Der 1. FC Köln verleiht Youssoupha Niang nach einer auffälligen Vorbereitung. Das ist konsequent – und sollte mit weiteren Talenten fortgeführt werden.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Es war im Sommer 2023, als das Unheil beim 1. FC Köln seinen Lauf nahm. Die drohende Transfersperre hing über dem Club, doch der damalige Sportchef Christian Keller tat so, als sei dies kein Grund für eine veränderte Transferstrategie. Der größte Fehler: In dem Wissen, dass Kaufoptionen nach Leihen sowie Leih-Rückkehrer die einzigen Chancen während einer Sperre sein würden, den Kader zu verändern, schöpfte der FC diese Möglichkeiten nicht aus.
Es dauerte bis 2025, ehe der FC die Wende vollzog und erkannte, dass Leihen – in beide Richtungen – aus Kölner Sicht das beste Mittel für eine sportliche und wirtschaftliche Entwicklung sein können. Daher wurden auch in diesem Sommer mit Yannick Mausehund, Jaka Potocnik, Fynn Schenten und nun Youssoupha Niang vier Talente verliehen.
Niang und Dallinga als Musterbeispiel
Für die Profis reichte es noch nicht ganz, für die U21 sind alle Youngster aber zu gut geworden. Am knappsten war es bei Niang, der bei den Profis eine gute Vorbereitung spielte. Jedoch war irgendwann auch klar: Die Rolle als erster Back-up für Ragnar Ache wäre für den 20-Jährigen noch zu groß gewesen. Auf Rechtsaußen sahen die FC-Verantwortlichen andere Spieler vorne. Und so musste die Leihe kommen, denn eine Saison auf der Bank wäre eine verlorene für Niang.
So verpflichtete der FC Thijs Dallinga auf Leihbasis und verlieh Niang nach St. Pauli. „Wir waren von Anfang an sehr offen mit ihm: Wenn sein Kaderplatz wie jetzt mit Thijs Dallinga gefüllt wird, wollen wir ihm eine andere Option geben“, erklärte René Wagner am Freitag. So will es Tottenham Hotspur mit Mikey Moore machen. So machte es der FC mit Youss Niang. Und so sollte der FC es mit weiteren Talenten zum Ende der Transferperiode noch handhaben.
Bundesliga erlaubt viel weniger Fehler
Denn Julian Pauli und Elias Bakatukanda müssen spielen, Patrik Kristal und Cenny Neumann ebenfalls. Sie stehen an unterschiedlichen Stellen ihrer Karriere, genauso wie Maik Afri Akumu, David Fürst oder Jonathan Friemel, die in ihrer jeweils ersten U21-Saison gut in der Regionalliga aufgehoben sind. Für Pauli und Co. muss der Anspruch sein, Stammspieler zu sein. Erst woanders, dann womöglich beim FC.
Dafür braucht es weitere Leihen, wie bei Niang. Dass der FC zunächst die Kaderstellen anderweitig schließt – wie das Musterbeispiel Dallinga und Niang zeigt –, ist ebenso konsequent. Auf Bundesliga-Niveau fällt die Ausbildung von Talenten über viel Spielzeit deutlich schwerer als in der 2. Liga, wo der FC mehr Nachwuchsspieler ins kalte Wasser werfen konnte. Neumann musste dies in der Rückrunde gegen Borussia Mönchengladbach schmerzhaft erfahren. Jetzt müssen sie anderweitig vorangehen, ehe die Bundesliga der übernächste Schritt für sie sein kann.








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