Said El Mala hat sich am Freitagabend in den Dienst des 1. FC Köln gestellt. Nicht mit einem Tor, sondern mit dem genauen Gegenteil. Die Aktion beim Elfmeter sollte sich Julian Nagelsmann noch einmal genau anschauen.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Julian Nagelsmann gibt in diesem Frühjahr durchaus bemerkenswerte Interviews. Erst seine zweifelhaften Ausführungen im kicker vor den Länderspielen im März. Dann seine öffentliche Kritik an Deniz Undav, für die er sich später entschuldigen musste. Nun hat der Bundestrainer bei MagentaTV erklärt, wie er den DFB-Kader für die WM 2026 zusammenstellen wird.
Der Kader sei „zu großen Teilen“ fertig, aber noch „nicht zu 100 Prozent“, sagte Nagelsmann zum Beispiel. Es gehe jetzt vor allem auch im die menschliche Passfertigkeit innerhalb der Mannschaft. „Bei der WM sind wir im besten Fall acht bis neun Wochen zusammen. Da muss es menschlich passen.“ Und dann sagte Nagelsmann auch noch: „Man muss herausfinden, ob ein Spieler, der in seinem Club Stammspieler ist, auch in der Lage ist, beim DFB eine Joker-Rolle einzunehmen.“ Und weiter: „Wenn ich Spieler anschaue, […] bewerte ich so kleine Softskill-Aktionen. Wie kommt er zum Aufwärmen raus? Wie klatscht er ab, wenn er eingewechselt wird? Wie nimmt er den Ball beim Einwurf? Gibt er ihn seinem Mitspieler in die Hand oder schmeißt er ihn lustlos auf den Boden?“
So geht Teamwork
Wenn Nagelsmann sich diese Worte zu Herzen nimmt, hat er am Freitagabend ein weiteres Argument geliefert bekommen, Said El Mala für die WM 2026 zu nominieren. El Mala hätte mit gutem Recht fordern können, den Elfmeter auf St. Pauli zu schießen. Immerhin hatte er eine Woche zuvor gegen Werder Bremen sicher verwandelt. Wer sich gut fühlt, soll bekanntlich Verantwortung übernehmen. Und von einem 19-Jährigen kann man in so einer Drucksituation kaum mehr erwarten als das, was El Mala zeigte.

Was El Mala aber wirklich machte, müsste jedem, vor allem dem Bundestrainer, großen Respekt abnötigen. El Mala gab den Elfmeter ab. Nicht missmutig, nicht widerwillig. Er fragte Luca Waldschmidt schon im Mittelkreis, akzeptierte sofort die Rolle des Routiniers gegenüber dem Youngster und sorgte mit seinem kleinen Täuschungsmanöver im Strafraum vor der Ausführung sogar noch für einen kleinen Vorteil für Waldschmidt. So geht Teamwork.
El Mala stellt sein Ego zurück
Der Stürmer verzichtete auch auf die Chance auf ein weiteres Tor. Er hätte sein Torkonto erhöhen, sich noch einmal mehr in den Fokus stellen können. Doch El Mala stellte, wie Sky-Experte Martin Harnik richtig sagte, „sein Ego für den Erfolg der Mannschaft zurück“. Diese Aktion war so wertvoll wie ein eigenes Tor. El Mala schenkte Waldschmidt das Vertrauen, wusste, dass der Routinier in diesem Moment der beste Mann für den Job war.
„Said brennt für jedes Tor, für jedes Dribbling. Aber es war in dieser Situation eine gute Entscheidung, Luca den Ball zu geben“, lobte Sportchef Thomas Kessler hinterher. Und René Wagner ergänzte: „Großen Respekt an Said, den Ball abzugeben!“ Genau diesen Respekt sollte Nagelsmann dem 19-Jährigen ebenfalls entgegen bringen. Solche Spieler willst du bei einer WM. Spieler, die in den entscheidenden Situationen nicht an sich selbst, sondern an den Teamerfolg denken. Wenn Nagelsmann zu seinen Worten steht, dann muss Said El Mala am Freitagabend viele Pluspunkte gesammelt haben.







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