Der 1. FC Köln siegt sich zwar weiter durch die Vorbereitung. Doch die beiden Erfolge gegen Real Sociedad dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass der jungen Mannschaft wichtige Stützpfeiler fehlen.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Die Transferstrategie des 1. FC Köln ist offensichtlich: Sportchef Thomas Kessler will junge, hungrige und vor allem derart talentierte Spieler zum FC bringen, dass sie die Geißböcke nicht nur sportlich besser machen, sondern auch in naher Zukunft finanzielle Gewinne abwerfen. Dem 40-Jährigen ist aber auch bewusst, dass Jugend alleine gefährlich wäre.
Blutjung und erfahren – diese Kombination gibt es nicht. Und so hat Kessler mit Luka Lochoshvili und Gideon Mensah bereits zwei Spieler hinzugeholt, die in der Abwehr für Stabilität und Konstanz sorgen, zudem die jungen Jahmai Simpson-Pusey und Rav van den Berg an die Hand nehmen sollen. Allerdings zeigt sich bereits jetzt in der Vorbereitung: Das ist nicht genug.
Die vielen Talente brauchen einen Strippenzieher
Dem FC fehlt der Denker und Lenker im Mittelfeld, der Chef auf dem Platz, welcher im Ballbesitz genauso wie gegen den Ball die gesamte Organisation übernimmt. Der Strippenzieher, der seine Nebenleute anleitet und ihnen Raum und Ball gibt, wie sie es brauchen. Wer glaubt, Said El Mala (19) könne diese Mannschaft schon führen, der täuscht. Wer glaubt, Isak Johannesson (23), Reigan Heskey (18), Gil Neves (18), Youssoupha Niang (20) oder auch Jan Thielmann (24) organisieren sich schon irgendwie von selbst. der kennt die Bundesliga nicht.
Der FC hat bislang keinen Akterpunkt in seinem Spiel. Tom Krauß ist ein zuverlässiger Arbeiter und auch emotional wichtig, aber als Stratege hat er sich bislang nicht hervorgetan. Doch gerade einen solchen Spieler braucht der FC. Vor allem, wenn Mikey Moore (18) ebenfalls noch dazu kommen soll. Weder Marius Bülter noch Luca Waldschmidt oder Ragnar Ache sind in dem Maße Leitfiguren, wie es nötig sein wird, um diese in vielen Bereichen blutjunge Mannschaft in der Bundesliga zu halten.
Der Neue muss das gesamte Gebilde stützen
Daher muss im zentralen Mittelfeld etwas passieren. Ob es der nun wieder ins Gespräch gebrachte Rani Khedira sein kann? Ob Ellyes Skhiri, Vini Souza oder Edson Alvarez die richtigen gewesen wären? Das muss Kessler in den Gesprächen mit den Kandidaten herausfinden. Die Aufgabe des neuen Leitgeißbocks wird groß sein. Nur Erfahrung reicht nicht. Die neue Säule im FC-Spiel muss bereit und in der Lage sein das gesamte Gebilde zu stützen.
Nach so einem Spieler sehnt man sich beim FC schon lange, seit Skhiri und Jonas Hector diese Rolle gemeinsam erfüllt haben und dann gegangen sind. Ihr Nicht-Ersetzen war das große Versagen im Sommer 2023. Seitdem klafft diese Lücke. Kessler will sie schließen. Ihm bleibt keine andere Wahl. Nur dann wird seine Transferstrategie mit den vielen Talenten aufgehen können.








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