta Carlson super Arbeit leistet. Diese Leistung wollen wir bestätigen und noch eins draufsetzen. Wir haben die strategische Entscheidung getroffen, dass unsere U20 die finanziellen Mittel erhält, um in der 2. Bundesliga bestehen zu können. Wir haben personell aufgestockt, neue Mannschaften im Nachwuchs geschaffen und nun alle Jahrgänge besetzt. Der FC soll als erfolgreicher Standort im Frauenfußball wahrgenommen werden.“

Das heißt?

„Die großen Drei sind klar: Bayern, Wolfsburg und Frankfurt. Aber ich finde, dahinter sollte sehr bald der 1. FC Köln kommen.“

Schreibt die Abteilung schon eine schwarze Null?

„Durch den Aufstieg der zweiten Mannschaft in die 2. Bundesliga sind auch die Kosten gestiegen und wir versuchen gerade, diesen Mehraufwand durch Partner auszugleichen. Natürlich ist der Wunsch, dass sich die Abteilung selbst trägt, da sind wir aber noch nicht.“

Ich bin überzeugt, dass die Frauen-Bundesliga für den 1. FC Köln auch wirtschaftlich noch wichtiger wird.

Ulf Sobek

Und perspektivisch soll sie Gewinn einbringen?

„Auf jeden Fall. Wenn wir sportlich erfolgreich sind, bin ich davon überzeugt, dass die Frauen-Bundesliga für den 1. FC Köln auch wirtschaftlich noch wichtiger werden wird. Wenn man nach England blickt, sieht man schon, was möglich ist. Da werden schon sechs- und siebenstellige Ablösesummen gezahlt. Das zeigt, wohin die Entwicklung gehen wird. Und da wollen wir in Deutschland ein Vorreiter sein.“

Beim FC wird noch gar nicht über Ablösen bei den Frauen gesprochen. Was zahlt der FC bislang für neue Spielerinnen?

„Ablösen sind bislang Ausnahmen. Auch weil viele Verträge im Frauenfußball noch kurz gestaltet sind. Deswegen hat der FC bislang nur vereinzelt und im Markt angemessene Ablösesummen gezahlt.“

Im ersten Teil des Interviews sprach FC-Vizepräsident Ulf Sobek unter anderem über den Stand der Vorbereitung, Trainer René Wagner und die Kaderplanung.

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