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Dank Koziello und Bittencourt: Köln gewinnt in Leipzig

Der 1. FC Köln hat das Auswärtsspiel gegen RB Leipzig mit 2:1 (0:1) gewonnen. Schon nach fünf Minuten ging der Effzeh durch einen Treffer von Jean-Kevin Augustin in Rückstand. Doch dank einer starken zweiten Halbzeit und den Treffern von Startelf-Debütant Vincent Koziello und Rückkehrer Leo Bittencourt, drehte Köln das Spiel.

Aus Leipzig berichten Sonja Eich und Jonas Klee

„Mit breiter Brust auftreten“ wollte Stefan Ruthenbeck – trotz Tabellenplatz 18. Das hatte der FC-Coach im Vorfeld der Partie gegen RB Leipzig gefordert. Ralph Hasenhüttl, Trainer des Europa-League-Achtelfinalisten, hatte durchaus Respekt vor den Kölnern. Er warnte: „der Effzeh hat noch nicht aufgegeben“. Doch durch das Unentschieden zwischen Mainz 05 und dem VfL Wolfsburg betrug der Abstand auf den Relegationsplatz vor dem Spiel wieder zehn Punkte. Keine einfache Situation im Kampf um den Klassenerhalt.

Ausgangslage

Stefan Ruthenbeck veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum 1:1-Unentschieden gegen Hannover 96 auf zwei Positionen. Weder Salih Özcan, noch Milos Jojic konnten gegen die Niedersachsen überzeugen. Beide nahm der FC-Trainer aus der Startelf. Dafür setzte Ruthenbeck im Zentrum auf Vincent Koziello. Nach seinem starken Joker-Einsatz gegen Hannover durfte der Franzose erstmals von Beginn an auflaufen. Er begann auf der Sechs neben Marco Höger. Zudem entschied sich der Coach für einen Einsatz von Jannes Horn auf der linken Außenbahn. Nach dem Wechsel-Theater im Winter spielte der 21-Jährige zuletzt keine Rolle mehr. Ausgerechnet gegen RB Leipzig, die stark an einer Verpflichtung von Horn interessiert waren, kehrte er in die erste Elf zurück. In der Abwehr und auch im Angriff vertraute Ruthenbeck auf das gleiche Personal wie gegen Hannover.

Moment des Spiels

Es lief die 77. Minute. Leo Bittencourt war gerade eine Viertelstunde auf dem Platz, als sich Marcel Risse auf dem rechten Flügel gegen zwei Leipziger durchsetzte, den Kopf hoch nahm und den Flügelflitzer im Rückraum sah. Mit einem Querpass bediente er den Rückkehrer. Bittencourt schob aus rund sieben Metern zum 2:1-Siegtreffer ein.

Die wichtigsten Szenen

Stefan Ruthenbeck stellte seine Mannschaft wieder in einer variablen Formation auf. Defensiv wurde das etatmäßige 4-4-2 eher zu einem 5-3-2, wobei die Außen Jannes Horn und Marcel Risse bei eigenem Ballbesitz mit nach vorne rückten. Jonas Hector begann dafür im Zentrum – teilweise war er sogar der erste Offensivspieler, der den Gegner anlief. Es waren gerade einmal fünf Minuten gespielt, da lag der Ball auch schon im Netz von Timo Horn. Bruma hatte sich auf der linken Seite gegen Vincent Koziello durchgesetzt. Seine Hereingabe erreichte Ademola Lookman noch mit der Fußspitze und drückte den Ball an den Pfosten. Der Abpraller landete bei Jean-Kevin Augustin, der im Sechzehner völlig frei stand und den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste. Fünf Minuten später setzte der Effzeh ein erstes Ausrufezeichen. Jannes Horn spielte Yuya Osako schön frei, dessen Hereingabe Simon Terodde fand. Sein Kopfball zwag Peter Gulacsi zu einer Glanzparade. In der 20. Minute hatte Leipzigs Augustin das 2:0 auf dem Fuß. Meré verlor zunächst den Zweikampf gegen den Franzosen, der frei auf Horn zulief. Sein Schuss verfehlte das Tor jedoch um einen Meter. Mit zunehmender Spieldauer versuchten die Kölner besser ins Spiel zu kommen, hatten im Spielaufbau jedoch große Probleme. Auch die Umschaltsituationen wurden nur selten konsequent zu Ende gespielt. Stattdessen machte RB insbesondere in Person von Emil Forsberg, Augustin und Bruma immer wieder Druck. Nach einem haarsträubenden Fehlpass von Sörensen in die Füße von Marcel Sabitzer kam Augustin zu einer weiteren guten Chance, doch Timo Horn parierte glänzend (29.). Sabitzer (31.) und Forsberg (39.) vergaben weitere Großchancen. Kurz vor der Pause erzielte der Effzeh nach einer Ecke das 1:1, doch Torschütze Yuya Osako stand bei seinem Kopfball klar im Abseits. Zuvor hat Meré auf den Japaner verlängert. Hector hatte im Anschluss noch eine ordentliche Schusschance (46.).

Nach dem Seitenwechsel konnte Köln an die ordentliche Schlussphase der ersten Halbzeit anknüpfen und hatte gleich die erste Chance. Nach einer Ecke kam Sörensen zum Kopfball, Meré, der völlig frei vor Gulacsi stand, verpasste den Aufsetzer nur knapp (50.). Nur wenige später hatte Terodde eine weitere Möglichkeit. Sein Schuss wurde jedoch abgeblockt (56.). Auch in den Zweikämpfen war der 1. FC Köln deutlich präsenter als im ersten Durchgang. Leo Bittencourt, der für Horn in die Partie gekommen war und sein Comeback feierte, hatte im der 66. den Ausgleich auf dem Fuß. Doch sein Schlenzer vom linken Strafraumeck verfehlte das Tor knapp. In der 70. Minute wurde Kölns Anrennen dann belohnt. Nach einem langen Ball von Timo Horn trugen die Kölner den Ball über drei Stationen zu Koziello. Über Hector kam der Ball zu Risse, der Koziello im Zentrum fand. Der Franzose dribbelte Richtung Strafraum und schlenzte den Ball mit seinem linken Fuß halbhoch zum 1:1 in das Tor von Gulacsi. Nur sechs Minuten später ging Kölln dann sogar in Führung: Marcel Risse vernaschte auf der rechten Seite zwei Leipziger und legte den Ball zurück auf Bittencourt. Am Tag seines Comebacks schob der Linksaußen aus wenigen Meter zum 2:1 ein. In der Folge rannte Leipzig an und drängte auf den Ausgleich. Doch es blieb – dank einer starken zweiten Hälfte – beim durchaus verdienten Sieg der Kölner. Damit ist der Effzeh nun punktgleich mit dem HSV. Der  Rückstand auf den Relegationsplatz ist auf sieben Zähler geschrumpft. Auf einen direkten Nicht-Abstiegsplatz sind es acht Punkte.

Fazit

Zum Freuen: Der Effzeh gewinnt dank einer Leistungssteigerung in Leipzig.

Zum Ärgern: Heute gibt es keinen Grund sich zu ärgern.

Mann des Tages: In der 61. Minute feierte Leo Bittencourt sein Comeback und erzielte 16 Minuten später den Siegtreffer.

Aufstellung

Horn – Sörensen, Meré, Heintz, Hector – Risse, Höger, Koziello (88. Lehmann), J. Horn (61. Bittencourt) – Osako (82. Özcan), Terodde

Tore

1:0 Augustin (5.), 1:1 Vincent Koziello (70), 1:2 Bittencourt (77.)

18 Kommentare
  1. NICK says:

    Zum Ärgen: Gibt es doch was. Das wir alle vor dem 0:1 wie die Götzen stehen geblieben sind. Auch dieses Tor wäre einfach zu verhindern gewesen…so wurds nur noch schwerer – aber geil, dass es so geklappt hat. Nach zwei nicht geholten eingeplsnten Punkten gegen Hannover sind wir jetzt wieder voll im Plan.

  2. Paul Paul says:

    Mein Gott, war die erste Halbzeit schlecht. Da hätte uns Leipzig aus dem Stadion schießen können. Man sollte auch nicht vergessen, dass Leipzig am Donnerstag ein superanstrengendes Spiel hatte. Leider hat der FC nach der Führung das Spiel wieder aus der Hand gegeben. Diesmal hatten sie das Glück, dass Leipzig erledigt war, sonst wäre das vielleicht ins Auge gegangen. Wenn ich höre, dass der Horn mit einem Wechsel nach Leipzig liebäugelt, dann kann ich mir nur an den Kopf fassen: Der soll erst einmal in Köln ein gutes Spiel machen. Toll waren Koziello und Risse, aber es gibt keinen Grund für Euphorie. Am nächsten Wochenende gegen Stuttgart können sie zeigen, was der Sieg wert ist.

    • Boom77 says:

      Hallo Paul Paul! Endlich mal ein Kommentar ohne „Vorstand raus!“. Finde ich gut. Und dann auch noch gleich einer, dem ich mich anschließen kann. In der ersten Halbzeit hatten wir wirklich Glück und nach 5 Minuten hatte ich schlimmes befürchtet. Unsere Jungs müssen endlich mal in die Köpfe bekommen, dass sie von der erste Sekunde an da sein müssen. Ich hatte schon oft den Eindruck, dass sie in der ersten Halbzeit eigentlich einen „Angsthasenfußball“ spielen. Das kann ich mir auch gar nicht erklären, warum das bei denen so ist? Denn sie zeigen ja regelmäßig durch sehr gute zweite Halbzeiten, dass sie es drauf und keinen Grund haben, so ängstlich aufzutreten.

      Jedenfalls war die zweite Halbzeit richtig gut von den Jungs. Wenn Osako jetzt noch lernt Bälle zu stoppen, gar nicht auszudenken, wo wir dann landen ;-)

      Der Sieg gegen Leipzig war somit nicht nur glücklich. Und für das Glück in der ersten Halbzeit sollten wir uns nicht entschuldigen. Wir hatten auch schon genug Pech diese Saison. Da nehmen wir das wenige Glück, das wir noch bekommen, gerne mit.

      • J B says:

        Hi Boom. Finde das Wort „Angsthasenfussball“ für das gestrige Spiel deplaziert. Wir sind den Gegner früh angelaufen und haben uns eigentlich nicht wie eine Gastmannschaft angestellt die die Heimmanschaft in die Pflicht nimmt das Spiel zu machen. Das Augustin beim 1:0 so frei stand (und das selbe gilt auch für die Abschlüsse von Forsberg und Sabitzer später) war dem Umstand geschuldet, dass die beiden Sechser nicht richtig mit nach hinten gearbeitet haben in der Situation.

        • Boom77 says:

          Das sehe ich gerade was den Beginn des Spiels betrifft anders. Da waren wir viel zu ängstlich und haben uns überhaupt nichts zugetraut. Ich finde, das war sogar bis zur 40. Minute so. aber da darf jeder gerne seine eigene Meinung haben.

  3. Karl Heinz Lenz says:

    Ich freue mich sehr, auch für jeden aus der Mannschaft! Der Sieg in Leipzig dürfte das Selbstvertrauen unserer Jungs stärken. Es wäre toll, wenn Koziello und Bittencourt gut dabei blieben. Das gibt uns mehr Möglichkeiten. Wenn Vincent eine Stütze der Mannschaft werden und bleiben könnte und Simon Terodde weiterhin so gut spielt, dann hätte sich am Ende auch die Neuverpflichtung eines anderen gelohnt, der gar nicht auf dem Platz steht: Armin Veh. Na, wir müssen ruhig („Ruhig, ganz ruhig …!“) bleiben und werden dann sehen.
    Was die frühen Gegentore kurz nach Spielbeginn angeht, so stünde der FC vermutlich in einer dafür eingerichteten Tabelle ziemlich weit oben, oder? Auch unter Peter Stöger war es schon so. Mein damaliger Vorschlag soll an dieser Stelle wiederholt werden: Unsere Jungs brauchen kurz vor dem Anpfiff jeder eine Tasse guten Kaffee! Anders schein es nicht zu gehen. Könnte jemand aus unserem Kreis das in die Hand nehmen? Hat jemand von uns Kontakt zu Toni Schumacher? Der geht regelmäßig in das italienische Restaurant auf dem Zugweg in der Kölner Südstadt. Direkt gegenüber ist eine italienische Café-Bar, das „Formula Uno“. Der Toni könnte dort vereinbaren, dass das „Formula Uno“ unsere Jungs durch ihren wirklich tollen Espresso wach hält oder wieder wach kriegt. Das wäre mir wirklich ein Anliegen.

    • Ali Perez says:

      Ich schlage vor, dass jeder Spieler kurz vor Spielbeginn an den Kontakten einer 9-Volt-Batterie lecken muss. Das machen einige Spitzenathleten, um beim Wettkampf hellwach zu sein. Dann sollte es gegen den VfB ohne Rückstand klappen.

      • Michael H says:

        Macht sicherlich mehr Sinn, da der vom Koffein ausgelöste Harndrang für sportliche Spitzenleistungen nicht unbedingt förderlich ist. Aber es gibt ja auch diverse andere (legale) Stoffe. Wobei ich mir sicher bin, dass heutzutage kein Bundesligaprofi ohne einen Chemikaliencocktail aufs Feld geht. Wäre ja auch grob fahrlässig von der medizinischen Abteilung sowie vom Trainerstab, das nicht zu tun.

  4. Michael H says:

    Was haben hier noch einige gegen Ruthenbeck gewettert in den letzten zwei Tagen. Da hält er dann mal eine vernünftige Ansprache – so wie im Dezember und im Januar auch – und plötzlich glauben die Spieler zur Abwechslung wieder mal an sich selbst.

    Hoffentlich klappt das noch einige Male. Mit Siegen gegen Bremen und Stuttgart sähe die Lage ja schon sehr viel besser aus. Wichtig ist es, die rote Laterne bald an den HSV abzugeben: das sollte der Mannschaft einen psychischen Schub geben.

  5. Robert H. says:

    Schön, hier nach langer Zeit wieder mal gut gelaunte Kommentare zu lesen!

    Welcome back, Marcel und Leo! Ohne euch sind wir nur die Hälfte wert. Seht zu, dass ihr fit und gesund bleibt, denn im Ernst: nur dann lebt die minimale Chance weiter.

    Ruthenbeck, Veh, Stöger, Schmadtke, völlig egal: die 1. Reihe dieses Kaders, jetzt verstärkt durch Koziello und Terodde und ohne 3-fach-Belastung ist bundeligareif. Die 2. Reihe leider nicht.

    Und trotzdem – jedes Spiel wie dieses auch dient nur dazu, diese episch unglückliche Seuchenhinrunde wieder gerade zu rücken. Falls dann noch die wundersame Rettung dabei herausspringt – umso besser!

    • Boom77 says:

      Hallo Robert H.! Sehe ich genauso so. Wenn unserer „erste Elf“ fit und gesund ist, dann sind wir erstligareif. Ich gehe sogar so weit, dass dann – sofern andere mal wieder schwächeln – regelmäßig eine Saison wie die letzte drin sein könnte.

      Das Problem ist nur, dass man mit 11 Spielern nicht über eine Saison kommt. Und wenn man dann mehr Verletzte hat (es muss ja nicht mal die grotesk hohe Anzahl wie in der Hinrunde sein), bekommen wir immense Probleme und können eigentlich nicht mithalten.

      Das zeigt, dass der Kader schlecht aufgestellt ist, was unabhängig von der Ligazugehörigkeit im Sommer angegangen werden muss. Bestes Beispiel ist die Thematik um die „gestern zu Hause Gelassenen“. Es kann doch nicht sein, dass wir sechs Spieler für die Sturmspitze aber eigentlich keinen für die linke Mittelfeldposition haben, wenn Leo verletzt ist, und für die rechte Außenverteidigerposition sogar überhaupt keinen bundesligatauglichen Spieler.

  6. OlliW says:

    Der FC kann überzeugend noch ein Spiel drehen. Das ist eine wertvolle und in dieser Runde neue Erkenntnis. Führung verspielen und Rückständen erfolglos hinterherrennen hatten wir ja schon. ;-O
    Man muss sich auch klar machen, dass in gesamten dieser Saison noch nie so eine gute und stimmige Mannschaft auf dem Platz stand! Mit der Leistung aus der 2. HZ, mit den fitten, motivierten und kämpfenden und Ideen habenden Risse, Terodde, Koziello, Bittencourt ist das eine ganz andere Sache als in der Hinrunde. Auch Hector und Merè haben ihre Sache unterm Strich gut gemacht. Ebenso hat Osako bis zum Ausfall viel versucht und geackert.

    Noch zehn Partien! Mit dieser Aufstellung und Leistung als Blaupause geht, wie man sieht, auch was gegen spielstarke Teams (da kommen ja noch Schalke, die Pillen und die Bayern auf uns zu). Zuhause gegen Stuttgart und Mainz müssen die Big Points her. In Bremen gerne auch. Auch in Berlin und Hoffenheim kann man so was mitnehmen. Kurz: ein paar Siege braucht es definitiv noch. Es ist sehr gut möglich, dass sich das mit der Relegation am letzten Spieltag in Wolfsburg entscheidet und ein echtes Herzschlagfinale wird! Und sehr schön, dass die Möglichkeit bestehen bleibt durch Leitungen wie gestern!

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