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"Der Dialog hat Grenzen" – erneute Stadionverbote

Kaum hat der 1. FC Köln einen Großteil der lokalen Stadionverbote aus dem Skandal-Spiel in Mönchengladbach aufgehoben, werden nun wieder welche hinzukommen. Effzeh-Präsident Werner Spinner hat Konsequenzen für die Auseinandersetzungen angekündigt, die es am Samstag zwischen heimischen Fans und Anhängern des VfL Wolfsburg gegeben hatte.

Köln – „Ich habe mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass sich ein paar Unbelehrbare daneben benommen haben“, sagte Spinner dem „kicker“. „Es wird Konsequenzen geben.“ Welche, ließ er noch offen. Doch der Verein kündigte auf GBK-Nachfrage an: „Obwohl die Auseinandersetzung nicht so gravierend war, werden die von der Polizei festgestellten Störer mit einem Stadionverbot belegt werden.“

Nicht alle von heute auf morgen Klosterschüler

Ob zu jenen knapp 20 „Unbelehrbaren“, die von der Polizei nach gegenseitigen Fan-Provokationen festgenommen worden waren, auch Mitglieder der Ultra-Gruppierung „Boyz“ zählten, konnte der Verein am Sonntagabend noch nicht bestätigen. Die Polizei wird den Klub erst Anfang der neuen Woche über die genauen Personalien informieren. Die „Boyz“ waren am Samstag ins Stadion zurückgekehrt und hatten sich mit einer großen Choreografie selbst gefeiert.

 

Die Fan-Choreo zur zweiten Halbzeit: die "Boyz" feierten ihre Rückkehr in die Südkurve. (Quelle: facebook.com/RoteBoecke)

Die Fan-Choreo zur zweiten Halbzeit. (Quelle: facebook.com/RoteBoecke)

Offen ist noch immer, wie es zu den Auseinandersetzungen vor dem Gästeblock kam. Klar ist jedoch, dass der Verein einen Rückschlag im Bemühen hinnehmen musste, seine Anhängerschaft wieder auf Kurs zu bekommen. Die Vereinsvertreter hatten in der Sommerpause den Dialog mit den Fans gelobt und auch aufgrund eines Verbundbriefes des „Südkurve 1.FC Köln e.V.“ die Gladbach-Stadionverbote wieder aufgehoben.

„Klar ist aber auch, dass wir nicht alle von heute auf morgen zu Klosterschülern machen“, machte sich Spinner keine Illusionen. „Es ist eine Entwicklung. Es wird auch in Zukunft wahrscheinlich immer wieder kleinere Vorfälle geben. Trotzdem bin ich weiter davon überzeugt, dass durch den Dialog des Vereins mit den Ultras eine Verbesserung der Situation eintreten wird.“ Jedoch stellte er auch klar, „dass unser Weg des Dialogs auch klare Grenzen hat“. Ob seine Worte und die neuerlichen Stadionverbote wirken, werden schon die nächsten Wochen zeigen. Denn am 5. Spieltag hat der Effzeh dann Borussia Mönchengladbach zu Gast im RheinEnergieStadion.

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1 Antwort
  1. FC Neukölln
    FC Neukölln says:

    Hier nochmal mein Kommentar zum verwandten Artikel „Festnahmen – auch Boyz? Scharmützel am Gästeblock“ vom Samstag:

    Der Begriff „Scharmützel“ ist sehr treffend gewählt, bezeichnet er doch laut Wiki einen „zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf kleinerer Einheiten innerhalb eines größeren Konflikts“ (wobei der Konflikt zwischen FC-Anhängernschaft und den paar Dutzend Teilnehmern der VfL-Kaffeefahrt ja gar nicht gegeben ist – ich vermute eher, dass die Farbkombination grün/weiss/schwarz verantwortlich dafür ist, starke Impulse im vegetativen Nervensystem der kleinen unserer Geschwister im Geiste auszulösen).
    Das kurze Gerangel inklusive Ingewahrsamnahme von 18 Personen ist eigentlich nicht der Rede wert – und dennoch hat es zweifelsohne ein Geschmäckle. Durch sämtliche Kölner Medienlandschaft krasempelt die Geschichte, aber irgendwie weiß niemand so recht sich zu positionieren zwischen Lapalie und Affront – hatte man schließlich das Stadionverbot der Boys, deren eifrigste Mitglieder mitscharmützelten, erst vor 4 Tagen aufgehoben. Ich persönlich entscheide mich klar für Affront – wohl inkauf nehmend, dass es vielleicht sogar die Polizei selbst war, die den Konflikt zu einem solchen machte, indem sie wahrscheinlich darauf gebrieft war, jedem Ausdruck von Übellaunigkeit sofort und mit harter Hand Einhalt zu gebieten. Steckste drinne?
    Der Aufmerksame unter den Lesern wird mitgeschnitten haben, dass ich nicht in Köln wohne, sondern in einem 1948 zu Ehren des glorreichen FC umbenannten Stadtteil Berlins (Neumüngersdorf war der Berliner Kodderschnauze zu lang). Ich komme auf ein, zwei Heimspiele pro Saison. Die Vorfreude ist jeweils gigantisch, die Ergebnisse oft unterirdisch (Lautern 1:3, Hoffenheim 0:4, Augsburg 1:2, etc). Fast öfter sehe ich den FC auswärts. Ich trage dabei immer einen rotweissen Schal (im Moment „Echte Fründe stonn zosamme“) und platziere mich altherrenmässig irgendwo sitzend auf der Gegengeraden. Ein Stadion, in dem ich noch nicht war? Immer geil. Umgeben von Heimfans? Der Jubel des Einen ist der Würgreiz des Anderen, man lässt sich dies wissen, gibt sich in der Halbzeit gegenseitig ein Bier aus und wünscht einander alles nur erdenklich Gute nächste Woche gegen Gladbach.
    Anders war mein erster Besuch in Dresden, das Auftaktspiel der Aufstiegssaison 13/14, Stögers erstes Spiel. Schon beim Aufwärmen unter Manfred Schmid hatte man das Gefühl, dass es dabei um mehr geht, als schon mal vor dem Spiel der Gästekurve zuwinken zu können. Und ein gewisser Yannick Gerhardt soll in der Vorbereitung ganz gut gewesen sein. Ausser Timo Horn blieb auch mir der Nachmittag irgendwie in unguter Erinnerung. Es war absolut uncool mich als Fan der Gastmannschaft zu outen. Auf die Gegengerade wurde ich von der Security gar nicht erst gelassen („mit dem Schal können wir Eure Sicherheit nicht gewährleisten“), und auf dem Weg um das halbe Stadion war es am Ende einfach nur Glück und mein devot zu Boden gerichteter Blick, weshalb ich nicht auf die 12 bekommen habe. Und hey – da bin ich raus. Das brauche ich nicht nochmal.
    Genau dafür aber – konkrete Gewalt gegen Fans anderer Mannschaften – stehen die Boyz. Vielleicht nicht alle – und die mit zu bestrafen wurde seit Februar sehr kontrovers diskutiert – doch trete ich dem Gejammer um Kollektivstrafen an dieser Stelle vehement entgegen: wer sich einer Gruppe zugehörig fühlt (und dies durch Shirts oder alberne Maleranzüge zeigt), die sich seit einem halben Jahr öffentlich zu keinem einzigen befriedenden Statement in der Lage sah, die nachhaltig den Interessen des FC Schaden zufügt (Tabellenführer in Strafzahlungen an den DFB), die die Gesundheit und sogar das Leben anderer gefährdet (der geplante Überfall auf den Gladbach-Fanbus, bei dem wie durch ein Wunder niemand ernsthaft verletzt wurde – ob das jetzt Boyz waren oder Girlz oder weiß der Kuckuckz) – der macht sich sehr wohl mitverantwortlich. Hier steht Fankultur auf der Kippe. In welche Richtung es gehen soll bestimmt die Südkurve selber – und zwar jeder Einzelne. Das Tolerieren von schlechten Angewohnheiten ist bereits eine schlechte Angewohnheit. Und im Übrigen steht es jedem frei, die Gruppe zu wechseln.
    Auf St. Pauli organisieren sich die Ultras im positivsten Sinne selber: Platzsturm ist nicht, Bengalos werden nur in eigens dafür angefertigten Vorrichtungen abgebrannt und niemals geworfen, etc. Wer über die Stränge schlägt wird von Dienstälteren angezählt. In Italien jedoch gibt es die Kultur der Gästefans nicht mehr. Man hat einer zunehmenden Gewaltbereitsschaft zu lange nur zugesehen – bis es zu spät war. Es gibt quasi keine Gästefans mehr, weil es einfach zu gefährlich ist.
    Spinner – indem er weiterhin auf Konsens setzt – geht den einzig richtigen Weg, denn man muss der Dynamik von Prozessen eine Chance geben. Die Gruppe kann sich verändern. Schliesst man sie einfach nur aus kann sie nicht anders als sich gegen den Verein zu wenden, die Fronten verhärten sich – eine Sackgasse. It’s politics, baby! Spinner kündigt aber genauso richtig an, bei künftigen Fehltritten weiterhin konsequent zu bestrafen. Und ich fürchte, genauso wird es kommen. Denn irgendwie scheint bei den Boyz niemand so recht zu kapieren: keine Sau braucht Euch und Eure dumpfe Selbstdarstellung. Wer Kicken will muss freundlich sein.

    Hier schonmal ein paar Vorschläge, was man mit den frei gewordenen Plätzen bei künftigen Stadionverboten anfangen könnte. Über Reaktionen würde ich mich sehr freuen. Wie also würden Sie entscheiden?

    1. Die bereits vom Ausgeschlossenen bezahlte Dauerkarte würde als Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz unter Kölner Asylbewerbern für jedes Wochenende neu verlost werden.
    2. Die bereits vom Ausgeschlossenen bezahlte Dauerkarte würde zur Erläuterung der Begriffe „geil“ und „ungeil“ unter Bewohnern der Stadt Mönchengladbach für jedes Wochenende neu verlost werden.
    3. Die Ausgeschlossenen erhalten die einmalige Möglichkeit zur Rehabilitation, indem sie sich ab sofort in „Beuyz“ umbenennen und erst wieder das Stadion betreten, sobald sie ein abgeschlossenes Kunststudium nachweisen können.
    4. Die Ausgeschlossenen erhalten die einmalige Möglichkeit zur Rehabilitation, indem sie sich in der Halbzeitpause kollektiv als Sabrina verkleiden und im Mittelkreis das Video von „Boyz, Boyz, Boyz“ (1987) nachstellen. Get ready for my love…

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