Kessler beendet System-Frage bei den Profis: „Sollten nicht dogmatisch sein“

Thomas Kessler hat sich zur Systemfrage geäußert. (Foto: Bucco)
Thomas Kessler hat sich zur Systemfrage geäußert. (Foto: Bucco)

Lukas Kwasniok wird beim 1. FC Köln in der Wahl seiner präferierten Grundordnung freie Wahl bekommen. Nachdem die Dreierkette in der abgelaufenen Saison zu vielen Diskussionen rund um die Spielidee geführt hat, hat Sportdirektor Thomas Kessler nun klare Worte gefunden.

Es war eines der großen Themen beim 1. FC Köln im vergangenen Herbst. Nach einem zwar offensiv ansprechenden ersten Saisondrittel, das jedoch stark zu Lasten der eigenen Defensive gegangen war, stellte Ex-FC-Trainer Gerhard Struber seine Grundordnung auf eine Dreierkette um. Eigentlich, so nahm man an, war dies ein Verstoß gegen die implementierte Spielidee respektive die Grundvorgabe vom damaligen Sportchef Christian Keller, dessen eigene favorisierte Formation ein 4-2-2-2 ist.

In der Folge beteuerte man am Geißbockheim jedoch, dass die Viererkette lediglich im Nachwuchs vorgeschrieben und teilweise sogar in den Verträgen der Jugend-Trainer verankert sei. Bei den Profis hingegen hätte der Cheftrainer bei seiner Wahl des Systems freie Hand – sofern er weiterhin auf die Grundprinzipien der Spielidee setzen würde.

Struber verstieß gegen System-Vorgabe

Nach GEISSBLOG-Informationen hatte Gerhard Struber mit seiner Umstellung auf die Dreierkette nach den beiden Niederlagen gegen Darmstadt (1:5) und den SC Paderborn (1:2) aber sehr wohl gegen die interne Vorgabe verstoßen. Bestätigen wollte dies damals jedoch niemand, da man sich ansonsten wohl von Struber hätte trennen müssen. Dabei hatte dieser mit seiner eigenmächtigen Entscheidung allerdings gerade die sportliche Wende eingeleitet.

Inzwischen ist man beim 1. FC Köln von der System-Richtlinie ohnehin abgerückt – wohl auch in dem Wissen, dass der neue Trainer Lukas Kwasniok am liebsten mit Dreierkette agieren lässt. „Wir haben da sehr offen drüber gesprochen und wollen variabel agieren“, erklärte Sportdirektor Thomas Kessler unter der Woche. Dabei ließ der ehemalige Torhüter durchblicken, dass es sicherlich Spiele geben werde, „bei denen wir mal mit Dreierkette agieren werden.“

Spielidee vor allem eine „Ausbildungsidee“

Gerade auf dieser Grundlage planen die Geißböcke aktuell ihren Kader und „haben viele Dinge schon vorbereitet“, wie Kessler bestätigte. Eine Absage eines flexibel auf mehreren Positionen und in mehreren System einsetzbaren Spieler haben sich die Kölner dabei mit Robin Fellhauer (geht zum FC Augsburg) schon eingeholt. „Wir sitzen jetzt zusammen und schauen uns jede einzelne Position an“, beschrieb Kessler den Kaderplanungs-Prozess. Dies sei jedoch keine Frage des Systems.

Kwasniok selbst wollte sich im Vorfeld ebenfalls nicht auf ein starres System festlegen. Dabei machte Kessler klar, dass die insbesondere von Keller implementierte Spielidee zukünftig insbesondere in der Formation überwiegend für den Nachwuchs Anwendung finden soll. „Es gibt Leitplanken in der Spielidee und in der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen. In erster Linie ist es aber auch eine Ausbildungsidee, was wir in den letzten Jahren auf die Bahn gebracht haben“, sagte Kessler.

Formation auch von anderen Faktoren abhängig

Dabei gehe es vor allem um die Idee, wie die Talente ausgebildet werden sollen, um sie bestmöglich an den Profifußball heranzuführen. „Bei den Profis“, so Kessler weiter, „sollten wir nicht so dogmatisch sein, uns auf eine Formation festzulegen.“ Insbesondere als Aufsteiger sei eine hohe Flexibilität gefragt, zumal der FC in zahlreichen Spielen als Außenseiter in die Partien gehen würde. „Da muss der Trainer die Flexibilität haben, darauf zu reagieren.“

Dabei sei die Formation immer auch abhängig von der Form der Spieler und den Trainingsleistungen unter der Woche. Entsprechend plant der Sportdirektor gemeinsam mit Lukas Kwasniok, der Scoutingabteilung sowie dem Technischen Direktor Lukas Berg den Kader. „Wir wollen ihn so aufstellen, dass wir variabel agieren können“, schloss Kessler ab.

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