,

Hinter den Kulissen: So verändert der Videobeweis den Fußball

Zur Saison 2017/18 soll sich die Bundesliga verändern: Dann soll der Video Assistant Referee („VAR“), der Videoschiedsrichter, in Deutschland eingesetzt werden. Endlich, rufen die Befürworter. Oh Gott, antworten die Traditionalisten. Aber was verändert der VAR überhaupt? Und welchen Einfluss hat er?

Hamburg – Der Deutsche Fußball-Bund gibt den Erklär-Bär. In speziellen Schulungen bietet der DFB interessierten Journalisten einen Einblick in die neue Schiedsrichter-Technik, die zur neuen Saison in Deutschlands Top-Liga zum Einsatz kommen soll. So auch unter der Woche in Hamburg, als Hellmut Krug und Lutz Michael Fröhlich das neue Prinzip vorstellten. Der GEISSBLOG.KOELN war vor Ort und beantwortet die zentralen Fragen.

Wird das gesamte Spiel überwacht?

Grundsätzlich ja. Der Video-Schiedsrichter verfolgt ein Spiel live die vollen 90 Minuten an einem Arbeitsplatz mit vier Bildschirmen. Dort kann er jede Szene des Spiels in dem Moment, in dem sie passiert, aus allen vorhandenen Kamerapositionen betrachten, in Zeitlupe anschauen und bewerten. Aber Achtung: Es gibt lediglich vier Situationen, in denen ein Video Assistant Referee eingreifen darf.

Welche Szenen gelten als „spielentscheidend“?

Der VAR darf lediglich in vier Situationen eingreifen, die nach den neuen Regeln als „spielentscheidend“ gelten.

  1. Tore
  2. Elfmeter
  3. Platzverweise
  4. Spielerverwechslungen

Fällt ein Tor, wird die Frage geklärt, ob der Treffer regulär erzielt wurde oder nicht. Auch, wenn es während des Spielzugs unmittelbar vor dem erzielten Tor einen Regelverstoß gab, der dieses Tor erst ermöglichte, kann der VAR eingreifen. Bei der Bewertung von Strafstößen wird analysiert, ob die Entscheidung korrekt war. Bei Platzverweisen wird künftig ausschließlich (!) in Fällen von Roten Karten (grobes Foulspiel, Tätlichkeiten, unsportliches Verhalten) anhand der Videobilder analysiert. Gelb-Rote Karten werden dagegen nicht bewertet, da diese eine Folge zweier Gelber Karten sind und Gelbe Karten für sich genommen nicht zu den „spielentscheidenden Situationen“ zählen. Zu Spielerverwechslungen zählen u.a. Rudelbildungen, in denen unübersichtliche Situationen herrschen und klar identifiziert werden muss, wer zu bestrafen ist.

Sonderfall: Wann wird Abseits „spielentscheidend“?

Abseits-Entscheidungen werden nur dann vom VAR bewertet, wenn aus ihnen unmittelbar klare Torchancen und somit spielentscheidende Situationen entstehen können. Deshalb soll künftig bei einer vermeintlichen Abseitsstellung „in unmittelbarer Tornähe“ verzögert gepfiffen werden, um die Spielsituationen erst in ihrer Gänze aufzulösen, ehe eingegriffen wird.

Was sind „klare“ Fehlentscheidungen?

Seit Beginn dieser Saison testet der DFB das Video-System. An den ersten 17 Spieltagen wurden in allen 153 Partien insgesamt 44 sogenannte „klare Fehler“ erkannt. Davon wären mithilfe des VAR und der Definition der „spielentscheidenden Situationen“ insgesamt 33 aufgeklärt und korrigiert worden. Im Klartext: Der VAR kann 75 Prozent aller spielentscheidenden Fehler ausmerzen.

Weiterlesen: Wie häufig greift ein VAR ein? Der VAR wird immer in Köln sitzen

6 Kommentare
  1. Nick
    Nick says:

    Ich finds gut. Evt. wären wir damit nie abgestiegen.

    Ich finds auch gut, dass das Spiel nicht auf Anforderung der Teams wie beim Hockey unterbrochen werden kann. Der Video-Schiri soll einfach nur das Spiel live mitgucken und wenn ihm innerhalb von 30-40 Sekunden etwas auffällt, dass nach den Regeln hätte gepfiffen werden müssen, dann soll er es dem Feld-Schiri mitteilen und der kann dann entscheiden ob er pfeift oder nicht…z.B. einen falschen Einwurf oder nicht ruhenden Ball weiterlaufen lässt oder eben für eine nicht gesehene Tätlichkeit die rote Karte gibt.

  2. rain man
    rain man says:

    Beispiel: Modeste erzielt ein Tor, es wird gejubelt, der Gegner protestiert. Während die Spieler langsam zum Anstoßkreis traben, hat der Videoassistent, dem irgendetwas nicht koscher war, sich noch mal alle Zeitlupen angesehen. Nun informiert er den SR auf dem Platz, der ist von seiner eigenen Entscheidung pro Tor eigentlich überzeugt, läuft dann aber doch selber zur Seitenlinie, um sich alles noch mal anzugucken und dann, Minuten später oder was?, eine Entscheidung gegen Modeste zu fällen? Falls das so läuft, wird sich der Fußball ab kommender Saison verändern, und zwar nicht zu seinem Vorteil.

    • Nick
      Nick says:

      Nö, so darfs natürlich nicht laufen. Der Videoschiri guckt sich max 30 Sekunden nach dem Tor nochmal die Wiederholungen an, wenn der Videoschiri dann mit dem Feldschiri kommuniziert, dann muss eine direkte Entscheidung getroffen werden, das Spiel darf nicht unterbrochen werden, damit der FS sich die Szene nochmal selbst ansieht! Ich denke, wenn der VS dem FS klar sagt – „Du hast da gerade ein klares Foul übersehen, gib Abstoss stattTor“, dann denke ich nicht das der FS sagt – „Nö, ich habs anders gesehen, ich geb trotzdemTor!“ Dann bräuchte man den VS ja auch gar nicht…Ich denke, dass wird viel besser und gerechter laufen, als die Kritiker denken…

      Ich muss nicht nach dem HSV-Spiel in der Kneipe stehen und über Foul oder nicht an Hector und gelb-rote Karte für Wallace diskutieren. Nehmen wir doch dieses Spiel – kein so frühes Gegentor, später gegen zehn HSVer…keine Diskussionen…ICH kann auf DIESE Diskussionen verzichten – für MICH macht das den Fussball nicht kaputt…

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar