Das Spektakel war groß, der Matchplan aber eigentlich ein anderer. Die Verantwortlichen des 1. FC Köln fanden nach dem 3:3 beim VfL Wolfsburg nicht nur positive Worte. Trainer Lukas Kwasniok lernte etwas für die Zukunft.
Traumstart, Gewitterpause, Rückstand, Ausgleich, Rückstand – Last-Last-Minute-Ausgleich. Nach einer mehr als 100-minütigen Achterbahnfahrt stand ein Ergebnis auf der Anzeigetafel der Volkswagen Arena, das leistungsgerecht war. Doch beim 1. FC Köln hatte man schon das Gefühl, dass gegen den VfL Wolfsburg trotz eines zweimaligen Rückstands noch mehr drin gewesen wäre.
„Wir hatten einen klaren Matchplan, haben uns viele Dinge vorgenommen. In der einen oder anderen Situation hätten wir den Matchplan besser umsetzen können“, prangerte Thomas Kessler an. „Gerade in der ersten Halbzeit haben wir es nicht gut gemacht. Wir sind zwar durch einen Ball, den der Torwart fallen lässt, in Führung gegangen, haben aber viele Räume, die wir uns vorher vorgenommen hatten, nicht bespielt, obwohl sie da waren“, so der FC-Sportdirektor.
Kessler: „Das ärgert mich ein bisschen“
Er selbst habe diese Räume von der Tribüne „sehr gut gesehen“. Lukas Kwasniok habe sie „von unten auch gesehen“, ergänzte Kessler, doch: „Die Jungs haben sie auf dem Platz leider oft nicht gesehen.“ Der 39-Jährige freute sich zwar wie jeder Kölner über den Sieben-Punkte-Start, gab aber auch zu: „Das ärgert mich ein bisschen.“
Kwasniok bestätigte die Meinung des Sportdirektors. „Um das auf den Punkt zu bringen“, erklärte der FC-Trainer: „Wir haben nach zehn, 15 Minuten einfach auf einmal die Buxe vollgehabt.“ Er präzisierte: „Wir haben nicht drumherum gespielt, obwohl wir wussten, dass wir dem VfL im Zentrum fußballerisch unterlegen sind.“
Wenn man sich das 1:0 anschaut, dann war das ähnlich, wie wir es geplant hatten.
Lukas Kwasniok
Eigentlich habe der FC „in die Breite spielen“ wollen, „um dann in den Rücken der Verteidigung zu kommen“. So wie vor dem frühen Führungstor von Luca Waldschmidt. „Wenn man sich das 1:0 anschaut, dann war das ähnlich, wie wir es geplant hatten“, lobte Kwasniok und ärgerte sich zugleich: „Danach haben wir den Ball aus der Dreierkette nicht mehr zum Außenverteidiger gespielt, sondern viel zu häufig zum Torhüter. Das war fußballinhaltlich nicht gut, deswegen sage ich: Damit war ich nicht einverstanden, damit war ich nicht zufrieden.“
Wobei der 44-Jährige auch für sich selbst eine Erfahrung mitnahm: „Ich glaube, ich muss akzeptieren und ein wenig dazulernen“, so Kwasniok, der es „in der Vergangenheit nicht gewohnt war, in der Länderspielpause mit der Mannschaft nur so arbeiten zu können, wie das in der Bundesliga der Fall ist.“ Soll heißen: Nur mit einem Teil der Mannschaft, weil sich einige Profis auf Länderspielreise befinden.
Nationalspieler als Neuland für Kwasniok
„Das war für mich das erste Mal, dass fünf, sechs Jungs gefehlt haben. Dann musst du vielleicht ein bisschen kürzertreten und weniger machen. Das fällt mir noch schwer“, gab der Ex-Coach des SC Paderborn zu. Der Blick auf die Tabelle, wo der FC erster Verfolger von Bayern und Dortmund ist, erleichtert den Verantwortlichen natürlich, mit dem nicht immer erfüllten Matchplan umzugehen.
„Das ist ein Prozess, in dem wir stecken“, sagte Kessler, merkte an: „Es wäre ja auch schlimm, wenn wir nach zehn gemeinsamen Wochen an einem Punkt angekommen wären, wo wir sagen: Wir haben keine Arbeit mehr, wo wir nach vorne gehen können. Wir haben noch viele Themen.“ Umso beachtlicher, dass auf der Habenseite bereits sieben Punkte stehen.








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