Drei Trainer-Entlassungen in einer Woche, doch beim 1. FC Köln hat man die Talsohle erfolgreich durchschritten. Nun winkt der Lohn, dass die Verantwortlichen im Herbst 2024 die richtigen Entscheidungen getroffen haben.
André Breitenreiter bei Hannover 96, Markus Anfang beim 1. FC Kaiserslautern, Kees van Wonderen beim FC Schalke 04: In der zurückliegenden Woche hat es in der 2. Bundesliga auf den Trainerstühlen der Traditionsclubs ordentlich gescheppert. Wenn der 1. FC Köln in Sonntag nach Hannover antritt, können sich die Geißböcke davon selbst überzeugen.
Auch in Köln saß Gerhard Struber in der Hinrunde zwischenzeitlich nicht mehr sicher im Sattel. Doch der Österreicher traf mit dem Rücken zur Wand die richtigen Entscheidungen und wird nun womöglich mit dem Aufstieg in die Bundesliga belohnt. Sollte Struber es mit dem FC durchziehen, winkt schon bald wieder die Erstklassigkeit.
Struber kritisiert kurze Zündschnur
Breitenreiter war erst im Januar für Stefan Leitl gekommen, der später Hertha BSC übernehmen sollte. Doch weil Hannover den Kurs in Richtung Bundesliga aus den Augen verlor, musste der neue Trainer nach nur vier Monaten wieder gehen. „Es ist scheinbar viel Emotion drin gerade“, sagte Struber am Freitag mit Blick auf das Trainerkarussell. „Natürlich bekommt man das mit als Trainer, mir tut es für meine Kollegen leid. Aber das ist auch unser Business.“
Struber mangelt es, wie vielen seiner Kollegen, manchmal „an einer gewissen Nachvollziehbarkeit“. Vielmehr würde „eine gewisse Nervosität herrschen“ – und mitunter auch sehr kurzfristig zu Entscheidungen führen. „Möglicherweise zieht man deswegen schneller die Reißlinie.“ Gut findet der Österreicher das nicht. Doch er weiß: In Köln hätte es ihn selbst unter ähnlichen Bedingungen erwischen können.
Kessler gesteht: Auch beim FC war es schwierig
Struber und der FC sind das beste Beispiel, dass im Fußball vor allem eines zählt: das Ergebnis. Die Geißböcke spielen keinen schönen Fußball, aber sie fahren die nötigen Punkte ein. Zu Saisonbeginn hatte noch alles viel attraktiver ausgesehen. Doch die Attraktivität gepaart mit den falschen Resultaten hätte den 48-Jährigen schnell wieder arbeitslos machen können. So zog beim FC eine Pragmatik ein, die an die Tabellenspitze führte.
Das weiß auch Thomas Kessler. „Grundsätzlich, das haben wir auch schon oft betont, ist es an Standorten mit vielen Fans und einer großen Medienlandschaft nicht immer einfach, in der 2. Liga zu bestehen“, sagte der Lizenzspieler-Leiter am Freitag. „Du hast immer wieder solche Phasen, durch die du gehen musst. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir jetzt auf der Zielgeraden da stehen, wo wir stehen. Dafür ist im Innenverhältnis eine gute Kommunikation notwendig.“
…auch in einer Phase, wo es bei uns absolut nicht gut lief und die Ergebnisse ausgeblieben sind
Thomas Kessler
Beim FC lobte man sich in den vergangenen Monaten immer wieder dafür. Was in der Kommunikation nach außen nicht immer glücklich wirkte, schien im innersten Kreis der sportlichen Leitung zwischen Sportchef Christian Keller, Lizenzspieler-Leiter Kessler und Cheftrainer Struber zu funktionieren. „Ich kann nicht beurteilen, wie es in den anderen Clubs aussieht, aber ich kann beurteilen, dass ein Aufstieg an so einem Standort wie Köln nicht immer einfacher ist als an einem Überraschungsstandort wie Elversberg.“
Kessler machte deutlich: „Uns war das klar, deswegen waren wir immer in einer sehr engen Kommunikation – auch in einer Phase, wo es bei uns absolut nicht gut lief und die Ergebnisse ausgeblieben sind. Das war ein Schlüssel dafür, dass wir heute dastehen, wo wir stehen.“ Nun wollen alle Beteiligten diesen Weg erfolgreich zu Ende bringen. Während an anderen Traditionsstandorten die Nerven blank liegen, will man beim FC ruhig bleiben. Das war nicht immer so – doch es könnte am Ende mit dem Aufstieg belohnt werden.








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