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„Wenn wir zusammen bleiben und die Chance bekommen“

Herz-OP! Sorgen um Werner Spinner

Es sollte ein fröhlicher Geburtstag werden für den 1. FC Köln. Doch die Freude über den 70. Jahrestag wollte bei den Verantwortlichen nicht so wirklich aufkommen. Am Abend wurde klar, wieso: Werner Spinner muss am Herzen operiert werden.

Köln – „Die OP kommt überraschend“, teilte Werner Spinner am Dienstagabend mit. „Ich bin sicher, dass alles gut laufen wird und zuversichtlich, nach meiner Reha wieder voll für den FC da sein zu können. Aber zunächst hat die Gesundheit Vorrang.“ Spinner wird nach der OP zunächst einige Wochen lang nicht in Köln sein. Seine Rückkehr wird erst einige Zeit nach dem Eingriff vorhersehbar sein.

Am Dienstagmorgen stand Werner Spinner noch im Rampenlicht, enthüllte auf der Luxemburger Straße 188 an der Häuserfassade das FC-Wappen zu Ehren des Gründungsortes des Klubs. Doch Spinner verschwand schnell wieder. Wie in den letzten Wochen auch, machte sich der Präsident rar. Nun scheint klar, warum der Präsident in der letzten Zeit so wenig in der Öffentlichkeit auftrat. Der 69-Jährige muss bewusst kürzer treten, und an ihm ist der Absturz des Klubs in den letzten Monaten genauso wenig vorbeigegangen wie an den anderen Verantwortlichen.

Schumacher blickt mit Wehmut zurück

Das war auch bei Toni Schumacher zu spüren, ein Urgestein des Effzeh, seit er vor 46 Jahren zum Klub am Geißbockheim kam. Inzwischen ist er seit fast sechs Jahren Vizepräsident. Doch über den 70. Geburtstag seines Klubs konnte er sich am Dienstag nicht so richtig freuen. Die aktuelle Situation überlagerte die Feierlichkeiten, hinzu kamen die Sorgen um Spinner, die zu diesem Zeitpunkt des Tages aber noch nicht öffentlich waren. So sprach Schumacher mit Wehmut über das einstige „Real Madrid des Westens“, das der FC früher gewesen sei. „Leider sind wir von diesen Zeiten etwas abgerückt.“ Vielleicht auch etwas weiter, wenn man bedenkt, dass noch nie eine Kölner Mannschaft nach 22 Spieltagen gerade einmal 13 Punkte auf dem Konto hatte.

Der tiefe Sturz seines Klubs hat Schumacher und seine Vorstandskollegen schwer getroffen. Speziell aber den Fußballer, der sich nach den erfolgreichen letzten Jahren nicht hatte vorstellen können, dass es so schnell wieder bergab gehen könnte. Er sieht sich bekanntlich bis heute als Kind der Bundesliga, der ersten Liga, des Oberhauses. Gedanken an die Zweite Liga bereiten ihm physische Schmerzen. „Ich wollte eigentlich nicht noch mal absteigen.“ Noch immer hofft er, dass die Mannschaft die Kurve kriegt, „um das Unmögliche möglich zu machen“. Wer Schumacher kennt, weiß, dass er am liebsten selbst noch mal auf den Platz gehen würde, wenn er das Gefühl hätte, es würde etwas bringen.

5 Kommentare
  1. Paul Paul says:

    Der Vorstand ist der maßgebliche Faktor dieser Krise, weil er seine Aufsichtspflicht grob vernachlässigt hat. Wenn Toni Schumacher loyal zum Vorstand ist, dann muss er auch die Konsequenzen mittragen. Ansonsten kann er ja zurücktreten und sich als Gegenkandidat positionieren. Es war auch nicht richtig, den Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Sieger 2016 zu entlassen, weil er sich übergangen fühlte und dagegen gewehrt hat. Wer so selbstherrlich wie Präsident Spinner handelt, der muss auch akzeptieren, dass er die Folgen verantworten muss! Vorstand raus!

  2. NICK says:

    Der jetzige Vorstand ist demokratisch gewählt. Er soll seine Amtszeit zu Ende bringen, die Chance bekommen die jetzige Situation auszubügeln. Aber ich hoffe, dass dann zur Neuwahl eine frische Alternative zur Wahl stehen wird. Dieser Vorstand hat definitiv viel Gutes gebracht, aber auch Fehler gemacht. Er wirkt zunehmend verbraucht.

  3. Michael H says:

    Über die Rolle des Vorstandes haben wir am Ende des vergangenen Jahres viel in den Kommentaren hier diskutiert. Letztlich ist es aber so, dass die (vereins-)öffentliche Meinung deutlich positiver ist als unser Fazit hier. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich weniger mit Details beschäftigt.

    Der Vorstand ist auf der Erfolgswelle geritten und hat seine Pflichten nach und nach verletzt, da er leichtsinnig wurde. Spinner und vielleicht auch Ritterbach traue ich zu, dass sie prinzipiell das Zeug dazu haben, ihre Jobs vernünftig auszufüllen – und vielleicht auch wirklich die Karre aus dem Dreck ziehen wollen. Schumacher hat meines Erachtens schlicht nicht die Qualität, die ich mir wünschen würde, und ich hoffe sehr, dass er dem nächsten Vorstand nicht mehr angehören wird.

    Bei Spinner kann ich mir derzeit nicht vorstellen, dass er nochmal antritt. Das dürfte aber auch von seinem Gesundheitszustand abhängen. Alles Gute dafür.

    Und Ritterbach? Er ist in der Öffentlichkeit ja so gut wie gar nicht aufgetaucht – da bleibt die Frage, ob man ihn denn wirklich braucht. Die Sponsorenverträge der letzten paar Jahre waren nun auch nicht unbedingt herausragend für die Kölner Situation und das existierende Marketingpotential.

    Lange Rede, kurzer Sinn: für Schumacher sollten wir Ersatz finden – jemanden, der tatsächlich Ahnung vom (modernen) Fußball hat. Zu Ritterbach und Spinner habe ich keine klare Meinung derzeit.

  4. Karl Heinz Lenz says:

    Die Situation beim FC ist ja insofern komplizierter als in manch anderem Verein, da es ja beim FC zwei „Machtzentren“ gibt.
    Die beiden Geschäftsführer leiten eigentverantwortlich die Abläufe innerhalb der KG, also insbesondere im Profibereich. Dazu kommt dann noch der Cheftrainer, der unter dem Geschäftsführer Sport arbeitet. Wenn ich es damals richtig verstanden habe, dann war es mit dieser Konstruktion die Absicht, die eigentlichen Abläufe in die Hand von „Profis“ zu legen, die weitgehend unabhängig vom ehrenamtlichen oder vergleichsweise gering bezahlten Vereinsvorstand ihren Job auf hohem fachlichen Niveau machen können. Es sollte also anders als wie unter dem Sonnenkönig werden, der angeblich dauernd donnerstags hineinregiert haben woll. Ein solches „Geschäftsführer-Modell“ wird ja seit langem erfolgreich praktiziert zum Beispiel in Dortmund mit Aki Watzke und seinen Geschäftsführer-Kollegen, oder bei Bayer Leverkusen oder in Mönchengladbach usw. Dort spielen die Vereinsvorstände für den Profibereich nur die zweite Geige. Teilweise kennt die Öffentlichkeit die Namen auch kaum.
    Beim FC könnte das auch so sein, aber bei uns ist der Vereinsvorstand neben den Geschäftsführern das zweite „Machtzentrum“. Müsste nicht so sein, ist aber. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass traditionell beim FC die Präsidenten immer eine große Nummer waren und dass auch heute noch die Stadt, die Fans und das Umfeld Bedarf nach einem Vorstand haben, der nach außen hin dauernd präsent ist und der an den Tagesgeschäften des Vereins immer irgendwie beteiligt ist. Das erstere erkennt man zum Beispiel an der Person von Ritterbach, dem immer wieder vorgeworfen wird, dass er sich in der Öffentlichkeit nicht oder zuwenig äußert. Das zweite wurde drastisch deutlich bei der berühmten Abfindung für Jörg Schmadtke, die ja vom Präsidenten schlicht angeordnet wurde.
    Mir stellt sich die Frage, ob man denn weiter mit zwei Machtzentren beim FC arbeiten soll oder nicht. Oder: Brauchen wir wirklich einen Vorstand, der sich wie Spinner intern oder wie Schumacher extern unablässig in das Tagesgeschäft reinhängt.
    Ich schätze mal, dass die Vorstandsfrage beim FC demnächst ganz hoch gehängt werden wird, obgleich ich mir sicher bin, dass wir besser mit einem Vorstand arbeiten könnten, der im Hintergrund die Arbeit der Geschäftsführer und deren Mitarbeiter unterstützt.
    Diese Lösung stößt sich natürlich an das in den letzten Jahren beim FC stark aufgekommene Bild, demzufolge der FC viel Demokratie braucht und die Mitglieder und Fan-Clubs möglichst viel zu sagen haben müssen. Wirkt sympathisch, führt aber dazu, dass das Sachgeschäft des FC stark abhängig von Stimmungen und Medien wird, wie wir es besonders im Fall Stöger gesehen haben, mit den bekannten Folgen.

    • Michael H says:

      Vollkommen richtig.

      Und da ich mehr schreiben muss, da mit dieser Kommentar erscheint, dann halt nochmal in meinen Worten: das Problem mit Vereinsdemokratie im Profigeschäft ist, dass sich langfristige Strategien und wohlüberlegtes Handeln nicht gut mit dem medialen Druck (positiv oder negativ) kombinieren lassen. Wenn die Führung des Vereins ‚ihr Ding‘ macht, ist das kein allzu großes Problem, da nur jede paar Jahre mal Wahlen anstehen. Durch x Gremien und Transparenz wird es aber natürlich viel schwieriger, gewisse Entscheidungen zu fällen und/oder diese durchzuhalten.

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