Der 1. FC Köln steht vor einer Zeitenwende. Nach dem Wahlkampf ist vor dem Neustart. Kann dem Vorstand nach Jahren interner Konflikte der Kulturwandel bei den Geißböcken gelingen?
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Es waren vielleicht die wichtigsten Redebeiträge bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln. Nicht, weil andere Stimmen der FC-Mitglieder weniger Bedeutung gehabt hätten. Doch die Auftritte von REWE-Chef Lionel Souque und KiK-CEO Patrick Zahn während der Aussprache zur Vorstandswahl hatten vor allem intern Gewicht.
Zwei wichtige Partner des 1. FC Köln machten am Samstag deutlich, dass in ihren Augen das Vorstandsteam um Jörn Stobbe das richtige Trio für die Zukunft der Geißböcke sein würde. Warum dies so wichtig war? Weil sie stellvertretend für viele FC-Partner sprachen: Sponsoren, Geldgeber und vor allem Gremien. Und genau da lag in den letzten Jahren der Hase im Pfeffer.
Klares Votum für die Zukunft des FC
Der langjährige Vorstand um Werner Wolf hatte die Unterstützung praktisch aller Partner verloren. Vom Mitgliederrat sowieso, mit dem man sich eine offene Fehde geleistet hatte. Vom Beirat, den man einst selbst ernannt hatte, aus dem aber zum Schluss fast gar kein gutes Wort mehr kam. Und auch von der Geschäftsstelle, wo man registriert hatte, dass dem Vorstand jeglicher Support abhanden gekommen war und zuletzt Unsicherheit herrschte, wie es weitergehen würde.
Nun ist klar, wie es weitergeht: Mit Jörn Stobbe, Jörg Alvermann und Ulf Sobek hat ein Team den Vorstand übernommen, welches die breite Unterstützung aller anderen Gremien genießt und welches sich am Samstag bei der drittgrößten Mitgliederversammlung der FC-Geschichte das klare Votum der Mitglieder eingeholt hat. Kein knappes, diskutables Ergebnis, sondern ein Ausrufezeichen im ersten Wahlgang.
Club muss wieder in guten Händen sein
So gehen Stobbe, Alvermann und Sobek mit Rückenwind und auf einem breiten Fundament in diese Amtszeit. Eine Basis, die für den FC wichtig sein wird, um den Club aus den Jahren der internen Konflikte und Streitigkeiten herauszuführen. Eine Grundvoraussetzung, um wieder Vertrauen zu schaffen in die Gremienarbeit und in die Vereinsführung, die zwar nicht operativ entscheidend ist, aber wichtig ist, um den operativ arbeitenden Menschen am Geißbockheim die Unsicherheit nehmen zu können.
Das ist die erste und vorderste Aufgabe für den neuen Vorstand. Vertrauen gewinnen, Vertrauen geben und dem FC wieder Ruhe verpassen. Die Geißböcke brauchen einen Kulturwandel, und für denen müssen die neuen FC-Bosse stehen. Damit die Geschäftsleitung ihre Arbeit machen kann. Damit die Mitarbeitenden auf der Geschäftsstelle sich wertgeschätzt fühlen. Und damit die Fans wissen, dass der Club in guten Händen ist.
Der FC muss wieder eine Einheit werden
Da hätte es natürlich geholfen, wenn die Geißböcke am Sonntag auch auf dem Rasen mit einem Sieg in der Bundesliga nachgelegt hätten. Denn zur Wahrheit gehört, dass alle Ruhe im Club mit dem Erfolg der Mannschaft von Lukas Kwasniok anfängt. Doch umgekehrt gilt auch: Tritt der FC im Gesamten als Einheit auf, kann sich das auch auf die Mannschaft übertragen. Das hat man zu besten Zeiten unter Werner Spinner, Jörg Schmadtke und Peter Stöger auch erlebt. Und dahin muss der FC wieder kommen – wenn auch mit einer längeren Haltbarkeit dieser Einheit.






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