Der FC beim DFB: Vier verpasste Chancen und ein Versprechen

Yann Aurel Bisseck feierte im Frühjahr 2025 sein Debüt bei der A-Nationalmannschaft. (Foto: IMAGO / RHR-Foto)
Yann Aurel Bisseck feierte im Frühjahr 2025 sein Debüt bei der A-Nationalmannschaft. (Foto: IMAGO / RHR-Foto)

Bundestrainer Jürgen Klopp hat einen aktuellen und vier ehemalige Spieler des 1. FC Köln in seinen ersten DFB-Kader berufen. Die einzelnen Fälle zeigen, was der FC künftig besser machen muss – und was er schon gelernt hat.

Für viele Fans ist die Personalie Yann Bisseck ein Paradebeispiel für das jahrelange Scheitern des 1. FC Köln im Umgang mit seinen Eigengewächsen. Der Innenverteidiger ist heute 50 Millionen Euro wert, gehört bei Inter Mailand zum Stammpersonal und bekommt nun in der deutschen Nationalmannschaft unter Jürgen Klopp endlich seine Chance sich zu beweisen.

Der mittlerweile 25-Jährige ist bis heute der jüngste Bundesliga-Spieler in der FC-Geschichte. Er wurde anschließend über Holstein Kiel, Roda Kerkrade und Vitoria Guimaraes immer weiterverliehen, wegen seiner in frühen Jahren schwierigen Verletzungshistorie konnte er sich aber nirgendwo richtig durchsetzen. Bis er bei Aarhus GF landete – zunächst auf Leihbasis, aber mit einer Kaufoption.

Hätte Bisseck zurückkehren können?

Dort startete Bisseck ab Sommer 2021 durch, blieb verletzungsfrei, gehörte zum Stammpersonal und bestritt 33 Pflichtspiele so erfolgreich, dass Aarhus zunächst die Kaufoption in Höhe von 700.000 Euro zog und Eintracht Frankfurt im Sommer 2022 anklopfte. Dies war laut Kölner Stadt-Anzeiger der Moment, in dem der FC hätte noch einmal zuschlagen und Bisseck zurückholen können.

Dank eines Matching Right hätte Köln auf das Frankfurter Angebot reagieren und das Eigengewächs für 1,2 Mio. Euro wieder in die Domstadt holen können. Bekanntlich verzichtete Ex-Sportchef Christian Keller darauf, nahm ein Jahr später die Beteiligung am Sieben-Millionen-Verkauf zu Inter Mailand mit und Bisseck war endgültig vom FC-Radar verschwunden.

Leihen als logischer Weg für Talente

Nun taucht er zusammen mit weiteren Ex-Talenten des 1. FC Köln wieder auf dem Kölner Radar auf – allerdings nur, weil Jürgen Klopp ihn unter anderem zusammen mit Florian Wirtz, Jonas Urbig und Chris Führich nominiert hat. Das Quartett ist ein Beispiel verpasster Chancen am Geißbockheim und ein Symbol, wie schlecht über viele Jahre der Übergang zwischen Nachwuchs und Profis betreut worden war.

Immerhin: Inzwischen hat der FC aus seinen Fehlern gelernt und geht anders mit den Eigengewächsen um. Die Talente werden nicht mehr leichtfertig hergeschenkt, sondern – sofern sie den direkten Sprung nicht schaffen – verliehen in der Hoffnung, dass sie an einem anderen Ort den Durchbruch schaffen und gestärkt zum FC zurückkehren können. So zuletzt auch wieder geschehen bei Jaka Cuber Potocnik, Fynn Schenten, Youssoupha Niang, Elias Baktukanda, Julian Pauli, Yannick Mausehund und Patrik Kristal.

El Mala mit dem perfekten Weg beim FC

Nicht immer lässt sich bei diesen Leihgeschäften eine Kaufoption verhindern. Wie der FC selbst – Mikey Moore als Ausnahme –, bestehen auch andere Clubs für die Weiterbildung und Spielpraxis eines Talents auf der Chance, an dem Spieler mitzuverdienen. Entweder über einen Kauf und Weiterverkauf oder zumindest über einen Kauf in dem Wissen, dass der eigentliche Club per Rückkaufoption den Spieler doch wieder zu sich holen kann.

Oder es läuft wie bei Said El Mala, Nationalspieler nach Ausbildung bei Viktoria Köln und Durchbruch in der vergangenen Saison beim FC. Die Vertragsverlängerung ohne Ausstiegsklausel war aus Kölner Sicht ein Coup, und sollte der 20-Jährige sich nicht von seinem Weg abbringen lassen oder durch äußere Umstände davon abgebracht werden, kann der FC mit dieser Vertragsgestaltung nur gewinnen.

Castrop verpasst Derby

In jedem Fall hat der FC sich verändert, den Umgang mit Talenten angepasst. Bei der WM 2026 hat man auch ein anderes Talent gesehen, bei dem alles schief gelaufen war. Jens Castrop, inzwischen bei Borussia Mönchengladbach, spielt inzwischen für Südkorea. Gut für die Geißböcke: Das Derby am 11. Oktober wird der Doppel-Torschütze des letzten Aufeinandertreffens in Müngersdorf nach einer Verletzung verpassen.

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