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Darum gibt es beim FC keine Trainer-Diskussion


Der 1. FC Köln ist so schlecht wie nie. Und nicht nur in seiner Geschichte, sondern in der gesamten Bundesliga-Historie. Sieben Spiele, ein Punkt, zwei geschossene Tore – das hat es noch nie gegeben. Dennoch gibt es aus guten Gründen bislang keine Trainer-Diskussion am Geißbockheim.

Köln – Es ist das gängige Prozedere: Die jährliche Länderspiel-Pause nach sechs bis acht Bundesliga-Spieltagen ist der perfekte Zeitpunkt für Trainerentlassungen. Jedes Jahr gibt es sie, weil die strauchelnden Mannschaften dann eine spielfreie Woche Zeit haben, sich auf den neuen Übungsleiter einzustellen. In einem anderen Klub und wohl auch in einer früheren Version des 1. FC Köln hätte es Peter Stöger am gestrigen Montag getroffen. Präsidium und Geschäftsführung hätten sich zusammengesetzt und eine „einvernehmliche Trennung“ vollzogen, wie es im Branchenjargon so schön heißt.

Das kann man nicht dem Trainer anlasten

Doch das ist nicht passiert. Warum, erklärte Sportchef Jörg Schmadtke schon unmittelbar nach der Partie am Sonntagabend. „Die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt, wie die Spieler und das Trainerteam zusammenarbeiten, spricht nicht dafür, dass wir einen Trainerwechsel brauchen. Deswegen gibt es da keinen Grund zu handeln. Die Frage ist: Wie arbeitet die Gruppe zusammen? Das funktioniert. Es fehlt etwas, aber es fehlt nicht viel. Man kann nicht dem Trainer anlasten, dass ein Spieler einen Ball aus 14 Metern nicht auf das Tor bringt.“

Schmadtke spielte auf die Szene in der 44. Minute an, als Leonardo Bittencourt den Ball in überragender Manier auf der linken Seite an drei Gegenspielern vorbei in den Strafraum getrieben und dann auf den Elfmeterpunkt zurückgelegt hatte. Milos Jojic kam herangerauscht, ein Mann mit großer technischer Fertigkeit. In der vergangenen Rückrunde, als der Serbe vier Tore erzielte und zu einem der besten Kölner avancierte, hätte er den Ball wohl mit verbundenen Augen in die Maschen gedroschen. Am Sonntag schoss er einen halben Meter am Tor vorbei. Unerklärlich, aber eben beileibe nicht die Schuld des Trainers, der genauso fassungslos am Spielfeldrand stand wie ein Großteil der Zuschauer auf den Rängen des RheinEnergieStadions.

Der Verein ist mir ganz, ganz wichtig. Das ist richtig geil hier.

Nach dem Spiel wurde Peter Stöger die Frage aller Fragen gestellt. Ob er schon mal über einen Rücktritt nachgedacht hätte. Der Österreicher antwortete, wie man es von ihm kennt: mit offenen Worten, die man so nur noch selten im Fußball hört. „Es ist gerade schwierig und jetzt soll ich mich verpissen? Das passt nicht“, sagte Stöger in die TV-Kamera des Senders sky. „Für mich ist das überhaupt kein Thema. Der Verein ist mir ganz, ganz wichtig. Das ist richtig geil hier. Wenn jemand das Gefühl hätte, es würde nicht mehr passen, müsste man reden. Aber von mir aus das Handtuch zu werfen? Bei dieser Mannschaft? Darüber denke ich, ganz ehrlich, keine Sekunde nach.“

Weiterlesen: Mit einer Entlassung wären Teile der Mannschaft verloren

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