Die CDU der Stadt Köln hat auf dem Rücken des 1. FC Köln einmal mehr einen Wortbruch versucht und sich dabei den eigenen (Wende-)Hals gebrochen. Auch der FC kommt nicht ohne Schrammen davon. Nur die Fans zeigten, wie viel Kraft in der Stimme liegt.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Es war ein echtes Schauspiel am Donnerstag vor dem Rathaus zu Köln. Sven-Georg Adenauer stand im Kreise der Fans des 1. FC Köln und musste gegen die eigene Partei protestieren. Gegen die Partei seines Großvaters, des großen Konrad Adenauer. Schließlich will Sven-Georg Adenauer FC-Präsident werden. So musste er am Donnerstag mitansehen, was aus seiner Partei, aus der Partei seines großen Vorfahren, geworden ist: ein Haufen wortbrüchiger Wendehälse.
Den Grünen und Volt konnte man am Donnerstag nichts vorwerfen. Die beiden Regierungsparteien blieben sich einfach nur treu und folgten ihrem Kurs der vergangenen Jahre. Und dieser sah vor: pro Gleueler Wiese, pro Naturschutz, contra Fußballplätze, contra Kölner Sport und damit contra FC. Dass jedoch Adenauers CDU dem Antrag der beiden Mit-Regierungsparteien zunächst folgte und zuließ, dass dieser in der Ratssitzung überhaupt zur Wahl gestellt wurde, war abenteuerlich. Genauso abenteuerlich wie die Rolle rückwärts der Union am nächsten Tag.
Wie häufig will sich die CDU noch erklären?
Die CDU hat offenbar nichts gelernt aus dem Wortbruch von 2020, als man den eigenen Machtdurst über die eigenen Prinzipien und sich dabei auch gegen den 1. FC Köln gestellt hatte – entgegen allem, was man zuvor im Wahlkampf versprochen hatte. Nun erneut, und da machte es auch keinen Unterschied, dass man doch noch zurückruderte. Wie häufig wollen sich Fraktionschef Bernd Petelkau und seine Gefolgsleute eigentlich noch in der Öffentlichkeit hinstellen, um ihre Wendehals-Politik zu verteidigen?
Eines jedenfalls wissen die Wähler in Köln nun: Wer es mit dem FC hält und den Geißböcken eine Lösung im Streit um den Geißbockheim-Ausbau wünscht, der braucht nicht auf die CDU zu vertrauen. Aktuell sind Versprechen der Parteiführung nicht die Baumwolle wert, aus denen die FC-Fanschals gemacht sind, die sich diese schamlosen Politiker bei jeder Gelegenheit öffentlichkeitswirksam um den Hals hängen.
Selbstbetrug auch beim FC-Vorstand
Aber auch der 1. FC Köln sollte endlich die richtigen Lehren ziehen. Jahrelang gefielen sich Werner Wolf, Carsten Wettich und Eckhard Sauren in der Rolle der gewieften Strippenzieher und politische Lobbyisten im Hintergrund. Sie wollten zeigen: Der vorherige Vorstand hatte alles falsch gemacht, aber mit Wolf, Wettich und Sauren gab es nun endlich verlässliche Beziehungen und eine gute Kommunikation. Weit gefehlt!
Wieder einmal wurde der FC-Vorstand in dieser Woche vom Ratsbündnis vorgeführt und eines Besseren belehrt. Einmal mehr zeigte sich, dass Wolf, Wettich und Sauren auf politischer Ebene nicht ernst genommen werden. Derart überrascht und ohne jegliche Vorwarnung als Spielball benutzt zu werden, zeugt davon, dass der Vorstand es nie geschafft hat, ein vertrauensvolles Verhältnis auf höchster Ebene aufzubauen. Etwas anderes zu behaupten wäre Selbstbetrug. Etwas, mit dem sich die CDU übrigens auch gut auskennt.
Ein Debakel mit Folgen
Die einzigen Gewinner am Donnerstag waren die Fans des 1. FC Köln, die vor Ort demonstriert hatten und größtenteils im September wahlberechtigt sein dürften. Nicht nur bei den Vorstandswahlen der Geißböcke, sondern bei den Kommunalwahlen in Köln. Die CDU muss nach dem Debakel diese Kraft der (Wahl-)Stimme fürchten. Wer glaubt, die Menschen in Köln nicht ernst nehmen zu müssen, sollte sich über die entsprechenden Folgen am Wahltag nicht wundern. Das ist die wahre Kraft einer Demokratie.








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