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Die Akte Modeste: Der Deal, der alles veränderte


Elf Monate nach dem Wechsel von Anthony Modeste vom 1. FC Köln zu Tianjin Quanjian ist offenbar klar, welches Finanzkonstrukt im Juli 2017 tatsächlich zum Transfer des Franzosen geführt hat. Die Kölnische Rundschau hat den komplexen Deal aufgearbeitet und auch aufgedeckt, dass Köln offenbar versucht hatte an einigen Stellen zu tricksen.

Köln – „Es gibt keine Verhandlungen, Schluss, aus!“ Mit diesen Worten hatte Jörg Schmadtke am 28. Juni 2017 das Thema Modeste für beendet erklärt. Zwei Wochen später war der Transfer dann doch perfekt. Modeste nach China – über Umwege, die steuerlich fraglich gewesen wären bis hin zu einem Leihmodell über zwei Jahre bei sofortiger Zahlung.

Effzeh scheute einen Gerichtstermin

Wie die Rundschau am Donnerstag berichtet, einigten sich die Klubs nach wochenlangen Gesprächen auf eine zweijährige Leihe zu zweimal 5,7 Millionen Euro mit einer anschließenden Kaufverpflichtung durch die Chinesen. Der vollständige Transferbetrag wurde dem FC aber schon sofort zur Verfügung gestellt. Die Einigung war zustande gekommen, nachdem Modeste sich in den Trainingsbetrieb hatte einklagen wollen – und vor Gericht alle Parteien hätten öffentlich aussagen müssen.

Dies, so berichtet der Rundschau-Reporter Martin Sauerborn, wäre allerdings nicht im Interesse des Effzeh gewesen. Denn dieser hatten zuvor offenbar versucht, Modeste mit einem spanischen Modell nach China zu transferieren. Wie einst Javi Martinez bei Athletic Bilbao für seinen Wechsel zum FC Bayern, hätte sich Modeste selbst aus seinem Vertrag in Köln herauskaufen sollen, um anschließend als vertragsloser Spieler nach China zu wechseln, um von dort wiederum die Vertragsstrafe wiederzubekommen. Doch weil dieses Modell in Deutschland eigentlich verboten ist, hätte Modeste im lohnsteuerlichen Risiko gestanden, da er die von den Chinesen erstattete Vertragsstrafe in Deutschland hätte versteuern müssen.

Schumacher liegt deutlich daneben

Diese Details hätte sich wohl ein deutsches Gericht erläutern lassen, wäre es am 13. Juli 2017 tatsächlich zu einer Verhandlung gekommen. Auf diese hatten Modestes Anwälte gedrängt, nachdem der FC den Franzosen vom Trainingslager in Bad Radkersburg (9. bis 14. Juli) ausgeschlossen hatte, „damit er sich mit seiner Zukunftsplanung beschäftigen kann“, wie es von FC-Seite geheißen hatte. Einen Tag später, am 10. Juli, hatten Modestes Rechtsvertreter daraufhin mit einer Klage am Kölner Arbeitsgericht reagiert. Ein insofern wichtiges Datum, da man beim FC erst am 11. Juli öffentlich auf diesen juristischen Schritt reagierte. Im Hintergrund hingegen handelte der Klub umgehend, und noch vor der Verhandlung (für den 13. Juli angesetzt) war der Deal mit den Chinesen und Modeste in trockenen Tüchern.

„Schön, dass Tony da war, schön dass das Thema jetzt durch ist – nach dem ganzen Theater zuletzt“, sagte damals Vize-Präsident Toni Schumacher. „In der Sache am meisten geschadet hat sich der Tony leider selbst.“ Damit lag „Tünn“ in der Nachbetrachtung jedoch weit daneben. Denn bekanntlich konnte der FC die fehlenden Modeste-Tore nie kompensieren und stieg zehn Monate später sang- und klanglos ab – da halfen auch alle Transfermillionen nicht. Das Geld, das Köln mit dem Rekordtransfer einnahm, ist längst wieder verbrannt. Wie gewonnen, so zerronnen – kein Sprichwort passt wohl besser auf die letzten zwölf Monate des FC.

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