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Das sagen DFB-Vize Koch und Schmadtke zum Fan-Urteil

Der 1. FC Köln ist vom Deutschen Fußball-Bund unter anderem für „beleidigende Gesänge“ seiner Fans bestraft worden. Der GEISSBLOG.KOELN hat exklusiv mit DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch und FC-Sportchef Jörg Schmadtke gesprochen.

Köln – Zunächst einmal die Fakten: Es geht bislang einzig um Beleidigungen in Richtung der Person Dietmar Hopp. Der Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim hat die Schmähgesänge gegen seine Person jahrelang mehr oder minder schweigend ertragen. Im vergangenen Jahr aber teilte er dem Deutschen Fußball-Bund auf offiziellem Wege mit, dass diese für ihn nicht mehr tolerierbar seien.

Erst mit Hopp wird Funktionärs-Beleidigung strafbar

Der Verband nahm sich die Beschwerde zu Herzen – und reagierte. Erst bekam Borussia Dortmund in einem Sammelurteil für diverse Vergehen auch eine Geldstrafe für „Schmähgesänge der Dortmunder Zuschauer“ während des Bundesliga-Spiels in Hoffenheim. Nun folgte eine ähnliche Strafe für den 1. FC Köln wegen „beleidigender Gesänge“ der Fans im Auswärtsspiel bei der TSG. Beide Spiele fanden im Dezember 2016 statt.

Drei Dinge sind hier zu erwähnen: Erstens konnten Schmähgesänge durchaus schon in der Vergangenheit bestraft werden, beispielsweise bei rassistischen Äußerungen. Die Beleidigung eines Funktionärs wie im Falle Hopp durch „Hurensohn“-Rufe fiel bislang aber nicht in den Bereich, den ein DFB-Sportgericht für beachtenswert hielt. Zweitens sei zu erwähnen, dass Hopps Name in den Mitteilungen des DFB über das jeweilige Urteil nicht vorkam. Es wurde lediglich 1899 Hoffenheim als gegnerischer Klub erwähnt. Und drittes hätte Hoffenheim eigenständig Anzeige wegen der Gesänge stellen können, tat dies aber nicht. Der DFB nahm selbst Ermittlungen auf.

Spinner will Kritik beim DFB-Vorstand hinterlegen

Beim 1. FC Köln nahm man das Urteil des Verbandes mit Unverständnis zur Kenntnis, verzichtete aber aus taktischen Gründen auf einen Einspruch (mehr dazu hier). Am Freitag, wenn der Vorstand des DFB zusammenkommt, will Vorstandsmitglied und FC-Präsident Werner Spinner nach GBK-Informationen allerdings seine Zweifel am Vorgehen äußern und ein Umdenken einfordern. Denn der Effzeh befürchtet, dass dieses Urteil eine Negativ-Spirale in Ganz setzen könnte, die nur noch weitere und drastischere Strafen nach sich ziehen könnte.

Weiterlesen: Vize-Präsident Koch verteidigt die Strafen

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11 Kommentare
  1. Frank
    Frank says:

    Ein richtig großer Artikel für einen verhältnismäßig kleinen Blog!
    Vielen Dank für Information und Aufklärung zum Thema.

    Kann mich dem Fazit auch nur anschließen; es gibt Dinge im Stadion, die man nicht durch Strafen in den Griff bekommt.

    Durch eine reine Lex Hopp wird Hoffenheim noch stärker von den anderen aktiven Fankurven entfernt und die Spannungen werden wieder wachsen.

    Und bei weitreichender Anwendung (und in der Folge Sanktionierung aller Fankurven) wird das Verhältnis von Fans zu DFB auf ein neues Rekordtief sinken.

    Alles in allem keine schönen Aussichten.

  2. Pitter
    Pitter says:

    Ich bezweifle doch sehr, dass Sanktionen gegen Schmähgesänge abschreckende Wirkung bei den Ultras haben. Viel mehr denke ich, dass es verstärkt zu Trotzreaktionen kommen wird. Insbesondere könnte ich mir vorstellen, dass Schmähgesänge gegen Hopp zukünftig auch während Länderspielen angestimmt werden, wo sie nicht sanktioniert werden können.

    Ich sehe es genauso wie Nick, dass es ziemlich abartig ist, neuerdings auch Einreden gegen Strafen bestrafen zu wollen. Der DFB mag nicht an deutsche Rechtsstaatsprinzipien gebunden sein. Dennoch stößt es extrem bitter auf, dass man solche Verstöße gegen gerechte Strafverfahren sonst nur aus Diktaturen kennt. Der DFB trifft Entscheidungen, die nach reiner Willkür aussehen und alle müssen kuschen. Gibt es als Äquivalent zur „Bananenrepublik“ eigentlich auch die Bezeichnung „Bananenverband“?

    Mir würde die Idee gefallen, dass einfach alle Vereine geschlossen aus dem DFB austreten und ihren eigenen Dachverband gründen, der sich stärker an den Rechtsgrundsätzen der BRD orientiert. Leider dürfte sie nur kaum umsetzbar sein…

    • Koelschlenny
      Koelschlenny says:

      >>Gibt es als Äquivalent zur „Bananenrepublik“ eigentlich auch die Bezeichnung „Bananenverband“?

      Nein, denn der Begriff „Bananenrepublik“ leitet sich ursprünglich daraus ab, dass der entsprechende Staat seine Haupteinnahmequelle im Handel mit Bananen hat. Somit wäre die entsprechende Bezeichnung im Verbandswesen „Fußballverband“. Die Frage, ob dies die gleiche Konnotation (undurchsichtige Strukturen, Schmiergeld, Willkürjustiz…) besitzt wie die Bananenrepublik, überlasse ich dem Leser.

      • Pitter
        Pitter says:

        Die Frage war auch eigentlich eher rhetorischer Natur ;D
        Aber gut, dass du mich daran erinnert hast, dass man alles, was man typischerweise mit „Bananenrepublik“ in Verbindung bringt, bisher eh schon genauso mit der Bezeichnung „Fußballverband“ assoziiert hat :D

  3. Nick
    Nick says:

    Schade…das Poldi-Abschiedsspiel, wird nun wohl zum Protestspiel gegen den DfB…mit diesen Urteilen schießt sich der DfB selbst ins Knie…bin gespannt was bei den nächsten Länderspielen so kommt, da fahren jetzt auch einige Leute hin, die sonst nichts mit Länderspielen am Hut haben – u.a. ich gegen England…und singe ich sonst solche Sachen im Stadion eigentlich nicht mit (außer bei Reus ;) ), so werde ich dies nun doch gegen England tun. Nicht weil ich die Personen ernsthaft beleidigen möchte, sondern aus reinem Protest gegen diese Urteile und dann will ich mal sehen, wie der DfB sich wegen sowas selbst sanktioniert.

    Das ist ein größerer Eingriff in den Fußball, wie wir ihn kennen, als die über Jahre diskutierte Einführung eines Videoschiris

  4. Thomas
    Thomas says:

    Freie Meinungsäusserung im Stadion unerwünscht? Man kann darüber streiten ob solche Gesänge sinnig sind oder nicht. Nur kann ein Verein das sicher kaum beeinflussen. Und wer und wann bestraft wird unterliegt ja offenbar nur den durchaus teilweise fragwürdigen Beurteilungen eines DFB.

    Oder ist das nur der Versuch, das der DFB an den teilweise irrwitzigen Transfersummen beteiligt sein möchte und daher die Vereine jede Woche für Schmähgesänge finanziell zur Rechenschaft zieht? Wir wäre es mit einer DFB-Gema-Gebühr pro Spiel (z.B. 50 Cent pro Besucher)? Das wäre ehrlicher….

  5. Peter
    Peter says:

    Hallo, was wollt ihr denn ? Der DFB hat 2,5 Millonen € Steuern hinterzogen und die müssen jetzt schnell durch solche Urteile wieder reingebracht werden. Die Idee mit einem eigenen Dachverband finde ich klasse. Tut mir leid für Poldi, aber zum England- Spiel sollte keiner gehen um denen mal zu zeigen von wem sie abhängig sind.

    • Nick
      Nick says:

      Das kann man dann beim nächsten Länderspiel machen. Poldi hat einen ordentlichen Abschied verdient. Es wird mein erstes Länderspiel und wahrscheinlich auch erstmal für lange Zeit das einzige bleiben…ich mag diese Jogibär-Elf und den Handball-Fussball den sie spielt sowieso nicht…

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