Nach der schweren Knieverletzung von Timo Hübers wird die Personaldecke beim 1. FC Köln in der Innenverteidigung immer dünner. Eine klare Aufgabe für Sportdirektor Thomas Kessler. Hilft ein Ex-Kölner?
Eigentlich hatte man nach dem vergangenen Transfer-Sommer gedacht, dass der 1. FC Köln in der Innenverteidigung fast schon ein Überangebot an Spielern zur Verfügung hätte. Dominique Heintz hatte es dabei sogar an den ersten vier Pflichtspielen überhaupt nicht in den Kader geschafft und war erst nach dem Ausfall von Rav van den Berg ins Aufgebot sowie später sogar wieder in die Startelf gerutscht.
Mit dem Routinier, dem niederländischen Neuzugang sowie Timo Hübers, Joel Schmied, Cenk Özkacar und Luca Kilian hatte der FC nach dem Ende der Transferperiode sechs Innenverteidiger in den eigenen Reihen. Selbst mit der von Trainer Lukas Kwansiok favorisierten Dreierkette war jede Position im Abwehr-Zentrum doppelt besetzt. Da konnte man es sich sogar leisten, Julian Pauli nach der Vorbereitung zu Dynamo Dresden zu verleihen.
Innenverteidiger-Anzahl plötzlich halbiert
Inzwischen hat sich das Aufgebot in der Innenverteidigung jedoch halbiert. Bereits im September hatte Kilian seinen dritten Kreuzbandriss innerhalb von 18 Monaten erlitten – ob der 26-Jährige seine Profi-Karriere überhaupt wird fortsetzen können, ist aktuell ungewiss. Nur wenige Tage später zog sich van den Berg eine Schultereckgelenkssprengung zu, die den teuersten Sommer-Neuzugang noch immer außer Gefecht setzt.
Der Niederländer wird wohl frühstens Ende November wieder zu einer Option für Kwasniok. Zwar arbeitet der 21-Jährige inzwischen individuell auf dem Platz, bis er wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen kann, wird aber noch einige Zeit vergehen. Und schließlich erwischte es am Samstagabend Timo Hübers. Wie lange der letztjährige Kapitän nach seiner schweren Knieverletzung fehlen wird, ist aktuell noch überhaupt nicht abzusehen. Ein Saison-Aus ist jedoch wahrscheinlich.
Leihspieler-Rückkehr wohl keine Option
Und so stehen mit Schmied, Heintz und Özkacar aktuell nur drei fitte Innenverteidiger zur Verfügung. Insbesondere mit Blick auf die Dreierkette eine dünne Besetzung, wenngleich auch Eric Martel und Tom Krauß die Position ausfüllen können. Doch klar ist: Die Belastung für die verbliebenen Spieler wird in den kommenden Wochen bis zur kurzen Winterpause hoch sein.
Eine vorzeitige Rückkehr der verliehenen Innenverteidiger Julian Pauli (Dynamo Dresden) und Elias Bakatukanda (Blau-Weiß Linz) gilt dabei im Januar als unwahrscheinlich. Vertraglich wäre eine solch vorzeitige Rückholaktion zumindest ohne Kompensationszahlung schwierig umzusetzen, und auch sportlich wäre der Schritt kaum sinnvoll. Das Duo soll in der 2. Liga respektive der österreichischen Bundesliga in Ruhe seine Entwicklung vorantreiben.
Mausehund nun dauerhaft bei den Profis?
Aus dem Nachwuchs könnte nun Yannick Mausehund dauerhaft bei den Profis mittrainieren. Der 19-Jährige gehört zu den festen Säulen bei der U21. Dabei hat Mausehund in den vergangenen Wochen bereits regelmäßig im Profitraining gestanden und dürfte die Innenverteidiger-Gruppe zumindest im Trainingsbetrieb verstärken. Bereits am Montag stand der Abwehrspieler wieder mit dem Kwansiok-Tross auf dem Rasen.
Angesichts der angespannten Personalsituation muss sich Sportdirektor Thomas Kessler aber schon jetzt für den Winter-Transfermarkt nach Verstärkungen umsehen. Dabei dürfte es nicht nur um eine kurzfristige Lösung gehen: Die Verträge von Heintz, Kilian und Hübers laufen alle zum 30. Juni 2026 aus. Selbst wenn mit Hübers verlängert werden sollte, bleibt offen, wann der Abwehrchef nach seiner Verletzung wieder vollständig belastbar sein wird. Ein Neuzugang im Januar könnte daher auch bereits ein erster Schritt in Richtung langfristiger Kaderplanung sein.
So könnte Özcan sofort helfen
Und hier kam am Montag ein Name wieder ins Spiel, der bereits vor der letzten FC-Partie in Dortmund im Fokus stand: Salih Özcan hatte das Duell des BVB gegen seinen Jugend-Club nur von der Tribüne aus verfolgen dürfen. Özcan kam bislang nur auf 20 Bundesliga-Minuten, wurde nun erstmals aus dem Kader gestrichen. Und das ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein. Zudem wurde der 27-Jährige nicht für die Champions League gemeldet. Özcan weiß längst: Seine Zeit beim BVB geht zu Ende.
Dazu passt, dass sein Vertrag in Dortmund 2026 ausläuft. Schon länger halten sich Gerüchte, dass der FC den verlorenen Sohn gerne zurückholen würde. Insbesondere, weil der zentral-defensive Mittelfeldspieler zur nächsten Saison eine Lücke schließen könnte, die Eric Martel droht zu hinterlassen. Der Sechser hält sich seine Zukunft beim FC weiter offen. Özcan wäre ein Ersatz mit internationaler Erfahrung bei einem deutschen Spitzenclub.
Bis Winter mit Notbesetzung
Doch laut Sky könnte Özcan bereits im Winter zum FC wechseln und sofort helfen. Demzufolge beschäftigen sich die Geißböcke mit einer frühzeitigen Rückholaktion, sofern der BVB bei der Ablöse keine Steine in den Weg legen sollte und der Spieler beim Gehalt entgegen kommen sollte. Özcan könnte Martel für die Dreierkette frei machen und gleichzeitig auf der Sechs für Stabilität sorgen. Der FC würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – die Innenverteidiger-Knappheit überwinden und schon für den Sommer 2026 vorsorgen.
Bis dahin jedoch muss der FC zunächst im Hier und Jetzt mit Schmied, Heintz und Özkacar sowie in absehbarer Zeit wohl auch wieder mit van den Berg auskommen. Sollte es dabei zu weiteren Ausfällen kommen (Schmied sitzt auf vier Gelben Karten), wären die Optionen für den FC in der Defensive noch limitierter. Spätestens im Winter ist daher klar: Ohne einen zusätzlichen Innenverteidiger – oder einem Spieler wie Özcan, der Martel für die Dreierkette frei machen würde – wird der 1. FC Köln die Rückrunde kaum bestreiten können.








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