Nach Königstransfer: Greift der FC oben an? „Die großen Drei sind klar, aber…“

Kathy Hendrich bei ihrem FC-Debüt. (Foto: IMAGO / Panama Pictures)
Kathy Hendrich bei ihrem FC-Debüt. (Foto: IMAGO / Panama Pictures)

Mit Kathy Hendrich hat der 1. FC Köln den Königstransfer gelandet: Erstmals in der Vereinsgeschichte holt sich der FC eine aktuelle deutsche A-Nationalspielerin. Der Wechsel steht symbolisch für einen neuen Kurs. Doch wie weit reicht das wirklich?

Die Frauen des 1. FC Köln haben sich in diesem Sommer so ambitioniert auf dem Transfermarkt gezeigt wie womöglich noch nie. Erstmals in der Vereinsgeschichte holte sich der Club eine aktuelle deutsche A-Nationalspielerin – ein Wechsel, der für einen neuen Weg steht: Die Spitze der Liga soll geärgert werden.

Die großen Drei – die Bayern, Wolfsburg und Frankfurt – bleiben zunächst noch außer Reichweite, doch dahinter will der FC künftig mitmischen und an die Rekordsaison 2025/26 anknüpfen. Mit prominenten Neuzugängen, internationalen Transfers und klarer Strategie: Der Kurs ist gesetzt.

Königstransfer mit klarer Botschaft

Das lauteste Signal setzt der FC mit einem Namen: Kathy Hendrich. Champions-League-Titel, Deutsche Meisterschaft, vier DFB-Pokalsiege – die Liste ihrer Erfolge ist lang. Nach Stationen bei Leverkusen, Frankfurt, Bayern, Wolfsburg und zuletzt Chicago unterschrieb Hendrich in Köln bis 2028. In der offiziellen FC-Pressemitteilung zum Transfer brachte es Nicole Bender-Rummler auf den Punkt: „Ihre sportlichen Qualitäten sind unbestritten und mit ihrer großen Erfahrung wird sie unserer Mannschaft auf und neben dem Platz enorm weiterhelfen.“

Auch Trainerin Britta Carlson ist von dem Neuzugang überzeugt. „Kathy ist nicht nur spielerisch eine tolle Persönlichkeit, sondern auch ein unfassbar guter Mensch, der seit Jahren auf Topniveau spielt und der Mannschaft nochmal guttut.“ Die FC-Trainerin kennt die 34-Jährige noch aus DFB-Zeiten. Ganz geschenkt wird Hendrich der Stammplatz zwar nicht: „Sie muss sich natürlich auch hier in der Truppe erstmal beweisen, hat nicht ganz so viel Zeit wie alle anderen.“ Dennoch machte Carlson keinen Hehl daraus, dass Hendrich „die Verstärkung ist, die wir jetzt brauchen“.

„Die großen Drei sind klar: Bayern, Wolfsburg und Frankfurt. Aber ich finde, dahinter sollte sehr bald der 1. FC Köln kommen.“

Ulf Sobek, Vizepräsident

Maschroute von ganz oben

Hendrich ist dabei nicht die einzige Routinierin im Kader. Besonders in der letzten Kette setzt der FC auf Erfahrung: Auch Torhüterin Lisa Schmitz (34) bringt als ehemalige Nationalspielerin viel internationale Erfahrung mit, unter anderem von Wolfsburg, Leverkusen und Potsdam. Und mit Kapitänin Marina Hegering (36) steht eine weitere Ex-Nationalspielerin und gestandene Verteidigerin im Kader, die 2025 vom Rekordmeister VfL Wolfsburg nach Köln wechselte. Bis 2024 stand sie im DFB-Kader, zuvor spielte sie unter anderem für Bayern, Essen und Leverkusen. Hendrich, Schmitz und Hegering sollen das erfahrene Rückgrat einer Abwehrkette bilden.

Wie groß dieser Anspruch ist, macht Vizepräsident Ulf Sobek im GEISSBLOG-Interview deutlich: „Wir wollen weiter besser werden. Wir haben einen Punkterekord in der Bundesliga aufgestellt, weil das Team von Britta Carlson super Arbeit leistet. Diese Leistung wollen wir bestätigen und noch eins draufsetzen.“ Das Ziel formuliert er unmissverständlich: „Der FC soll als erfolgreicher Standort im Frauenfußball wahrgenommen werden.“ Und auch bei der Einordnung der Konkurrenz bleibt Sobek klar: „Die großen Drei sind klar: Bayern, Wolfsburg und Frankfurt. Aber ich finde, dahinter sollte sehr bald der 1. FC Köln kommen.“

Nachwuchs bleibt im Fokus

Dass dieser Anspruch nicht nur auf dem Papier steht, zeigt sich im Nachwuchsbereich. Die U20 ist aufgestiegen und spielt künftig in der 2. Frauen-Bundesliga statt in der Regionalliga – ein Detail, das zeigt, wie ernst es der Club mit dem Aufbau der eigenen Zukunft meint. „Wir haben die strategische Entscheidung getroffen, dass unsere U20 die finanziellen Mittel erhält, um in der 2. Bundesliga bestehen zu können. Wir haben personell aufgestockt, neue Mannschaften im Nachwuchs geschaffen und nun alle Jahrgänge besetzt“, sagte Sobek weiter. Genau dieser Aufbau spiegelt sich auch im Kader der ersten Mannschaft wider – zwischen erfahrenen Nationalspielerinnen wie Hendrich und jungen U-Nationalspielerinnen, die schrittweise herangeführt werden sollen.

Zu diesen jungen U-Nationalspielerinnen zählen etwa Sophie Nachtigall, die als deutsche U23-Nationalspielerin vom SC Freiburg kam und in Köln direkt eine feste Größe der ersten Mannschaft werden soll. Auch die erst 17-jährige Alina Kerschbaumer, Österreichs U19-Nationalspielerin, die vom First Vienna FC 1894 wechselte, zählt dazu, auch sie soll behutsam an die Bundesliga herangeführt werden soll. Beide stehen exemplarisch für die Philosophie des FC.

Erste Standort-Bestimmung schon am 1. Spieltag

Dass der FC oben angreifen will, zeigt sich auch am internationalen Zuschnitt des Kaders. Neben Kerschbaumer aus Österreich stehen mit Sædís Rún Heiðarsdóttir (isländische A-Nationalspielerin), Weronika Zawistowska (polnische A-Nationalspielerin), Elise Stenevik (kam vom FC Everton, durchlief mehrere norwegische Nachwuchsnationalmannschaften von der U17 bis zur U23) und Lydia Andrade (Schweiz) weitere Nationalspielerinnen aus dem Ausland im Kader. Für eine Liga, die international immer stärker besetzt ist, ist dieser Baustein eine Voraussetzung, um in der Frauen-Bundesliga oben mitzuhalten.

Die großen Drei sind in der Liga klar gesetzt: Der FC Bayern wurde in der Saison 2025/26 mit 74 Punkten deutlich Meister, dahinter folgten Wolfsburg (58) und Eintracht Frankfurt (51). Diese Übermacht wird sich auch in der neuen Saison nicht von heute auf morgen brechen lassen. Doch der Anspruch des FC hat sich erhöht und liegt nun bei Hoffenheim, Leverkusen und Bremen, die in der Vorsaison vor dem FC gelandet waren. Genau mit dieser Konkurrenz, ergänzt um Teams wie Freiburg, will sich der FC künftig messen oder an ihnen vorbeiziehen. Ob eine Nationalspielerin wie Hendrich in der Abwehr dabei den Unterschied macht, wird schon der Bundesliga-Auftakt zeigen. Gegen einen der „großen Drei“, am 22. August bei Eintracht Frankfurt.

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