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Stimmungsboykott sorgt für Verlierer auf allen Seiten


Der 1. FC Köln gewinnt ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, doch nach der Partie gibt es viele Verlierer auf Kölner Seite. Die Ultras des Effzeh verzichten in der ersten Hälfte auf jeglichen Support für ihre Mannschaft und werden anschließend mit Missachtung gestraft. Und das ausgerechnet vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach.

Köln – Was war passiert? Die Polizei hatte vor der Partie gegen die Eintracht ein Aufeinandertreffen Kölner und Frankfurter Fans in der Nähe der Aachener Straße auf Höhe des Alten Militärrings verhindert und dabei unter anderem rund 60 FC-Anhänger vorübergehend in Gewahrsam genommen, um ihre Personalien aufzunehmen. Dadurch verpassten die mutmaßlichen Krawallmacher das Spiel im RheinEnergieStadion. Den Aussagen der Polizei zufolge hatten die Einsatzkräfte Jagdszenen verhindert und bei späteren Durchsuchungen unter anderem Sturmhauben, Mundschutz und Schlagringe beschlagnahmt.

In der Folge fanden sich zwar die allermeisten Fans in der Südkurve auf ihren Plätzen ein. Mit dem Anpfiff jedoch war von Normalität keine Rede. Ein Großteil der Südkurve schwieg. Die Ultras hatten ihre Zaunfahnen aus Protest verkehrt herum aufgehängt und blieben still. Kein konzertiertes Singen, keine Unterstützung für die eigene Mannschaft. Ein stummer Protest gegen etwas, das weit außerhalb des Stadions und fernab des sportlichen Geschehens stattgefunden hatte sowie offenbar zumindest teilweise von Mit-Anhängern ausgelöst worden war. Ein Boykott, der am Ende – das war für jeden der 49.200 Zuschauer in Müngersdorf offensichtlich – auf dem Rücken des eigenen Teams ausgetragen wurde, das jede Unterstützung nötig gehabt hätte.

Das sah man dann in der zweiten Hälfte, als die Ultras ihren Boykott beendeten und so das Stadion und die Spieler mitrissen. Dies demonstrierte einerseits, wie abhängig die Stimmung im RheinEnergieStadion von den Ultras in der Südkurve sein kann. Die überwältigende Mehrheit im Kölner Stadion hätte durchaus selbst für die Unterstützung von den Rängen sorgen können. Andererseits waren wie schon bei anderen Protesten in den letzten Jahren zuvor nun Stimmen aus der Südkurve zu hören, wonach andere Fans sich durchaus an den vereinzelten Schlachtrufen und Gesängen beteiligen wollten, aber von anderen Fans daraufhin verbal angegangen wurden.

Ein Teil-Boykott also, der schließlich zu der bizarren Situation führte, dass die Effzeh-Profis nach der Partie keine Lust verspürten, mit ihren eigenen Fans zu feiern und lieber direkt in die Kabine gingen. Dafür kassierten sie wiederum Pfiffe, und so gingen alle Seiten nach Hause und hatten einen Abend erlebt, an dem der 1. FC Köln mit 1:0 gewonnen hatte, aber Niemandem so recht zum Feiern zumute war.

Weiterlesen: „Ich verstehe einige Gleichungen nicht, die Ultras aufmachen“

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