Der 1. FC Köln hat ein Jahr des Umbruchs hinter sich. Geschäftsführer Philipp Türoff spricht im ersten Teil des großen Weihnachts-Interviews mit dem GEISSBLOG über die Chancen nach einer echten Zerreißprobe für den Club. (Teil 2 erscheint am 26.12.)
Das Interview führte Marc L. Merten
GEISSBLOG: Herr Türoff, wie fällt Ihr Fazit nach diesem Jahr für den 1. FC Köln aus?
PHILIPP TÜROFF: „Im FC-Jahresrückblick darf natürlich der 18. Mai nicht fehlen. Wir wurden an diesem Tag U19-Meister in Leverkusen und Zweitliga-Meister mit den Profis durch ein 4:0 über Kaiserslautern. Das war ein sehr emotionaler Tag für die FC-Familie und die Bundesliga-Rückkehr für die weitere Entwicklung des 1. FC Köln elementar. Für meinen persönlichen Rückblick auf 2025 machen auch die beiden Wahlkämpfe sehr viel aus. Sowohl innerhalb des FC um das Vorstandsamt als auch der Wahlkampf in der Stadt Köln. Beide Entscheidungen waren maßgeblich für uns. Gerade der Wahlkampf im FC hat Ressourcen gekostet. Die Herausforderung war, den FC in dieser Zeit arbeitsfähig zu halten.“
Inwiefern?
„Die gesamte Agenda des 1. FC Köln wurde über einen langen Zeitraum immer im Kontext des Wahlkampfs gesehen, kommentiert, analysiert. Das war sehr fordernd und hat mein Jahr 2025 geprägt. Ich bin froh, dass es mit einer klaren Wahl und breiter Zustimmung ausgegangen ist. Das war kein knappes Ergebnis, sondern eines, hinter dem sich alle versammeln konnten. So konnten wir wieder in den Arbeitsmodus gehen, mit neuen Voraussetzungen nach einem wichtigen, demokratischen Prozess. Diesen Schritt mussten wir gehen, das spüre ich deutlich. Aber ich bin ehrlich: Diesen Schwebe-Zustand will ich so schnell nicht wieder haben. Die Kräfte, die da wirkten, haben den Laden ziemlich auseinander gezogen.“
Wie sind die ersten drei Monate mit dem Vorstand gelaufen?
„Die Eindrücke sind positiv. Der Vorstand ist mit einer sehr offenen, menschlichen Haltung hierher gekommen, um zuzuhören und zu verstehen. Mit dieser Haltung kann man sehr gut arbeiten, den Wahlkampf hinter sich lassen und sich konstruktiv einarbeiten. Das war eine intensive Zeit, weil sich Jörn, Ulf und Jörg die Zeit genommen haben und alles wirklich verstehen wollten. Das sehe ich positiv, weil man nur so Hintergründe, Zusammenhänge und Zuständigkeiten besprechen und dann als Geschäftsführung und Vorstand gemeinsam auftreten kann.“
Jetzt müssen wir zeigen, dass das eine Stärke sein kann, die wir in einen Vorteil umwandeln, den man auch im Tagesgeschäft auf dem Rasen merkt
Philipp Türoff
Gerade läuft als eine wichtige Aufgabe das Lizenzierungsverfahren. Inwiefern stimmen sich da Vorstand und Geschäftsführung ab?
„Die Lizenzierung erfordert eine vernünftige Planung der nächsten Saison. Einerseits mit allen Szenarien wie Klassenerhalt und Abstieg, andererseits aber auch mit allen internen Themen: Personal, Ressourcenverteilung, Investitionsprojekte, Infrastruktur wie das Geißbockheim und finanzielle Spielräume für den Sport. Diese Größen müssen abgebildet werden, die kann man nicht hinterher hinzuzaubern.“
Für den Vorstand ist die Lizenzierung also ein Schnelldurchlauf durch das gesamte Geißbockheim.
„So muss es ja auch sein. Der Vorstand kommt mit einer Außensicht in das Amt und lernt jetzt die Innensicht kennen. Jetzt geht es darum, dass wir gemeinsam die richtigen Schlüsse ziehen im Sinne einer Strategie.“
Ist der Ausgang der Wahl also auch eine Chance, dass der FC jetzt den nächsten Schritt gehen kann?
„Natürlich. Es sind neue Köpfe mit neuer Energie und neuen Ideen im Amt. Die große Chance liegt darin, die schweren letzten Monate und auch Jahre hinter uns zu lassen. Wir haben deutlich über 5000 Mitglieder im Stadion gehabt, daraus müssen wir jetzt etwas machen. Wir begreifen die Demokratie als wichtigen Teil unserer Identität. Jetzt müssen wir zeigen, dass das eine Stärke sein kann, die wir in einen Vorteil umwandeln, den man auch im Tagesgeschäft auf dem Rasen merkt.“
Der Vorstand ist für drei Jahre gewählt. Philipp Liesenfeld hat bis 2028 unterschrieben. Thomas Kessler soll als Sport-Geschäftsführer bis 2028 unterschreiben und auch Sie sollen bis 2028 bleiben. Ist dieser Blick auf die nächsten drei Jahre der Fokus, den der Club jetzt braucht?
„Das wäre ein wichtiges Zeichen für Stabilität im FC und würde ihm nach meiner Ansicht sehr guttun. Die Zusammenarbeit mit Thomas und Philipp funktioniert wunderbar. Nicht nur menschlich, sondern auch in der Sache. Da gibt es auch komplexe Fragestellungen, aber dieses Trio spielt sich immer besser ein, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir auf längere Strecke gut zusammenarbeiten werden. Das ist eine große Chance für den FC, mit dem entsprechenden Rückhalt des Vorstands diesen Weg gemeinsam zu gehen.“
Dann bin ich total am richtigen Ort
Philipp Türoff
Wie steht es denn um Ihre Vertragsverlängerung?
„Wir befinden uns in guten Gesprächen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, beim FC zu bleiben, weil wir nachhaltig Veränderungen herbeiführen können. Ich fühle klar, dass meine Aufgabe hier nicht abgeschlossen ist. Im Gegenteil: Ich freue mich, dass unsere Arbeit noch mehr Früchte tragen wird.“
Sie wollen ernten, was Sie gesät haben.
„Das gehört auch dazu, aber einiges ernten wir ja bereits. Wir konnten eine Transferphase im Sommer gestalten, die endlich wieder davon geprägt war, dass wir agieren konnten. Wir konnten direkt am Kader arbeiten, mussten keine existentiellen Nöte überwinden. Dass der 1. FC Köln in der Lage war, das Gesicht der Mannschaft maßgeblich umzugestalten und neue Impulse zu setzen, hat riesig viel Spaß gemacht. Dazu kommt die eingangs angesprochene Deutsche Meisterschaft der U19, die ganz stark darauf einzahlt, wie wir uns selbst wahrnehmen, was wir sein können. Das hat gezeigt, was für eine Kraft wir als FC entfalten können, wenn wir sportlich erfolgreich sind. Und das war ja nur die kleine Blaupause dafür, wenn es uns bei den Profis gelingen würde, wieder dauerhaft eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen. Dann können wir in Müngersdorf richtig was entfesseln. Daran zu arbeiten, bereitet sehr viel Freude. Darüber habe ich mich im Laufe der Jahre richtig in den Fußball verliebt.“
Sie geraten ins Schwärmen.
„Dafür gibt es auch gute Gründe. Dazu kommt, dass ich nicht mehr nur den Sanierungsauftrag habe, sondern beim FC auch in andere Rollen hineingewachsen bin. Ich habe jetzt einen breiteren Auftrag, es geht auch darum, kommunikativ die Menschen auf unseren Weg mitzunehmen. Am Anfang mussten wir den Laden gesund machen, ohne als Bulldozer alles andere zu übersehen. Jetzt können wir die Vermarktung neu denken, können digitaler kommunizieren. Das hat mich total angetrieben. Ich spüre, dass jetzt überhaupt erst die Voraussetzungen geschaffen sind, durch die sich die Räume öffnen, in denen der FC so richtig Spaß machen kann. Und das auch deutlich über den Sport hinaus. Wenn ich da das Vertrauen spüre, dass man mit mir einen ambitionierten, aber maßvollen Weg gehen will, dann bin ich total am richtigen Ort.“
Es gab Gerüchte um Ihre Person, dass Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach Interesse an Ihnen hatten.
„Solche Gerüchte sind doch ein Zeichen, dass hier beim FC gute Arbeit gemacht wird. Das waren aber keine Themen, die mich groß zum Nachdenken gebracht haben. Ich habe unter dem alten und neuen Vorstand Vertrauen gespürt. Wenn überhaupt hätte es für mich die Frage geben können, ob ich dem Fußball treu bleibe. Aber wenn Fußball, gibt es für mich gerade nur den FC und diesen Ritt hier fortzusetzen.“








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