,

20-Minuten-Tiefschlaf: “Sind erst nach dem 1:1 wieder aufgewacht”

Dem 1. FC Köln ist es nicht gelungen, das vierte Bundesliga-Spiel in Folge zu gewinnen. Die Mannschaft von Trainer Stefan Ruthenbeck machte gegen den FC Augsburg zwar ein anständiges Spiel, musste sich nach einer schwachen Phase im zweiten Durchgang aber mit einem 1:1 (1:0) begnügen. Trotz des Unentschiedens sehen die Kölner die liegengelassenen Punkte nicht als Rückschlag. Die Stimmen zum Spiel.

Aus Müngersdorf berichten Jonas Klee und Marc L. Merten

Timo Horn: “Es ging für uns optimal los. Wir haben eine sehr gute Halbzeit gespielt, Augsburg stand tief. Trotzdem haben wir gute Chancen kreiert. In der zweiten Halbzeit haben wir gut begonnen, hatten wieder gute Gelegenheiten, aber ab der 55. Minute haben wir die Augsburger 20 Minuten kommen lassen. Wir haben nachgelassen und hatten schon vor dem Gegentor Glück. Beim 1:1 ist Caiuby eine Etage höher gesprungen. Ich weiß nicht, ob er sich da aufgestützt hat. Mit ein bisschen Glück pfeift der Schiedsrichter das ab. Aber im Endeffekt hatten wir kurz vor Schluss die große Chance zum 2:1 durch Sehrou (Guirassy). Der hätte vielleicht noch ein, zwei Meter gehen können. Aber das ist immer leicht gesagt. Man kann nicht jedes Spiel kurz vor Schluss entscheiden – so wie im Derby. Wir haben nicht verloren, das ist erst mal wichtig. Jeder Punkt zählt. Wir hoffen natürlich, dass die Konkurrenz nicht punktet. Das kommende Spiel gegen Dortmund wird dann sicherlich etwas besonderes. Wir treten gegen unseren Ex-Coach an. Es ist ein Flutlichtspiel mit einer besonderen Atmosphäre. Das ist ein Highlight für uns. Wir hoffen natürlich, dass wir dann gemeinsam mit den Fans das Wunder möglich machen können. Wir werden alles raushauen.“

Wir sind ein bisschen eingeschlafen

Frederik Sörensen: “Ich weiß nicht, ob sich Caiuby aufgestützt hat. Vielleicht war es auch ein Foul an Heintz. Ich habe versucht hochzukommen, er hat das gut gemacht. Aber ob es ein Foul war, muss ich mir am Monitor angucken. So ist das eben. Das muss der Schiedsrichter entscheiden. Es tut mir sehr leid, dass wir in die zweite Halbzeit so schlecht rausgekommen sind. Im ersten Durchgang waren wir sehr gut. Aber wir haben uns dann hinten nicht mehr gut angestellt und Augsburg hat zu viele Freistöße und Ecken bekommen. Ihre Stärke sind die Standards. Natürlich hätten wir lieber gewonnen. Und wir hatten auch eine große Chance kurz vor Schluss. Aber es hätte auch noch gegen uns laufen können. Deswegen ist ein Punkt in Ordnung. Vielleicht haben wir uns zu sehr auf der 1:0-Führung ausgeruht. Wir sind ein bisschen eingeschlafen und kamen nicht mehr richtig hinten raus. Erst nach dem 1:1 sind wir wieder aufgewacht. Dann haben wir alles versucht, aber es hat am Ende nicht gereicht.”

Es ist kein Rückschlag

Milos Jojic: “Es war ein schönes Freistoßtor. Es war genau meine Position: 25 Meter entfernt, halblinke Position. Den Ball hab ich dann einfach gut getroffen. Es ist bitter, dass wir nicht gewonnen haben. Aber wir nehmen den Punkt trotzdem gerne mit. Jetzt müssen wir weitermachen und kämpfen. Es ist kein Rückschlag. Wir müssen das Positive mitnehmen: Wir haben ein gutes Spiel gemacht, auch wenn wir in der zweiten Halbzeit eine Phase hatten, in der wir 20 Minuten zu passiv waren. Deswegen haben wir das Gegentor kassiert. Aber insgesamt spielen wir viel besser als in der Hinrunde. Ich persönlich muss kein Tor schießen oder vorbereiten, wenn wir dafür in der Liga bleiben. Das würde ich jetzt unterschreiben. Die Mannschaft ist wichtiger als der Einzelspieler. Gegen Dortmund wird es ein ganz normales Spiel. Wir spielen zu Hause, Dortmund hat zur Zeit ein paar Probleme. Das wollen wir nutzen.”

Nur ein 1:1? Nee! Wir haben einen Punkt gewonnen!

Stefan Ruthenbeck: „Erst einmal ein Riesenkompliment an unsere Fans. Ich hatte heute 90 Minuten Gänsehaut. Das war der Wahnsinn. Die Fans haben ein Gespür dafür, dass die Mannschaft alles raushaut. Es entsteht da gerade eine Art Symbiose, das ist richtig geil. Zum Spiel ist zu sagen, dass wir es in der ersten Halbzeit richtig gut gemacht haben, auch unser Gegenpressing, wenn wir mal den Ball verloren haben. Wir waren dem 2:0 relativ nahe, auch noch zu Beginn der zweiten Halbzeit. Aber dann waren wir zu passiv. Das ist aber oft einem guten Gegner geschuldet. Augsburg hat Wechsel vorgenommen, die gegriffen haben. Da muss man in solchen Phasen auch mal Glück haben, kein Tor zu kassieren. Wir haben versucht, mit einem Wechsel gegenzuwirken, aber in dieser Phase ist dann das Gegentor durch einen Standard gefallen. Danach hat die Mannschaft aber null komma null den Kopf unten behalten, sondern hat auf das 2:1 gespielt. Mit der Großchance von Guirassy in der letzten Minute würde ich sagen, dass wir dem 2:1 ein Stückchen näher waren als der Gegner. Aber am Ende war das Unentschieden okay. Ich wurde schon gefragt: Nur ein 1:1? Nee! Wir haben einen Punkt gewonnen, haben wieder etwas verkürzt. Darauf lässt sich aufbauen.“

Wir sind dann ‚all in‘ gegangen

Manuel Baum: „Ich bin mit dem Punkt zufrieden. Wir wussten, was auf uns zukommt. Der FC ist eine Mannschaft mit großer Euphorie, die wieder fast alle Mann an Bord hat. Das hat man gesehen. Wir haben in der ersten Halbzeit gut verteidigt, aber nach vorne war das zu wenig. In der zweiten Hälfte waren wir besser im Spiel und hätten schon vor dem 1:1 das Tor machen können. Wir sind dann ‚all in‘ gegangen und haben ein sehr intensives Spiel gesehen, das am Ende in beide Richtung hätte ausgehen können.“

15 Kommentare
  1. Karl Heinz Lenz
    Karl Heinz Lenz says:

    Vielleicht ist es ganz gut, dass der FC heute in den letzten Minuten das 2:1 nicht mehr gemacht hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass es dann ein richtiges Medien-Beben rund um „Das Wunder von Köln“ gegeben hätte. Gerade auch vor dem Spiel gegen den BVB. Der Geissblog hat ja bereits vor einigen Tagen versucht, diese Rakete schon einmal zu zünden, nämlich durch einem Artikel mit der Überschrift: „Ruthenbeck gegen Stöger: Direktes Duell“. Interessanterweise gab es dazu von niemandem von uns einen Kommentar. War auch mir zu blöd. Nach dem Unentschieden gegen Augsburg kann sich unser Trainerteam vermutlich ein Stück ungestörter durch solche Nebengeräusche auf die Trainingsarbeit mit der Mannschaft und die sportliche Vorbereitung auf das Dortmund-Spiel konzentrieren – ohne dauernd auf das „Wunderteam vom Rhein“ contra „den Menschenfänger vom Borsigplatz“ angesprochen zu werden. Eine Menge von Artikeln und Interviews zum Thema „Stöger – damals und heute“ wird es so oder so geben, aber wohl nicht mehr in dem schrillen Ton vom „Duell der Trainer“.
    Konkret zum FC-Spiel: Wie schon öfters gesagt, unser Team ist keine Über-Mannschaft. Dennoch aber sehe ich, dass die Mannschaft – wie Stefan Ruthenbeck es gesagt hat – auch nach dem 1:1 den Kopf oben behalten hat, was in der Hinrunde bei Gegengtoren meistens nicht der Fall war. Und wenn wir uns die ersten drei Spiele der Rückrunde angucken, so haben wir zwei Siege und ein Unentschieden gegen Teams geholt, gegen die wir in den ersten drei Spielen der Hinrunde durchweg verloren haben – und damals noch ohne Verletzte und ohne Belastung durch Pokalwettbewerbe und andere angebliche Ungerechtigkeiten. Das heißt: Die Mannschaft steht heute fußballerisch deutlich besser da als zu Beginn der Saison. Und das ist für mich das Wichtigste. Wenn das so bis zum Ende der Saison so bleiben sollte, wäre das für den Verein ein Riesenerfolg, auch wenn die Punkte für den Klassenerhalt dennoch nicht ganz reichen sollten. Denn auch ein schneller Wiederaufstieg wird nur dann gelingen, wenn der FC bis zum Sommer seinen guten Ruf wieder hergestellt hat und der Verein für Spieler und Umfeld attraktiv bleibt. Beides wäre natürlich auch für den Fall wichtig, dass wir die Klasse halten können, was wir doch alle hoffen (und ich auch glaube!).

    • Michael H
      Michael H says:

      Dem kann ich mich nur anschließen.

      Zudem ist es tatsächlich interessant, sich die Anzahl der Kommentare anzuschauen. Die läßt vermutlich keinen Rückschluss auf die Aufrufe zu, aber die überwältigende Mehrheit der Kommentatoren hier hat nicht viel Interesse an diesen Clickbait Artikeln, die mehr und mehr auftauchen.

    • Boom77
      Boom77 says:

      Hallo Herr Lenz,

      mal wieder ein guter Kommentar, dem ich mich nur anschließen kann.

      Es bringt überhaupt nichts, in der Vergangenheit zu Leben. Was für uns zählt, ist das Hier und Jetzt mit einem Blick auf die vergangenen Speile unter dem neuen Trainerteam, um noch vorhandene Schwächen zu erkennen und – wenn möglich – abzustellen. Die Frage wie war es unter stöger und wie ist es heute oder sogar wie hätte es unter Stöger heute ausgesehen, ist nicht wichtig und man sollte sie gar nicht erst stellen.

      Und Schwächen gibt es bei uns nach wie vor. Die waren trotz der guten Ergebnisse offen sichtbar. Denn in den vergangenen Spielen – auch wenn sie erfolgreich waren – war nicht alles gut.

      Auf der Rechtsverteidigerposition muss man sich dringend was einfallen lassen. Das mit Sörensen ist für mich da keine Lösung. Er ist in allen Bereichen zu langsam (im Kopf und in der Geschwindigkeit), hat eklatante Stock- und insbesondere Abspiel-/Aufbaufehler drin und extreme Konzentartionsschwächen. Das ist auf dieser Position tödlich.

      Osako ist keine Option für diese Mannschaft. Er zeigt, dass er in der letzten Saison nur auf der „Euphoriewelle“ mitgeschwommen ist. Unter normalen Umständen und für sich alleine gesehen, ist er nicht bundesligatauglich. Ich hoffe, das Trainerteam sieht das endlich ein und er macht kein Spiel mehr. Den Kaderplatz kann man sinnvoller vergeben als ihn an Osako zu verschwenden.

      Peter Stöger ist einzig für die Analyse des kommenden Gegners wichtig. Und somit bei der Frage, was spielt der BVB derzeit für einen Fußball und wie kann ich ihn knacken. Da ist mir übrigens nicht Bange. Ich glaube ganz fest daran, dass wir zu Hause gegen den BVB gewinnen. Denn überzeugt hat der Stöger-Fußball, den er in Dortmund spielen lässt, bisher bei weitem nicht (siehe auch das 2:2 gegen Freiburg; da muss mit einer Mannschaft wie sie Dortmund hat, zu Hause mehr drin sein).

      Schon jetzt haben wir mit 7 Punkten in der Rückrunde eine sehr gute Punkteausbeute. Mit 10 Punkten nach dem Spiel gegen Dortmund wäre sie richtig super. Und dann müssen wir einfach weiter machen und an uns glauben. Dann sehen wir, was am Ende dabei raus kommt. Bleiben wir drin, super! Reicht es für die Relegation, auch sehr gut. Dann gehen wir die Relegation an. Steigen wir trotzdem ab, ist das so, aber wenigstens mit erhobenem Kopf und gehen den direkten Wiederaufstieg an.

      Come on Effzeh!

      • ralf brostewitz
        ralf brostewitz says:

        …danke boom 77, einer der wenigen hier die es mit osako so sehen wie ich ! osako ist stürmer und seit 2014 beim effzeh hat 97 spiele gemacht und dabei 12 tore erzielt , für mich für einen stürmer unterirdisch ! in den 3-4 jahren beim effzeh habe ich ihn vielleicht 5mal gut bis sehr gut gesehen, der rest …..für mich wird er total überbewertet – siehe bilanz ! beim stöger war es schon nibelungentreue, hoffentlich macht ruthenbeck nicht den gleichen fehler !? und im heimspiel gegen den bvb mal etwas mehr risiko gehen und mit T-ROD und sehrou anfangen ! COME ON EFFZEH !

  2. Karl Heinz Lenz
    Karl Heinz Lenz says:

    Ich kann es heute Abend noch nicht lassen und möchte Euch vor dem Spiel gegen den BVB noch über zwei Interviews von Toni Schumacher und Armin Veh informieren, die vorgestern und gestern veröffentlicht wurden. In beiden Interviews fragen die Sportjournalisten natürlich auch nach unserem ehemaligen Cheftrainer, der unseren kommenden Gegner trainiert und ein wenig auch nach unserem alten Sport-Geschäftsführer. Das Interview mit Toni Schumacher dürften viele schon kennen, das Interview mit Armin Veh wohl vielleicht nur wenige. Ich habe für uns im Wesentlichen die Teile rauskopiert, die sich mit Peter Stöger (einem unendlich ergiebigen Thema offenbar) und Jörg Schmadtke beschäftigen:

    Interview mit Toni Schumacher (KStA 25. 1. 2017):
    [ … ]

    Frage: Der FC muss jetzt auch nicht jedes Spiel gewinnen.

    TS: Stimmt, wobei wir schon nach wie vor außergewöhnlich gut punkten müssen. Ich finde es deshalb gut, dass der Trainer ausgerufen hat, dass jedes Spiel ein Endspiel ist. Das lebt er so vor und er findet da vor der Mannschaft genau die richtigen Worte.

    Frage: Die hatte Peter Stöger am Ende vielleicht nicht mehr gefunden. Hat sich der Verein zu spät von ihm getrennt?

    TS: Nach der Trennung bin ich zu vielen Fanklubs gefahren. Und überall habe ich zu Beginn dieselbe Frage gestellt: Wer hätte Peter Stöger länger behalten, wer hätte sich früher von ihm getrennt und wer wäre mit ihm sogar in die Zweite Liga gegangen, falls das möglich gewesen wäre? Meist war ein Drittel der Anwesenden für jeweils eine der drei Möglichkeiten. Fazit: Du kannst es zwei Dritteln nie recht machen. Wir haben bis zum Schluss gehofft, dass der Peter es noch schafft. Er hat hier lange Zeit einen sehr guten Job gemacht. Aber irgendwann hat es leider nicht mehr gepasst. Fußball ist ein Ergebnissport, und wenn die Ergebnisse nicht stimmen, dann passiert auch etwas im Verhältnis zwischen Trainer und Team. Trotzdem hatten wir eine außergewöhnliche Situation, weil es gegen Peter ja weder von den Medien noch von den Fans starke Kritik gegeben hat. Trotz zwei Punkten aus 13 Spielen. Das macht so eine Entscheidung natürlich nicht einfacher.

    Frage: Sie haben vor nicht allzu langer Zeit gesagt, dass Sie sich wünschen, Peter Stöger würde der Arsène Wenger des FC werden.

    TS: Das ist er doch geworden. Er ist zu demjenigen Trainer geworden, der am längsten beim FC im Amt war. Natürlich wäre es noch schöner gewesen, wenn für den Rekord nicht fünf Saisonstarts gereicht hätten, sondern es acht oder mehr geworden wären. Aber dafür musst du einfach Ergebnisse abliefern. Und die haben am Ende gefehlt.

    Frage: Eine Woche nach dem Aus in Köln wurde Stöger als Trainer von Borussia Dortmund vorgestellt. Offenbar waren der BVB und Stöger schon länger in Kontakt.

    TS: Ich weiß es nicht genau, Michael Zorc hat es ja nur angedeutet.

    Frage: In sechs Tagen schon kommt Peter Stöger mit seinem neuen Verein nach Köln. Was erwarten Sie?

    TS: Das wird besonders, das ist doch logisch. Aber für uns geht es um drei extrem wichtige Punkte, darauf konzentrieren wir uns und das steht für uns im Vordergrund. Ich persönlich habe solche Situationen früher als Spieler immer geliebt. Peter wird damit schon professionell umgehen – so wie wir ihn kennen.

    Frage: Stöger wirkte am Ende in Köln nicht mehr so kraftvoll wie in den Jahren zuvor. Er selbst hatte ja bereits im Sommer davon gesprochen, nach der vergangenen Saison „leer und urlaubsreif“ gewesen zu sein. Hat es Sie deshalb noch mehr gewundert, dass er so schnell nach Dortmund gegangen ist?

    TS: Du kannst ja keinem in den Kopf reingucken. Die meisten Trainer nehmen sich nach solch einer intensiven Zeit eine Auszeit.

    Frage: Gab es auch eine Entzweiung von Trainer und Mannschaft?

    TS: Entzweiung ist nicht das richtige Wort. Aber dass es nicht mehr so gepasst hat, wie es nötig gewesen wäre, das war in dem Gespräch mit dem Mannschaftsrat schon deutlich zu spüren.

    Frage: Hätten die Spieler da nicht auch mal den Mund aufmachen sollen?

    TS: Es ist kein Spieler zu uns gekommen und hat sich beschwert. Und öffentlich verbrennt sich doch heute eh keiner mehr den Mund. Neulich war ich mit Bernd Cullmann und Stephan Engels essen. Da haben wir genau über solche Themen gesprochen. Einmal hatte uns Schorsch Keßler (Georg Keßler, 1986 Trainer beim FC, d. Red.) drei Tage freigegeben. Da haben wir Führungsspieler zu ihm gesagt: Trainer, drei Tage frei, das geht einfach nicht.

    Frage: Wir müssen noch auf den Abgang von Manager Jörg Schmadtke Ende Oktober zu sprechen kommen. Hätte er nicht durchhalten müssen?

    TS: Die Entwicklung hat uns überrascht und schwer getroffen. Ich bin jemand, der in Krisen erst recht kämpferisch wird. Aber es ging nicht mehr weiter, und wir haben die Lösung gefunden, die für den Klub am besten war.

    [ … ]

    Interview mit Armin Veh (Der Westen, 26. 1. 2017):
    [ … ]

    Frage: Hat ein Spieler (des FC) in der Winterpause Sie um seine Freigabe gebeten?

    AV: Nein.

    [ … ]

    Frage: Kurz nach Ihrem Amtsantritt sagten Sie, Ex-Trainer Peter Stöger habe eine Mannschaft hinterlassen, die „mental und körperlich schwer angeschlagen“ sei. Bleiben Sie bei Ihrer Aussage?

    AV: Natürlich. Wenn ich 13 verletzte Spieler hinterlasse, muss ich mich fragen, wie es dazu kommen konnte. Ich selber war 27 Jahre lang Trainer. Und auch ich habe schon Fehler gemacht. So ist das eben. Deshalb wüsste ich mal gerne, warum man das nicht ansprechen darf. Oder glauben Sie, dass nur der Rasen daran Schuld ist, dass der 1. FC Köln vor wenigen Wochen drei Punkte hatte?

    Frage: Für diese Aussage braucht man Mut, weil Peter Stöger in Köln äußerst beliebt war.

    AV: Wieso braucht man dazu Mut? Peter Stöger wurde zu Recht von den Anhängern geliebt, weil er und alle anderen Verantwortlichen im Klub in über drei Jahren mit der Europapokal-Qualifikation etwas Wunderbares geschaffen haben. Dennoch muss man Dinge ansprechen dürfen, die nicht gut sind. Und drei Punkte und 13 verletzte Spieler sind eben nicht gut. Oder soll ich sagen, es war alles toll? Kritik gehört dazu, die musste auch ich in meiner Karriere aushalten.

    Frage: War der Stöger-Fußball schön?

    AV: Er war zweckmäßig.

    [ … ]

  3. Robert H.
    Robert H. says:

    Zunächst danke an Karl Heinz für die Wiedergabe der Interviews.
    Ich finde die Aussagen von Armin Veh im Sinne der Vermeidung von öffentlichem Nachtreten und Gewühle in der Vergangenheit wenig hilfreich. Und sie sind in diesem Interview ohne Begründungen und somit unsachlich. Begangene Fehler hat es mit Sicherheit gegeben, aber diese sollte intern aufgearbeitet werden (was sicherlich auch schon passiert ist). Die Verletzungen exclusiv dem Ex-Trainer anzulasten hat m.E. gar nichts mit dem „Aussprechen von Wahrheiten“ zu tun, sondern ist sachlich daneben. Herr Veh wird sich an diesen seinen Worten messen lassen müssen. Ich hoffe für den Verein, dass es einigermaßen gut für ihn ausgeht.

    Die Aussagen von TS empfinde ich da als ein wenig reflektierter.

    • Boom77
      Boom77 says:

      Ich kann Ihnen da überhaupt nicht zustimmen. Selbstverständlich hat Herr Veh das Recht, auch das Offensichtliche auszusprechen – zumal wenn weite Teile des Umfeld des Vereins dieses Offensichtliche gar nicht sehen wollten und sogar abgestritten haben. Das hat auch nichts mit „nachtreten“ zu tun. Dieses „Nachtreten“ oder zumindest die Regel, dass ein Nachfolger den Vorgänger nicht kritisieren soll, gilt für Herrn Veh in dieser Form ohnehin nicht. Auch wenn es für viele (einschließlich mir) noch ungewohnt ist: Herr Veh ist kein Trainer mehr. Er hat somit auch nicht gegen seinen Vorgänger „nachgetreten“.

      Für seinen Vorgänger (Herrn Schmadtke) hatte Herr Veh ganz im Gegenteil nur lobende Worte. So hat er zum Beispiel als sehr positiv herausgestellt, was für Verträge von Schmadtke abgeschlossen wurden (Gültigkeit auch für die 2. Liga und mit wesentlich geringeren Bezügen) und gesagt, dass es das in anderen Vereinen (vermutlich früher sogar beim Effzeh) auch schon anders gegeben hat.

      Ich finde, Herrn Veh kann man in seiner Kritik an Herrn Stöger nichts vorwerfen. Er kommt als neuer Geschäftsführer Sport zu einem Verein, der nach 16 (!) Spielen drei (!) Punkte und 13 (!) Verletzte mit teilweise eklatant auffälligen Muskelverletzungen hat. Er nahm dabei seine Arbeit in einem Umfeld auf, in dem eigentlich niemand irgendeine Kritik an dem Trainer Stöger äußerte sondern stattdessen von dem Großteil der Fans und der Journalie auf den Vorgänger von Herrn Veh und den Vereinsvorstand eingeprügelt wurde. Die „Stöger-Verehrung“ ging sogar so weit, dass der Hybridrasen auf dem Trainingsgelände schuld an den Verletzungen und damit wohl mittelbar an der äußerst katastrophalen Punktausbeute gewesen sein soll; nur nicht der „heilige Peter Stöger“.

      Und in dieser Gemengelage war es richtig und auch die Pflicht des Geschäftsführers Sport dieses (in meinen Augen mittlerweile völlig irrgeleitete) Umfeld mal darauf aufmerksam zu machen, dass es letztlich die tägliche Trainingsarbeit ist, die über Erfolg und Misserfolg entscheidet und das diese offenischtlich im letzten halben Jahr unter Stöger nicht gut gewesen sein kann, was ja auch (mit verklausulierten Worten) Teile der Mannschaft (so Timo Horn) und auch Teile des ehemaligen Trainerteams so erkannt haben (so z.B. unser ehemaliger Athletik-Trainer).

      Dies darf und muss Herr Veh sehr wohl auch öffentlich ansprechen, um so mal das Umfeld wieder einzunorden. Im Übrigen hat er auch keine „dreckicge Wäsche“ gewaschen. Er hat nur gesagt, dass offensichtlich Fehler gemacht wurden. Mehr nicht. Was das in seinen Augen im Detail für Fehler waren, hat er in der Öffentlichkeit mit keiner Silbe erwähnt. Da davon auszugehen ist, dass er, um diese Fehler abzustellen oder nicht zu wiederholen, darüber aber sicherlich im Verein mit den entsprechenden Personen im Detail gesprochen hat, zieht auch Ihr Argument, dass er dies intern hätte klären müssen, nicht. Er hat dies offensichtlich intern im Detail angesprochen und geklärt und damit nicht in der Öffentlichkeit.

      Im Übrigen muss sich Herr Veh auch nicht „an seinen Worten messen lassen“. Zumindest nicht, wenn es um das Thema geht, über das Sie sich hier beschweren, also die Trainingsarbeit. Denn auch hier zeigt sich, dass Sie bisher auch noch nicht vollkommen den Transfer zur jetzigen Position des Herrn Veh vollzogen haben. Nochmal: Herr Veh ist kein Trainer beim Effzeh. Er muss sich also nicht daran messen lassen, wie heute das Training gestaltet wird.

      • Robert H.
        Robert H. says:

        Schon wieder dieses Unwort vom „heiligen Stöger“. Bedauere, aber das kann ich nun echt nicht mehr hören!
        Wenn Herr Veh und nun auch wieder Boom 77 mit dem Vorwurf an Stöger in die Öffentlichkeit gehen, er sei schuld an den 13 Verletzten, dann müssen sie auch öffentlich klar stellen, welche der angeblich fahrlässig durchgeführten Trainingseineiten im Detail denn für die vielen Verletzten ursächlich gewesen sind. Und ich wage zu behaupten, dass zumindest Boom 77 wegen Unkenntnis daran scheitern wird.
        Zu behaupten, dass Stöger an den vielen Verletzten allein schuld ist, ist genauso lächerlich wie die Behauptung, dass der Hybrid-Rasen allein daran schuld ist. Ich erspare mir hier jetzt Details, weil das alles schon hundertfach diskutiert wurde.
        Herr Veh wird sich an seinen Worten messen lassen müssen, sobald der jetzige Höhenflug vorbei sein sollte. Oder sobald das Ausrufen von Endspielen zur nächsten Verletztenserie führen sollte. (Was hoffentlich beides nicht eintrifft.) Denn dann werden seine Worte auf ihn zurück fallen. Und ich befürchte, dass er in den genannten Fällen selbst in die Trainingsabläufe eingreifen wird, da er ja selbst mal Trainer war.
        Ich persönlich habe den Wechsel von Stöger zu Ruthenbeck durchaus vollzogen. Ich hatte zu Stöger meine Kritikpunkte, die ich hier nicht mehr ausführe und sehe positive Punkte bei Ruthenbeck. Stöger hatte die Verantwortung an der Misere, und daraus wurden Konsequenzen gezogen. Für mich heißt das Ende der Debatte an genau diesem Punkt.
        Noch einmal: ich finde Armin Vehs öffentlichen Vorwurf an Stöger ein völlig unnötiges Nachtreten. Daran ändern auch die Spitzfindigkeiten, er sei doch nur GF und kein Trainer nichts. Gar nichts. Es ist genauso fruchtlos, wie wenn ich hier nun zum x-ten Mal den 17 Mio „Fehleinkauf“ von Schmadtke durchkauen würde.

        Zudem steht der Kommentar von Boom 77 im völligen Widerspruch zur oben getätigten Aussage: „Es bringt überhaupt nichts, in der Vergangenheit zu Leben. “ Eigentlich dachte ich, wir wären hier schon so weit.

        • Karl Heinz Lenz
          Karl Heinz Lenz says:

          Zu dem mittlerweile ziemlich bekannten Wort vom „heiligen Peter“:
          Es hängt mit dem Wort „Menschenfänger“ zusammen. Irgendwer ist im Verlaufe des letzten halben Jahres auf die Idee gekommen, Peter Stöger aufgrund seiner ihm anscheinend eigenen väterlich-mütterlichen Sozialkompetenz als „Menschenfänger“ zu bezeichnen. Seitdem ist dieses Wort als Kennzeichnung für Peter Stöger in den Medien hundertfach wiederholt worden. Zuletzt noch einmal bei seinem Dienstantritt bei Borussia Dortmund. Aki Watzke charakterisierte ihn als Menschen mit einer großen Empathiefähigkeit, jemand, der die Mannschaft gewinnen und hinter sich bekommen kann. Er verwendete in diesem Zusammenhang auch das Wort vom „Menschenfänger“.
          Dieses Wort hat seinen Ursprung in der Bibel, und zwar im Neuen Testament. Als Jesus als noch relativ unbekannter Mann am See Genezareth entlang ging, traf er auf Petrus, der damals am See als Fischer arbeitete. Jesus sprach ihn an, weil er ihn als einen seiner Weggefährten gewinnen wollte. Er sollte ihm helfen, den Menschen die Botschaft Gottes zu verkünden. Jesus sagte deshalb sinngemäß zu Petrus: „Komm mit mir! Ab jetzt sollst du keine Fische, sondern Menschen fangen!“. Tatsächlich schloss sich Petrus (von ihm kommt der Vorname Peter) Jesus an und ging mit ihm. Er wurde später als Apostel und erster Papst tatsächlich ein Menschenfänger für Gott. Von daher zählt Petrus, zu dem Jesus später sagte: „Auf dich will ich meine Kirche bauen“ (Petrus heißt „der Fels“), zu den ganz großen Heiligen, lieber Robert.

          Von daher erklärt es sich, dass Peter Stöger, der von den Medien und vielen Menschen als „Menschenfänger“ bezeichnet wird, von anderen auch „Heiliger“ genannt wird. Vor allem von denjenigen, die der Auffassung sind, dass er bei vielen tatsächlich eine solche Verehrung genießt. Ob zu Recht oder zu Unrecht, das steht auf einem anderen Blatt.
          Also ist es nicht falsch, von Peter Stöger als dem „heilgen Peter“ zu sprechen.

          • Robert H.
            Robert H. says:

            Heilig! Heilig!
            Heilig ist Gott, der Herr!
            Nach dieser Logik, lieber Karl Heinz ist auch ein Neururer oder ein Bosz heilig zu sprechen.
            Habe noch nie irgendwelchen Götzen gehuldigt. Und die Behauptung, dass das die Medien und große Teile der Fans das tun ist Quatsch mit Soße.

        • Boom77
          Boom77 says:

          Es gibt gar keinen Widerspruch. Ich habe nur auf Ihre in meinen Augen völlig haltlose Kritik an Veh reagiert. Herr Veh hat seine Kritik vor Wochen kurz nach seinem Amtsantritt geäußert. In dem Interview, welches Herr Lenz zitierte, hat er nur auf die geäußerte Kritik an seinen Äußerungen reagiert. Es lebt also keine mehr in der Vergangenheit. Herr Veh nicht und ich nicht.

  4. Robert H.
    Robert H. says:

    Herr Veh kann intern über Stöger herziehen, wie er will, nach außen sollte er sich zurück halten. Er kann sich ein Beispiel an Ruthenbeck nehmen, der auf einschlägige Fragen gesagt hat, dass er die Dinge „anders“ machen will. Und ansonsten zu dem Thema die Klappe hält. Wofür er meine Symphathie hat. Genau so wie der Spieler Jojic, der Fragen in diese Richtung einfach abschmettert. Und sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren will.
    Genau wie ich für heute. Gute Nacht!

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar