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„Trau Dich!“ Führich und Kusic die FC-Spieler 29 und 30

Chris Führich und Filip Kusic werden den 13. Dezember 2017 mit Sicherheit nicht vergessen. Die beiden U21-Spieler des 1. FC Köln debütierten am Mittwochabend in der Bundesliga, und das ausgerechnet beim Rekordmeister FC Bayern München. Sie waren die Spieler 29 und 30, die in dieser Saison beim Effzeh zum Einsatz kamen.

München – Es war ein eindrucksvoller Moment in der Allianz Arena in der Schlussminute. Chris Führich bekam den Ball in der eigenen Hälfte an der linken Seitenauslinie. Vor ihm stand der Münchner Rafinha, ein erfahrener Außenverteidiger. Es ertönte ein Ruf: „Trau Dich!“ Stefan Ruthenbeck stand in der Coachingzone und schrie aus Leibeskräften, um seinem 19-jährigen Talent Mut zu machen. Und Führich traute sich. Mit einem Antritt ließ er Rafinha stehen, zog zum gegnerischen Strafraum, nahm es dort noch mit zwei weiteren Bayern-Verteidigern auf, behielt die Oberhand, legte den Ball quer zu Christian Clemens, doch dessen Schuss verfehlte das Ziel. Eine Szene ohne zählbaren Erfolg und doch eine Szene, die sich der Youngster wohl noch ein paar Mal am heimischen Fernseher anschauen wird.

30 eingesetzte Spieler in 24 Pflichtspielen

Insgesamt 24 Pflichtspiele hat der 1. FC Köln in dieser Saison bereits absolviert: 16 Mal Bundesliga, sechs Mal Europa League und zwei Mal DFB-Pokal. In dieser Zeit haben die Geissböcke schon 30 Spieler eingesetzt. Chris Führich war am Mittwoch die Nummer 29, Filip Kusic folgte nur wenige Minuten später als Nummer 30. Beide machten ihre Sache auf der linken Seite gut, hielten das Niveau und Führich sorgte sogar für mehrere Überraschungsmomente. Zwei gute Debüts, über die sich die beiden Talente freuen können.

Sieben Debütanten aus dem Nachwuchs

Nur ein einziger Feldspieler aus der Profi-Mannschaft durfte in dieser Saison bislang überhaupt noch nicht ran. Joao Queiros lief bislang lediglich in der Regionalliga für die U21 auf. Inzwischen ist der Portugiese verletzt und fällt wohl noch länger aus. Er wird noch lange warten müssen, ehe er zu seinem Profi-Debüt für die Geissböcke kommt. Darüber hinaus wurden lediglich die drei Torhüter Thomas Kessler, Sven Müller und Brady Scott noch nicht eingesetzt sowie der A-Jugend-Spieler Ismail Jakobs, der in Belgrad im Kader stand, aber nicht eingewechselt wurde.

Ansonsten haben Ex-Coach Peter Stöger und Interimstrainer Stefan Ruthenbeck alles ausgeschöpft, was das FC-Personal hergibt. Aus der eigenen Jugend debütierten in dieser Spielzeit bereits Nikolas Nartey (17), Birk Risa (19), Yann Aurel Bisseck (17), Anas Ouahim (20), Chris Führich (19) und Filip Kusic (21). Auch Tim Handwerker (19) war im Sommer zunächst nicht fest bei den Profis eingeplant, kam bei den Bayern aber schon auf seinen neuen Pflichtspiel-Einsatz in dieser Saison.

Durchschnittsalter von 23,4 Jahre

Zur Erinnerung: In den letzten beiden Spielzeiten umfasste der gesamte Kader der Geissböcke inklusive drei Torhütern maximal 26 Spieler. Spieler wie Risa, Nartey oder Hikmet Ciftci wurden lediglich in Länderspielpausen ins Training berufen, um den Kader aufzufüllen und sich bei den Profis zu präsentieren. Inzwischen aber setzt sich die Profi-Mannschaft zu einem beträchtlichen Teil aus Nachwuchsspielern zusammen. Gegen den FC Bayern wies die Kölner Startelf ein Durchschnittsalter von 23,4 Jahren auf, obwohl mit Matthias Lehmann (34) der älteste Profi des FC auf dem Platz stand. Nach dessen Auswechslung gegen Christian Clemens sank das Durchschnittsalter auf nur noch 22,7 Jahre. Viele Talente für viel Verantwortung – eine schwere Last für die Jungspunde. In München aber bestanden sie diesen Test, weil sie sich etwas zutrauten.

8 Kommentare
  1. Hermann says:

    Schade, in meiner Phantasie hat meine Wunschvorstellung aus „Trau Dich“, „Sei mutig“ werden lassen. Das habe ich wohl falsch abgespeichert.
    Aber dennoch die Szene des Spiels. Das habe ich so lange vermisst, einen Lebendigen an der Aussenlinie.
    Da ich keinen potentiellen Trainerkandidaten bei uns, auf Anhieb mit Vorschusslorbeeren beehren würde, finde ich es bedauerlich das Ruthenbeck nicht die Chance bekommt, oder ergreifen will. Wie auch immer sich die Sachlage zu diesem Thema gestaltet.

    • Karl Heinz Lenz says:

      So, wie man Stefan Ruthenbeck an der Linie und in Interviews mitkriegt, scheint er ja ein gestandener Trainer und ein Typ zu sein. Jedenfalls hatte er im Spiel gegen die Bayern den nötigen Mumm, die Jungs mit der Absicht, dort etwas zu holen, ins Spiel zu schicken. Seine Worte nach dem Spiel fand ich klar und deutlich, gerade auch, als er darauf hinwies, dass auch das Tor von Lewandowski noch zu verteidigen gewesen wäre.
      Wenn Armin Veh mit seiner Erfahrung auch ein gutes Gefühl hat und Stefan Ruthenbeck behalten will, ich würde nicht meckern. Ich kann mir vorstellen, dass er gut zum Verein passt (Peter Stöger passte zu gut zum FC …). Für die Vorbereitung der Rückrunde mag es sogar ein Vorteil sein, jetzt nicht auf einen neuen Trainer zu setzen, der die Mannschaft noch nicht kennt, sondern auf jemanden, der das Team bereits in einigen heißen Spielen erlebt hat. Andererseits: Irgendwo las ich zuletzt (oder sagte Mehmet Scholl das?), dass es ein Qualitätsproblem für den Bundesliga-Fußball wäre, wenn immer häufiger – wie zuletzt geschehen – die Vereine als neue Trainer solche aus ihren Juniorenabteilungen nähmen. Nach dem Motto: Wofür haben wir denn die erfahrenen Profitrainer, die sich im Wartestand befinden? Ich kann das nicht beurteilen.

      • Ali Perez says:

        Der GBK hat das Verhältnis zwischen Mannschaft und Ruthenbeck ja mal in Frage gestellt. Ich kann das auf dem Platz nicht beobachten. Deswegen stimme ich dir grundsätzlich zu, dass auch Ruthenbeck eine Option sein sollte. Allerdings dürfte auch Ruthenbeck klar sein, dass die nächsten 5 Monate ein Himmelfahrtskommando darstellen. Ich kann mir vorstellen, dass er freiwillig wieder zur U19 zurückkehrt, um nicht unter die Räder zu kommen.

      • Elke L. says:

        Bei einer entsprechenden Fragen während einer PK hatte St. R. vehement gesagt: nur bis Schalke!! Vielleicht will er auch lieber zu seiner U 19 zurück. Wenn ein Interimstrainer zu lange bei den Profis aushilft, dann ist auch oft verbrannt (s. damals in HH). Aber so kann er nach diesen Spielen ganz einfach zu seinen Youngstern zurück kehren und bleibt damit dem FC erhalten, was ich sehr befürworten würde.

        Wie N. Elgert auf Schalke ist es doch gut, wenn man bei den jungen Leuten einen guten Trainer hat. Elgert hätte sicherlich auch schon was anderes machen können, wollte er aber offensichtlich nicht. Und entsprechend könnte St. Ruthenbeck etwas beim FC werden. Jetzt hat er sich Respekt erworben. Manchmal ist es besser, wenn man nicht zu hoch hinaus will.

      • Hermann says:

        Ich kann das auch nur schwer beurteilen. Ich empfinde, als Beispiel, den Fussball den ein Tedesco oder Nagelsmann spielen lassen, nicht unbedingt als qualitativen Rückschritt für den deutschen Fussball. Beide haben sich in Junioren Mannschaften ihre ersten Sporen Verdient und sind dann relativ schnell auf Cheftrainer Posten gekommen, bei denen sie sehr gute Arbeit leisten. Auch ein Tomas Tuchel ist damals aus der Mainzer Jugendabteilung, nach Klopp’s Abgang, als Cheftrainer installiert worden. Klopp’s Anfang als Trainer war als Interimslösung vorgesehen. Ein Guardiola trainierte zunächst die B Mannschaft von Barcelona bevor er zu dem wurde was er heute ist. Es gibt sicherlich noch andere Namhafte Beispiele von denen ich nichts weiss. Daher weckt Scholl’s Vorwurf (falls er es war) bei mir nur Unverständnis.
        Niemand kann sagen was die bessere Lösung ist; einen älteren erfahrenen Trainer einzustellen, oder aber die Lösung mit jüngeren Trainern zu präferieren. Letztlich geht man doch meist davon aus, das wenn eine Entscheidung nicht zum Erfolg führt, das dann der Umkehrschluss die richtige Entscheidung gewesen wäre. Diese Annahme ist in meinen Augen aber nicht zulässig.
        Ich habe mich zunächst bei Ruthenbeck etwas zurückgehalten. Ich konnte ihn und seine Arbeit nicht richtig einschätzen und sicherlich kann ich das immer noch nicht. Deswegen habe ich gestern geschrieben, das ich mir wünschen wurde seine Arbeit zu sehen, wenn die gesamte Mannschaft wieder an Bord ist.
        Aber wie Sie bereits geschrieben haben Karl Heinz, gefallen mir seine Aussagen und sein Auftreten bislang. Auch mal öffentlich zuzugeben, das man die eine oder andere Situation hätte besser lösen können, wobei ich solche Fragen wie; „wäre bei besserer Chancenverwertung nicht mehr drin gewesen?“ immer als schwierig empfinde. Weil dann muss man auch immer dazu erwähnen, das bei besserer Chancenverwertung des Gegners eben wieder weniger drin gewesen wäre.
        Ich war es satt immer wieder zu hören, das man „gefühlt ! dieses oder jenes war“. Bei Stöger hatte ich zuletzt immer das Gefühl, er würde an der für alle offensichtlichen Realität vorbeireden. Da gefällt mir ein Nagelsmann besser, der nach dem Spiel sagt; „die zweite Halbzeit kann ich so nicht stehen lassen, darüber werden wir zu reden haben“ und dann 1-2 Spiele später RB Leipzig aus dem Stadion knallt.
        Letztlich ist ein Trainerwechsel immer der Versuch etwas zu korrigieren und da momentan kein Kandidat bei mir einen Glückshormon Sprudel entfachen würde, bin ich für meine Person bereit dem Ruthenbeck eine Chance zu geben. Entschuldigung, ist etwas langatmig geworden….

  2. Elke L. says:

    Könnte ich auch mit leben, das wollte ich mit meinem Kommentar nicht sagen.

    Aber die Reaktion auf der PK (und nicht ein geschriebenes Interview) hat mich zum Überlegen gebracht. Vielleicht will auch der FC nicht, wer weiß. UND Stefan R. hat bereits erlebt, was es heißt bei uns in der 1. Reihe zu stehen, nachdem es gleich Kritik hagelte, weil er seine Jungs versucht hatte auf den Wechsel vorzubereiten. Dass er das ganz anders formuliert hatte, war hinterher kaum noch interessant für die meisten. – Bei dem Interview auf sky vor dem FB Spiel wurde Stefan R. auch noch mal darauf angesprochen und wie er auch hier reagiert hat, konnte den Schluß zulassen, dass er schon etwas angepisst war. Wir wissen doch alle, dass manch ein Fan sofort sich beim FC meldet per Telefon oder per e-mail und wer weiß, was da wieder alles beim FC gelandet ist. Jedenfalls hat unser Interimstrainer dann zum Schluß auch noch via sky gesagt, „dass er nie Peter Stöger kritisiert hätte“

    Wie auch immer, bin ich gespannt, wie es jetzt weiter geht mit der Entscheidung durch Veh. Der Express hat ja angeblich das Wissen, dass wir an Jos L. dran seien.

  3. Dieter says:

    So wie ich es gelesen haben will Herr Ruthenbeck nach Schalke nicht mehr die 1. Mannschaft trainieren. Dies ist seine Entscheidung und die sollten alle akzeptieren.
    Vielleicht fühlt er sich noch nicht so weit und will erst in der Jugend seine Sporen verdienen. Als Trainer kommt eigentlich nur ein erfahrener Trainer in Betracht, der schon bewiesen hat, dass er unter diesem Druck gut arbeiten kann. Im übrigen muss, sollte der FC 2018/19 2. Liga spielen schnellstmöglich der Aufstieg her und eine komplett neue Mannschaft geformt werden.
    Timo, Jonas, Frederick und Leonardo werden sicherlich nicht mit nach unten gehen. Also müssen die Einnahmen für diese Spieler sinnvoll in die Mannschaft investiert werden, damit es einen Durchmarsch ala Hannover und Stuttgart geben kann. Und dann stehen wir da, wo wir vor 4 Jahren schon mal gestanden haben.
    Ich war damals im Stadion und habe zu meiner Frau gesagt: Hör dir mal die Idioten an „NIE MEHR 2. LIGA, nie mehr, nie mehr.
    Definition des Begriffes „nie mehr“ -max. 4 Spielzeiten.
    Habe damals zum Glück nicht mitgesungen, weil ich befürchtet habe das es so kommen kann.

  4. OlliW says:

    Hm….diese Gesänge sind ja immer auch von Befreiung, Trotz und viel Wunschdenken geprägt. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich mich im Sommer sehr weit aus dem Fenster gelehnt habe.
    Ja, es wurde massiv überperformt in der vergangenen Saison, mit Glück und einem Superknipser an Bord, und ja man musste mit einer weit schwereren Saison rechnen, und ja man konnte davon ausgehen, dass der FC wohl nach unten schauen muss. Trotzdem fühlte sich das alles gut an, stabil und überzeugend. Daher habe ich gesagt, allen diesen auch teils üblen Unkenrufen der Konkurrenz-Fans zum Trotz, dass „die heute Lebenden einen Abstieg des FC nicht mehr erleben“ würden. ….Tja… Gut, dass kein Geld im Spiel war ;-)

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