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Attacke auf Czichos: „Da hatte ich kurz ein bisschen Angst“

Es lief die 86. Minute, als Spieler und Zuschauer im RheinEnergieStadion den Atem anhielten. Rafael Czichos lag am Boden, zunächst schien es, als sei der Innenverteidiger der Geissböcke bewusstlos. Der Kölner Abwehrchef war von Christian Tiffert mit einem Bodycheck zu Boden geschickt worden. Er konnte das Spiel aber beenden.

Köln – Czichos hatte am eigenen Strafraum den Ball erobert und den Konter der Geissböcke eingeleitet. An zwei Auer Spielern war er vorbei in Richtung Mittellinie gestürmt. Dann kam Tiffert. Czichos legte den Ball am gegnerischen Verteidiger vorbei, doch der stellte sich dem Kölner in den Weg, fuhr die Schulter aus und schickte Czichos zu Boden.

Das sah ziemlich spektakulär aus

Dieser blieb zunächst regungslos liegen, die FC-Spieler zwischen aufgebracht und in Sorge. Dominick Drexler eilte zu Czichos und prüfte, ob dieser bei Bewusstsein war. Andere Spieler wie Hector schnappten sich Tiffert, der sogar noch in Richtung seines Opfers einige Worte verlor. Jannes Horn schilderte die Szene später so. „Bei Rafa hatte ich kurz ein bisschen Angst. Das sah schon heftig aus. Dunkelgelb war da mit Sicherheit angebracht.“ Schiedsrichter Marco Fritz beließ es bei einer Gelben Karte. Doch die Attacke war rücksichtslos.

Markus Anfang wollte die Aktion später nicht überbewerten. „Das sah ziemlich spektakulär aus, aber Rafa konnte weiterspielen.“ Doch der FC-Coach war nach der Aktion am Spielfeldrand ausgeflippt, hatte Aue-Coach Daniel Meyer beschimpft und in Richtung gegnerischer Bank einige deutliche Worte verloren. „Wir wussten, dass wir auf eine leidenschaftlich verteidigende Mannschaft treffen würden, wo auch mal das eine oder andere Foul passiert“, sagte Anfang hinterher diplomatisch und überließ seinem Sportchef die klarere Aussage.

Wenn ein Verteidiger meint dribbeln zu müssen…

„Es waren einige Fouls dabei, die grenzwertig waren“, sagte Veh hinterher und beklagte eine überharte Gangart der Gegner. „Wenn du als Spieler merkst, du kannst bei einem Schiedsrichter soweit gehen, dann wird es irgendwann extrem. Da muss man aufpassen und die Spieler auch schützen.“ Alleine in der Schlussphase lag nicht nur Czichos länger am Boden. Auch Drexler und Serhou Guirassy bekamen noch ordentlich auf die Socken. Der FC wird sich wohl damit abfinden müssen, dass die Kölner Spieler in der Zweiten Liga auch körperlich stärker bearbeitet werden als in der Bundesliga.

Christian Tiffert selbst äußerte sich auf seine Art zu dem Vorfall. „Ich wehre mich strikt dagegen, dass wir hierhin gekommen sind, um zu treten. Das ist einfach lächerlich“, sagte der Routinier. Seine Schlussworte klangen jedoch danach, dass seine Attacke gegen Czichos nicht nur den Grund hatte, einen Konter zu unterbinden. „Der FC soll sich nicht über solche Situation beschweren, wenn ich mit einem Innenverteidiger zusammenrausche, der meint dribbeln zu müssen.“

3 Kommentare
  1. Klio says:

    Tiffert: „Ich wehre mich strikt dagegen, dass wir hierhin gekommen sind, um zu treten. Das ist einfach lächerlich“ – Typische Nebelkerze: Man übertreibt die Vorwürfe anderer bis ins Absurde („hierhin gekommen, um zu treten“) und erklärt damit alle Vorwürfe als lächerlich. Die Vorwürfe richteten sich aber sehr konkret gegen einzelne Aktionen der Erzgebirgler, speziell gegen Tifferts Einsteigen. Durch seine maßlose Übertreibung mogelt er sich herum um eine für ihn sicher unangenehme Stellungnahme zu seinem brutalen Foul und sein unsportliches Verhalten danach.

    Tiffert: „Der FC soll sich nicht über solche Situation beschweren, wenn ich mit einem Innenverteidiger zusammenrausche, der meint dribbeln zu müssen.“ – Das ist doch wenigstens deutlich: brutale Fouls als wohlverdiente Strafe für diejenigen, die es wagen, Fußball spielen zu wollen. Als Innenverteidiger darf man das nach Tifferts Anschauung zumindest nicht.

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