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Diese Nebenschauplätze kosten Köln die gute Stimmung


Der September hat begonnen und man könnte meinen, der größte Erfolg des 1. FC Köln in diesem Jahrtausend läge nicht erst drei Monate, sondern schon drei Jahre zurück. Ein Blick ans Geißbockheim zeigt, dass in den letzten Wochen mehrere Nebenkriegsschauplätze entstanden sind. Ungeachtet der sportlichen Situation läuft es beim Effzeh nicht gerade rund, obwohl der Klub für einige der Probleme nicht einmal verantwortlich ist. 

Köln – Es begann im Juni mit dem plötzlichen Abschied von Pressesprecher Alex Jacob. Dass der Vertraute von Geschäftsführer Jörg Schmadtke zum Ende der Saison den Klub verließ, überraschte viele. Die Trennung von Jacob steht zwar ebenso für sich wie alle weiteren für den Klub unglücklichen bis ärgerlichen Ereignissen, die folgen sollten. Doch was sich Ende Mai noch wie grenzenlose Euphorie anfühlte, wird inzwischen von mehreren Problemen überlagert.

Die überteuerte Europa-Reise nach London

Der aktuellste Aufhänger für Verstimmungen in der Fan-Szene war das Reiseangebot des FC-Partners DERTOUR: Für 729 Euro konnten sich FC-Fans eine Reise nach London zum Spiel beim FC Arsenal gönnen. Eine ganze Menge Geld, zumal keine Übernachtung enthalten war. Das Angebot war trotzdem in kürzester Zeit vergriffen, und doch waren viele Fans sauer. Abzocke? Bevorteilung der Reichen, um an Tickets zu kommen? Auch, wenn der Effzeh nichts an diesem Angebot verdiente, kam der Eindruck auf, dass sich ein Partner der Geissböcke die Taschen auf Kosten der Fans voll machte. In Wahrheit hatte DERTOUR schlichtweg einen Anfängerfehler begangen. Anstatt noch am Tag der Auslosung das Angebot fertig zu machen, plante der Reiseveranstalter die Tour erst am folgenden Montag und musste dann feststellen, dass die Reise nach London nicht mehr so günstig darstellbar war wie ursprünglich gedacht. Ein Fauxpas, der am Ende an die FC-Fans weitergegeben wurde. Ärger? Verständlich!

Mitglieder-Initiative als Stachel der Demokratie

Bereits im Juni begann ein Konflikt hochzukochen, der am 25. September an der Mitgliederversammlung für hitzige Diskussionen sorgen wird. Die Initiative „100% FC – Dein Verein“ will künftig die Investorenfrage vollständig auf die Mitglieder übertragen. Bei knapp 100.000 Mitgliedern ein nachvollziehbarer Antrag, allerdings nicht für die Vereinsbosse. Lange hielten sich Vorstand und Geschäftsführung an die interne Vorgabe, sich erst zu einem späteren Zeitpunkt konzertiert und abgestimmt zu dem Antrag äußern zu wollen. Auf der Saisoneröffnung platzte dann aber Werner Spinner der Kragen. Auf der Bühne rief der Präsident den Antragstellern entgegen, diese wollten „Misstrauen“ sähen. Seitdem ist eine ruhige Moderation des Themas kaum mehr vorstellbar, die beiden Lager bereiten sich auf die offene Konfrontation vor. Die Mitgliederversammlung, die eigentlich euphorisch unter dem Eindruck der ersten Europa-League-Spiele hätten stehen können, liegt wie ein Schatten über diesem Sommer.

Der Konflikt zwischen Vorstand und Mitgliederrat

In diese Gemengelage stößt auch das Verhältnis zwischen Vorstand und Mitgliederrat. Letzterer fühlte sich von der Initiative „100% FC“ übergangen und in seiner Position geschwächt. Der Vorstand wiederum witterte hinter dem Antrag auch Teile des Mitgliederrates. Und das ist einer Phase, in der sich die beiden FC-Gremien nach über anderthalb Jahren auf eine Vorstandsvergütung in Höhe von 350.000 Euro geeinigt hatten. Statt geschlossen in die Versammlung am 25. September zu gehen, entbrannte zudem zuletzt an den Äußerungen Spinners über China eine neue Diskussion, in die sich auch der Vorsitzende des Mitgliederrats, Stefan Müller-Römer, eingeschaltete und den FC-Präsidenten öffentlich kritisierte. Drei Wochen haben die Verantwortlichen noch Zeit, sich auf den 25. September vorzubereiten und eine gemeinsame Linie zu finden.

Weiterlesen: Drei weitere Probleme und ein Fazit zur Lage des FC

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