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Gleiches Datum, gleicher Gegner – Was passiert sechs Jahre nach der Schwarzen Wand?


Wie auf den Tag genau vor sechs Jahren steht der 1. FC Köln heute vor seinem letzten Bundesliga-Heimspiel. Und auch damals hieß der Gegner Bayern München. Damals legte die Schwarze Wand einen dunklen Schleier auf den Effzeh. Und heute? 

Köln – Der fünfte Abstieg der Vereinsgeschichte jährt sich heute zum sechsten Mal. Am 5. Mai 2012 war ein zerrütteter und am Boden liegender 1. FC Köln am letzten Spieltag nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern München in die Zweitklassigkeit abgestürzt. Und wie es die Ironie des Schicksals will, treffen die Kölner auf den Tag genau sechs Jahre später erneut auf den deutschen Rekordmeister. Und wie schon 2012 ist es auch dieses Mal für den Effzeh das vorerst letzte Heimspiel in der Fußball-Bundesliga.

Ausnahmezustand begleitet Effzeh in Liga zwei

Wer vor sechs Jahren live im Stadion war, wird die Bilder der schwarzen Rauchwolken nie wieder vergessen. Nach einer katastrophalen Rückrunde mit nur neun Punkten folgte im letzten Heimspiel der Saison der traurige Höhepunkt: Während sich die Hertha aus Berlin mit einem 3:1-Sieg über Hoffenheim in die Relegation rettete, stand nach der 1:4-Pleite gegen die Bayern der fünfte Abstieg der Vereinsgeschichte des Effzeh fest. Was folgte, war ein Ausnahmezustand im RheinEnergie-Stadion. Schwarzer Rauch und rote Feuerwerkskörper, flüchtende Spieler, „Absteiger, Absteiger“-Rufe sowie zahlreiche Wut-Plakate begleiteten den Niedergang des Traditionsvereins.

Was folgt auf die Schwarze Wand?

Sechs Jahre später steht nach der Saison das gleiche Resultat fest, und doch stehen die Kölner an einem gänzlich anderen Punkt. Der Verein ist finanziell gesund und kann zahlreiche Leistungsträger und Identifikationsfiguren davon überzeugen, mit in die 2. Liga zu gehen. Die sportliche Perspektive für den direkten Wiederaufstieg stimmt. Zudem gehen Fans und Mannschaft als „Einheit“ in die 2. Liga, wie es Timo Horn nach dem Abstieg in Freiburg bezeichnete. Schon nach dem 2:2 gegen Schalke wurden die FC-Spieler minutenlang fast schon bejubelt. Nach der Niederlage und dem feststehenden Abschied in Freiburg demonstrierten die Kölner Anhänger dann eindrucksvoll mit ihrer gesanglichen Einlage von „En unsrem Veedel“, dass sie uneingeschränkt hinter ihrer Mannschaft stehen. Ähnliche katastrophale Szenen wie vor sechs Jahren wird es also heute gegen München wohl kaum geben.

Einige Fans unzufrieden mit der Außendarstellung

Dennoch gibt es auch einige Anhänger, die mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind. Nach einer weitestgehend chancenlosen Saison hat vor allem der Vorstand bei den Fans einiges an Kredit verspielt. Die positive Stimmung, die von Seiten des Vereins trotz des wohl unnötigsten Abstieg aller Zeiten verbreitet wird, ist insbesondere den Ultras ein Dorn im Auge, die den Vorstand auch zuletzt wieder frontal angegriffen hatten. Auch, dass Vize-Präsident Toni Schumacher den Abstieg in dieser Saison als einen „Unfall“ betitelte, sorgte für großes Unverständnis. Zuletzt veröffentlichte die Ultra-Gruppierung „Wilde Horde“ eine zehnseitige Stellungnahme, in der vor allem der wenig professionelle Stil des Vereins kritisiert wurde (hier mehr dazu).

Daher müssen sich die Verantwortlichen durchaus darauf gefasst machen, dass einige Anhänger ihrem Unmut ihnen gegenüber Luft verschaffen werden. Vergleichbare Aktionen wie vor sechs Jahren sind trotz allem nicht wahrscheinlich. 2012 sind zahlreiche Spieler mit dem Geißbock auf der Brust abgestiegen, die jegliche Identifikation hatten vermissen lassen. Dieses Jahr geht der Effzeh als Mannschaft gemeinsam mit den Fans im Rücken in die zweite Liga. Daher wird der Großteil der Fans ihrer Mannschaft einen versöhnlichen Abschied aus der Bundesliga gewähren wollen.

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