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Festnahmen – auch "Boyz"? Scharmützel am Gästeblock

Nur vier Tage nach der Aufhebung von Stadionverboten gegen FC-Fans ist es vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg zu Auseinandersetzungen vor dem Gästeblock gekommen. Laut Polizeiangaben wurden 18 Personen in Gewahrsam genommen. Verletzte gab es zum jetzigen Stand keine. Allerdings waren offenbar erneut Mitglieder der Ultra-Gruppierung „Boyz“ beteiligt.

Köln – „Ich hätte mir gewünscht, ich hätte nicht recht behalten, dass es nur ein halbherziges Lippenbekenntnis der ‚Boyz‘ war, sie sich in Wirklichkeit nicht von Gewalt distanzieren“, wird Arnold Plickert, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei, von der „BILD-Zeitung“ zitiert: „Ich bin allerdings entsetzt, mit welcher Dreistigkeit sie nur vier Tage nach diesem vermeintlichen Friedensschluss wieder losschlagen.“

Erneute Stadionverbote?

Von Seiten des 1. FC Köln gab es zunächst keine Stellungnahme oder Bestätigung, dass die „Boyz“ an den Auseinandersetzungen beteiligt waren. Doch der „kicker“ berichtet, dass der Effzeh bereits über Stadionverbote gegen die Verhafteten nachdenkt. Während die Polizei von „Krawallen“ sprach, berichteten Augenzeugen dem GBK von „Rangeleien und Provokationen“, die von den Ordnern und Polizei aber schnell unter Kontrolle gebracht worden seien.

Der FC hatte Anfang der Woche knapp drei Dutzend lokale Stadionverbote gegen Ultras, vornehmlich „Boyz“, aufgehoben. Diese waren nach den Krawallen beim Derby im vergangenen Februar bei Borussia Mönchengladbach verhängt worden. Der Klub begründete die Entscheidung mit einem „intensiven“ Dialog und „glaubwürdigen strukturellen Veränderungen“ in der Anhängervereinigung.

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1 Antwort
  1. FC Neukölln
    FC Neukölln says:

    Der Begriff „Scharmützel“ ist sehr treffend gewählt, bezeichnet er doch laut Wiki einen „zeitlich wie örtlich begrenzten Kampf kleinerer Einheiten innerhalb eines größeren Konflikts“ (wobei der Konflikt zwischen FC-Anhängernschaft und den paar Dutzend Teilnehmern der VfL-Kaffeefahrt ja gar nicht gegeben ist – ich vermute eher, dass die Farbkombination grün/weiss/schwarz verantwortlich dafür ist, starke Impulse im vegetativen Nervensystem der kleinen unserer Geschwister im Geiste auszulösen).
    Das kurze Gerangel inklusive Ingewahrsamnahme von 18 Personen ist eigentlich nicht der Rede wert – und dennoch hat es zweifelsohne ein Geschmäckle. Durch sämtliche Kölner Medienlandschaft krasempelt die Geschichte, aber irgendwie weiß niemand so recht sich zu positionieren zwischen Lapalie und Affront – hatte man schließlich das Stadionverbot der Boys, deren eifrigste Mitglieder mitscharmützelten, erst vor 4 Tagen aufgehoben. Ich persönlich entscheide mich klar für Affront – wohl inkauf nehmend, dass es vielleicht sogar die Polizei selbst war, die den Konflikt zu einem solchen machte, indem sie wahrscheinlich darauf gebrieft war, jedem Ausdruck von Übellaunigkeit sofort und mit harter Hand Einhalt zu gebieten. Steckste drinne?
    Der Aufmerksame unter den Lesern wird mitgeschnitten haben, dass ich nicht in Köln wohne, sondern in einem 1948 zu Ehren des glorreichen FC umbenannten Stadtteil Berlins (Neumüngersdorf war der Berliner Kodderschnauze zu lang). Ich komme auf ein, zwei Heimspiele pro Saison. Die Vorfreude ist jeweils gigantisch, die Ergebnisse oft unterirdisch (Lautern 1:3, Hoffenheim 0:4, Augsburg 1:2, etc). Fast öfter sehe ich den FC auswärts. Ich trage dabei immer einen rotweissen Schal (im Moment „Echte Fründe stonn zosamme“) und platziere mich altherrenmässig irgendwo sitzend auf der Gegengeraden. Ein Stadion, in dem ich noch nicht war? Immer geil. Umgeben von Heimfans? Der Jubel des Einen ist der Würgreiz des Anderen, man lässt sich dies wissen, gibt sich in der Halbzeit gegenseitig ein Bier aus und wünscht einander alles nur erdenklich Gute nächste Woche gegen Gladbach.
    Anders war mein erster Besuch in Dresden, das Auftaktspiel der Aufstiegssaison 13/14, Stögers erstes Spiel. Schon beim Aufwärmen unter Manfred Schmid hatte man das Gefühl, dass es dabei um mehr geht, als schon mal vor dem Spiel der Gästekurve zuwinken zu können. Und ein gewisser Yannick Gerhardt soll in der Vorbereitung ganz gut gewesen sein. Ausser Timo Horn blieb auch mir der Nachmittag irgendwie in unguter Erinnerung. Es war absolut uncool mich als Fan der Gastmannschaft zu outen. Auf die Gegengerade wurde ich von der Security gar nicht erst gelassen („mit dem Schal können wir Eure Sicherheit nicht gewährleisten“), und auf dem Weg um das halbe Stadion war es am Ende einfach nur Glück und mein devot zu Boden gerichteter Blick, weshalb ich nicht auf die 12 bekommen habe. Und hey – da bin ich raus. Das brauche ich nicht nochmal.
    Genau dafür aber – konkrete Gewalt gegen Fans anderer Mannschaften – stehen die Boyz. Vielleicht nicht alle – und die mit zu bestrafen wurde seit Februar sehr kontrovers diskutiert – doch trete ich dem Gejammer um Kollektivstrafen an dieser Stelle vehement entgegen: wer sich einer Gruppe zugehörig fühlt (und dies durch Shirts oder alberne Maleranzüge zeigt), die sich seit einem halben Jahr öffentlich zu keinem einzigen befriedenden Statement in der Lage sah, die nachhaltig den Interessen des FC Schaden zufügt (Tabellenführer in Strafzahlungen an den DFB), die die Gesundheit und sogar das Leben anderer gefährdet (der geplante Überfall auf den Gladbach-Fanbus, bei dem wie durch ein Wunder niemand ernsthaft verletzt wurde – ob das jetzt Boyz waren oder Girlz oder weiß der Kuckuckz) – der macht sich sehr wohl mitverantwortlich. Hier steht Fankultur auf der Kippe. In welche Richtung es gehen soll bestimmt die Südkurve selber – und zwar jeder Einzelne. Das Tolerieren von schlechten Angewohnheiten ist bereits eine schlechte Angewohnheit. Und im Übrigen steht es jedem frei, die Gruppe zu wechseln.
    Auf St. Pauli organisieren sich die Ultras im positivsten Sinne selber: Platzsturm ist nicht, Bengalos werden nur in eigens dafür angefertigten Vorrichtungen abgebrannt und niemals geworfen, etc. Wer über die Stränge schlägt wird von Dienstälteren angezählt. In Italien jedoch gibt es die Kultur der Gästefans nicht mehr. Man hat einer zunehmenden Gewaltbereitsschaft zu lange nur zugesehen – bis es zu spät war. Es gibt quasi keine Gästefans mehr, weil es einfach zu gefährlich ist.
    Spinner – indem er weiterhin auf Konsens setzt – geht den einzig richtigen Weg, denn man muss der Dynamik von Prozessen eine Chance geben. Die Gruppe kann sich verändern. Schliesst man sie einfach nur aus kann sie nicht anders als sich gegen den Verein zu wenden, die Fronten verhärten sich – eine Sackgasse. It’s politics, baby! Spinner kündigt aber genauso richtig an, bei künftigen Fehltritten weiterhin konsequent zu bestrafen. Und ich fürchte, genauso wird es kommen. Denn irgendwie scheint bei den Boyz niemand so recht zu kapieren: keine Sau braucht Euch und Eure dumpfe Selbstdarstellung. Wer Kicken will muss freundlich sein.

    Hier schonmal ein paar Vorschläge, was man mit den frei gewordenen Plätzen bei künftigen Stadionverboten anfangen könnte. Über Reaktionen würde ich mich sehr freuen. Wie also würden Sie entscheiden?

    1. Die bereits vom Ausgeschlossenen bezahlte Dauerkarte würde als Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz unter Kölner Asylbewerbern für jedes Wochenende neu verlost werden.
    2. Die bereits vom Ausgeschlossenen bezahlte Dauerkarte würde zur Erläuterung der Begriffe „geil“ und „ungeil“ unter Bewohnern der Stadt Mönchengladbach für jedes Wochenende neu verlost werden.
    3. Die Ausgeschlossenen erhalten die einmalige Möglichkeit zur Rehabilitation, indem sie sich ab sofort in „Beuyz“ umbenennen und erst wieder das Stadion betreten, sobald sie ein abgeschlossenes Kunststudium nachweisen können.
    4. Die Ausgeschlossenen erhalten die einmalige Möglichkeit zur Rehabilitation, indem sie sich in der Halbzeitpause kollektiv als Sabrina verkleiden und im Mittelkreis das Video von „Boyz, Boyz, Boyz“ (1987) nachstellen. Get ready for my love…

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