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Kommentar: Veh muss die Post-Schmadtke-Ära einläuten


Den Abstieg hätte es zum Umbruch beim 1. FC Köln wahrlich nicht gebraucht. Doch nun kommt es eben so. Armin Veh muss in dieser Zeit den Effzeh neu erfinden. Denn vom alten Köln, das letztes Jahr noch nach Europa stürmte, ist nichts mehr übrig geblieben. Der Sportchef muss nach Jörg Schmadtke und Peter Stöger eine neue Ära einläuten.

Köln – Jörg Schmadtke? Weg. Jörg Jakobs? Weg. Peter Stöger, Manfred Schmid und Alexander Bade? Weg, weg und weg. Yann-Benjamin Kugel? Weg. Marcel Abanoz? Weg. Und am 12. Mai endet auch die Zeit von Stefan Ruthenbeck. Der Noch-Trainer wird durch Markus Anfang ersetzt. Armin Veh hat in vier Monaten den FC auf links gekrempelt. Nur eine Großbaustelle hat er noch vor sich: den Kader.

Woran sich Veh messen lassen muss

Viereinhalb Jahre Schmadtke und Stöger liegen hinter dem 1. FC Köln. Veh weiß, dass er sich nicht nur persönlich, sondern auch in seinen Personalentscheidungen von seinem Vorgänger Schmadtke und dessen Mitarbeitern unterscheiden muss. Diesen Neuaufbau hätte der neue Sportchef zwar gerne in Liga eins betrieben – und es wäre auch realistisch möglich gewesen. Doch weder das Präsidium um Werner Spinner noch die beiden Geschäftsführer Alexander Wehrle und eben Veh glaubten im Winter wirklich noch an die Rettung. Das werden sie sich vorwerfen lassen müssen, denn die im Winter getroffenen Personalentscheidungen lassen keinen anderen Schluss zu. Bekanntlich wurde auf einen Rechtsverteidiger verzichtet. Die Trainerfrage hingegen wurde mit der halbjährigen Interimslösung Ruthenbeck aus den eigenen Reihen nur vorübergehend gelöst.

Nun wird mit Markus Anfang also ein neuer Mann kommen, der in Kiel für offensiven, attraktiven Fußball steht. Anders als Peter Stöger vor ihm, der seinen Erfolg in Köln vor allem auf eine starke Defensive gebaut hatte. Veh hat in den letzten Wochen deutlich gemacht, dass er ansehnlichen Fußball beim FC sehen will. Deswegen hat er sich für Anfang entschieden. Der gebürtige Kölner ist damit Vehs Königstransfer für die kommende Saison. „Er ist ein Trainer, der einer Mannschaft erkennbar eine Handschrift mit auf den Weg geben kann.“ An diesen Worten Vehs muss sich der Sportchef in der nächsten Saison genauso messen lassen wie der Trainer. Doch Vehs Weg, sich frühzeitig für einen solchen Trainer festgelegt zu haben, ist konsequent und richtig. Nur so kann er den FC wieder in die Spur bringen.

Jetzt muss Veh den Kader ausmisten

Nun hat er also die wichtigsten Planstellen mit neuen Gesichtern besetzt: mit Anfang als Chefcoach, mit dessen Assistenten Tom Cichon, mit Frank Aehlig als Nachfolger von Jörg Jakobs sowie mit Andreas Menger, Max Weuthen und Dennis Morschel im Funktionsteam. Vehs Weg darf an dieser Stelle aber noch nicht vorbei sein. Er muss zwingend noch einen weiteren Schritt vollziehen: Er muss einerseits Anfang die Spieler zur Verfügung stellen, die es für dessen Spielidee braucht. Andererseits muss er den bestehenden Kader dringend ausmisten. Zu lange hat der 1. FC Köln seinen Spielern eine Wohlfühlatmosphäre gegeben, in der sich zu viele Spieler schließlich bequem gemacht haben.

Spieler wie Pawel Olkowski, Christian Clemens und Milos Jojic spielen sportlich praktisch keine Rolle. Anderen, deutlich verdienteren Spielern wie Matthias Lehmann wurde zu lange kein reiner Wein eingeschenkt. Der inzwischen 34-jährige Kapitän hatte im letzten Herbst noch einmal einen neuen Vertrag bekommen, obwohl selbst Förderer und Freund Stöger intern Zweifel angemeldet hatte, ob dies perspektivisch richtig sei. Veh muss sich nun deutliche Einschnitte trauen. Erst, wenn er auch bei den Spielern ansetzt und im Zweifel auch unpopuläre Maßnahmen trifft, wird er den Kader für die Zweite Liga erfolgreich aufstellen können und damit seine eigene Handschrift hinterlassen.

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